Sie erwarten von diesem Buch, dass sich darin eine grauenerregende Geschichte vollzieht, in der unheimliche Dinge geschehen? Es soll möglichst blutrünstig sein und Sie nachts davon abhalten, noch schlafen zu können? Dann sollten Sie umdenken!
Zweifellos wird das Buch Sie in den Bann ziehen, ganz sicher werden Sie es nicht mehr aus der Hand legen. Allerdings aus völlig anderen Gründen.
In der Erwartung, einen Horror-Roman erworben zu haben, musste ich (da es mein erstes Koontz-Buch war) überrascht - und amüsiert - feststellen, dass Koontz ein wahrer Meister der Wortgewitztheit und Komik ist.
Enoch Caine, ein überaus exzentrischer Psychopath, stellt - eher zufällig, aber begeistert - fest, dass er Gefallen am Morden findet. Nicht von dieser wachsenden Sucht lassen könnend, muss er allerdings auch verärgert feststellen, dass die seelischen Belastungen einer solchen Tat nicht ungesühnt bleiben. Von revolutionierenden Körperreaktionen heimgesucht, die sich nach jedem Mord in Form sturzbachartiger Brechanfälle und Darmentleerungen äußern, frisst er sich mittels dies unterbindender Medikamente durch die Geschichte, auf einen leider wenig spektakulären Showdown zu - welcher aber angesichts hunderter vorheriger Seiten voll Witz und Humor, Spannung und Erwartungssteigerung, zu verzeihen ist.
Parallel erzählt die Geschichte von einem kleinen Jungen, namens Bartholomew - ein Name, der Caine aus ihm unerfindlichen Gründen im Kopf herumspukt. Weshalb und wie Caine beginnt, sich auf die Suche nach dem Jungen zu machen und dass er sich dabei eigentlich auf die falsche Fährte begibt und am Ende dennoch fündig wird, sollte hier nicht verraten werden.
Fest steht jedoch, dass Koontz einen überaus sympathischen Psychopathen erschaffen hat, der es - neben einer mit der englischen Sprache ringenden Mexikanerin, die als Nebendarstellerin ebenfalls zur Erheiterung der Geschichte beiträgt - versteht, den Leser zum Schmunzeln zu bringen.
Die Geschichte zweier schicksalsgebeutelter Familien, einem durch Cains sadistische Aktivitäten in Mitleidenschaft gezogenen Polizisten und dem Psychopathen selbst verstrickt sich zu einem sehr interessanten Roman, der nichtzuletzt dadurch besticht, dass Koontz ein Meister der Worte ist.
Wahrlich kein grauenerregender Horror - aber eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe.
5 Sterne für die außergewöhnlich gute Niederschrift der Geschichte - insgesamt aber nur 4 Sterne, weil der Schluss zu unspektakulär ausfiel.