Das Buch ist der zweite Teil (The Black Rood) der keltischen Kreuzzugstrilogie (The Celtic Crusades Book) und damit die Fortsetzung des ersten Bandes "Das Kreuz und die Lanze" (The Iron Lance), der als Taschenbuch jedoch unverständlicherweise mit dem Titel "Der Sohn des Kreuzfahrers" erschienen ist und so für viel Verwirrung und Ärger sorgte.
Während der erste Band der Trilogie in 4 Bücher unterteilt war, besteht der zweite Teil aus drei Büchern, denen jeweils als Symbol für die einzelnen Kapitel eine andere Kreuzform vorangestellt wird: Keltenkreuz - Scheibenkreuz - Kleeblattkreuz.
Für den Sinn dieser Symbolik gibt es jedoch weder eine Erklärung,
noch einen Hinweis.
Die mittelalterliche Handlung des Romans spielt um das Jahr 1132. Der auf dem Bucheinband - im Tjost mit Saladin - abgebildete englische König Richard I. (Löwenherz)wurde jedoch erst 1157 geboren. Die auf dem Buchumschlag abgebildete Belagerungsszene stammt in Bezug auf den Roman ebenfalls aus späterer Zeit, was die Plattenpanzer der Rüstungen und die Helme erkennen lassen. Der Anachronismus der Illustrationen ist wohl nicht dem Autor, sondern dem Lübbe Verlag zuzurechnen.
Lawhead hat sich einen Zeitraum ausgesucht, über den die Geschichtsschreibung sowohl im Hinblick auf die Templer, als auch über die Ereignisse in Outremer, verhältnismäßig wenig berichtet. (Zwischen dem Konzil von Troyes und dem Fall von Edessa.)
Dieser Umstand erlaubt ihm größere literarische Freiheiten zur Schaffung seiner Szenarien, wie Bündnisverhandlungen zwischen den verfeindeten Kalifen, einem geheimen Pakt zwischen Templern und Assassinen und den kriegerischen Ereignissen um Armenien.
Neben der Geschichte vom "schwarzen Stamm" (=das wahre Kreuz) gelingt es ihm auch andere christliche Legenden, z. B. von der schwarzen Maria (Magdalena) in Südfrankreich und den ersten Kopten, die bei der Steinigung Stephan's anwesend waren, in die Handlung einzubauen. Auch die um 1900 spielende Rahmenhandlung mit der uralten, bis auf die Célé Dé der Kelten zurückgehenden geheimen Bruderschaft, ist originell und verleiht dem Roman eine zusätzliche mystisch-mythische Komponente.
Duncan, die Hauptfigur des Romans wirbelt die Begriffe Sarazenen, Türken, Araber und Seldschuken kräftig durcheinander, benutzt sie falsch als Oberbegriffe oder Synonyme.
Bei den Herrscherbegriffen und Anreden, wie Atabeg, Emir, Sultan oder Kalif herrscht ein ähnliches Durcheinander. Ob dies vom Autor beabsichtigt war oder nicht, ein Glossar wäre wünschenswert gewesen und hätte dem Roman durch Erläuterungen historischer
Begriffe noch mehr Substanz geben können.
Summa summarum ist Lawhead mit seinem zweiten Teil, für den der übersetzte Originaltitel "Der Schwarze Stamm" korrekt und treffender wäre, als der vom Lübbe Verlag gewählte ("Der Gast des Kalifen"), eine spannende und solide Fortsetzung gelungen, die das Erscheinen des dritten Bandes ("The Mystic Rose"), dessen deutscher Titel und Erscheinungstermin noch nicht bekannt sind, mit viel Interesse erwarten lässt.