Der Gartenkünstler von Ralf Günther ist ein unterhaltsamer historischer Roman, der alles mal ein bisschen anders macht als die üblichen historischen Romane.
Kurz zum Inhalt: Hermann Fürst Pückler, der für seine zauberhaften Parkanlagen bekannt ist, geht das Geld aus. Zusammen mit seiner Herzensdame Lucie ersinnt er einen Plan um an Geld zu kommen. Pückler, schon immer als Frauenschwarm bekannt, soll sich auf nach England machen, um dort eine heiratswillige, gut betuchte Dame zu finden. Und mit ihr und somit einer Menge Geld nach Muskau zurückzukehren, um seine Parkpläne endlich zur Vollendung zu bringen.
Was er nicht einkalkuliert ist, dass sein Ruf ihm vorauseilt, und alle in Frage kommenden Mädchen gut unter Verschluss gehalten werden.
Gesagt getan, und so beginnt ein spannendes Abenteuer im England des 19. Jahrhunderts. Zu allem Überfluss scheint seine Reise unter keinem guten Stern zu stehen, kaum kommt Pückler in England an, liegt schon die erste Frau tot im Hafenbecken, und es soll nicht die einzige bleiben..
Verpackt ist diese spannende Geschichte in die Gegenwart, in der der Ich-Erzäler bei Nachforschungen zu Fürst Pückler auf diesen höchstpersönlich trifft, der ihn dann zu den vergrabenen Originalbriefen führt, die bis dato noch völlig unbekannt waren. Die Briefe werden gefunden, und der Ich-Erzähler macht sich sogleich daran, Pücklers wahre Geschichte aufzuschreiben, natürlich originalgetreu in Briefform.
Ralf Günther scheint die ganze Zeit mit einem Augenzwinkern zu schreiben. Die Geschichte nimmt sich selbst nicht ganz ernst, und das macht das Buch zu einem Lesevergnügen der etwas anderen Art.
Der Leser erfährt nach und nach, was Fürst Pückler auf seiner Reise wiederfährt, aber auch, was seine geliebte Lucie zuhause für ein Leben führt.
Dazu kommen noch viele bekannte Namen, wie zum Beispiel Holmes, der Pücklers Privatdiener im fernen Engnd wird, und nur Karos trägt und Pfeife raucht, oder auch Charles Dickens, der als frecher Zeitungsjournalist Pückler um den Verstand bringt.
Die Sprache des Romans ist einfach, aber trotzdem im Stande, den Leser den Qualm im England der neu entdeckten Dampfmaschine zu riechen, und den dicken Londoner Nebel zu sehen.
In den Briefen Pücklers und seiner Schnucke, ist die Sprache an die Zeit des 19. Jahrhunderts angepasst, was den Roman authentisch wirken lässt.
Von mir also 4 Sterne, für ein gut gemachtes Buch, dass versucht Geschichte mal etwas anders rüberzubringen, was auch gelingt. Ein bisschen kürzer hätte dem Roman aber nicht schlecht getan, sodass im letzten Drittel die Spannung etwas abnahm, und vieles wiederholt wurde.
Trotzdem würde ich auch weitere Bücher von Ralf Günther lesen, denn es war ein erfrischendes Buch, in einer Zeit von zahllosen Mittelalterromanen.