Ein Auszug aus Christian Schünemanns Romanerstling "Der Frisör" wurde 2002 bei einem Wettbewerb junger Autoren mit einem Preis ausgezeichnet. Im August 2004 veröffentlichte der Diogenes Verlag dann diese humorvolle Detektivgeschichte und sorgte somit für einen frischen Wind im Verlagskatalog!
Zum Inhalt: Während die Stadt München sich im Sommerloch befindet, verbringt der homosexuelle Starfrisör Tomas Prinz die heißen Nächte damit, von seinem russischen Freund Aljoscha zu träumen. Der Mord an einer seiner Stammkundinnen, der Beautyredakteurin Alexandra Kaspari, reißt ihn schließlich aus seinen friedlichen Träumen. Persönliche Motive - erstens war er vermutlich der letzte, der sich vor dem Mörder mit Alexandra Kaspari unterhielt, und zweitens war sie eine seiner Lieblingskundinnen - bewegen Tomas Prinz dazu, sich als Amateurdetektiv zu betätigen und eigene Nachforschungen anzustellen. Unterstützt wird er dabei von seiner Farbstylistin Bea, die ihm mit ihrem Astrologietick fast die letzten Nerven raubt. Für beide beginnt eine Odyssee durch die luxuriöse Welt der Zeitschriftenredakteure und Kosmetikkonzerne, in der Schein mehr zählt als Sein...
Was mir persönlich gut gefällt, ist die Ausdrucksweise des Autors! Mit einem ironischen Augenzwinkern lässt er seine Protagonisten durch das hochsommerliche München stolpern, ahnungslos wie Fliegen, die ins Spinnennetz geraten sind, aber dies noch gar nicht zur Kenntnis genommen haben. Interessant und für mich als Krimileser neu ist auch die Wahl der unterschiedlichen Tempi. So wird die in einfacher Vergangenheit erzählte Story immer wieder von den Gedanken des Ich-Erzählers unterbrochen, die im Präsens gehalten sind.
"Kriminalromane sind der Deutschen Steckenpferd nicht!" - diese Aussage, wohl in vielen Köpfen verbreitet, wird von Christian Schünemann in "Der Frisör" auf eindringliche Art und Weise widerlegt!
Christian Schünemann selbst wirkt auf dem Foto auf dem Buchrücken rein optisch jedenfalls wie eine Mischung aus dem französischen Schauspieler Alain Delon und dem deutschen Nationalfußballer Miroslav Klose. Mit diesem Buch hat er nicht nur Einfühlungsvemögen in den oftmals schwierigen Beruf des Frisörs bewiesen (Zitat: "Mein Handwerk, das weiß jeder, ist längst Kunst geworden."), sondern vor allem die Welt des deutschsprachigen Kriminalromans bereichert!