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Der Freund und der Fremde
 
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Der Freund und der Fremde [Gebundene Ausgabe]

Uwe Timm
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1., Aufl. (19. August 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462036092
  • ISBN-13: 978-3462036091
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 11,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (23 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 238.061 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Uwe Timm
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Eine Beschreibung des berühmten Fotos steht auch am Beginn von Uwe Timms 68er-Roman Heißer Sommer: Benno Ohnesorg liegt auf dem Boden, eine schöne junge Frau, ihre Hand unter seinem blutenden Kopf, blickt ratlos in die Kamera. Schon gleich damals, bekennt Uwe Timm, wollte er über den Schulfreund, dessen skandalöser Tod zum Fanal der Studentenbewegung wurde, unbedingt schreiben. Aber es gelang nicht, auch ein zweiter Versuch Jahre später scheiterte. "Es blieb aber der Vorsatz, mehr noch, die Verpflichtung über ihn zu schreiben. Ein Erzählen, das nur gelingen konnte -- und diese Einsicht musste erst wachsen --, wenn ich auch über mich erzählte". Über 40 Jahre nachdem sich Timm und Ohnesorg in einem Braunschweiger Kolleg, auf dem man das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen konnte, kennen lernten, gelang es: ein wunderbares Buch über eine kurze, intensive Freundschaft. Und wie in Am Beispiel meines Bruders nimmt Timm tatsächlich diesen Umweg über das eigene Ich. Mehr noch als über Benno Ohnesorg und die Freundschaft zu ihm erfahren wir über den jungen Uwe Timm, der nach dem frühen Tod des Vaters mit 18 dessen Kürschnerbetrieb übernehmen muss, aber eigentlich und unbedingt Schriftsteller werden will.

Keine chronologische Erzählung, sondern ein Erinnerungsmosaik, Bilder und Fragmente, Anekdoten, geschickt komponiert, die ein lebendiges Bild ergeben vom Jungsein in den 60ern, dem Hunger nach Bildung, dem jugendlich-idealistischen Streben nach Kunst, Literatur, Philosophie, erste eigene Texte und Gedichte, die man sich gegenseitig vorliest: "Einmal, im Sommer des zweiten Jahres, als wir an der Oker saßen, in der Stille eines sich langsam auftürmenden, durch keinen Windstoß sich ankündigenden Gewitters, und uns über Gefühl und Sprache unterhielten, über uns, in dem eben noch blauen Himmel, grauschwarz das tiefhängende Gewölk, las er mir, was er sonst nie tat, ein nicht fertiges Gedicht vor. Noch fehlte die letzte Strophe. […] Als er geendigt hatte, sagte keiner von uns ein Wort, und wir sahen den Regen näher kommen, eine dicht fallende gesträhnte graublaue Front, in der die Blitze niederfuhren, und der Donner rollte über die Wiesen und Felder heran, mit einer Wucht, die sich auf die Brust legte, einen Moment gelähmt, nicht vor Schreck, sondern innig beglückt standen wir und wurden in diese Flut eingetaucht."

Da ist viel Poesie in Timms Worten, ein bisschen Wehmut, aber auch Erinnerungsfreude an den Gefühlsüberschwang der jungen Jahre. Und auch wo Timm für das Buch wie ein Journalist recherchiert -- er spricht mit Freunden und Verwandten Ohnesorgs, findet sogar die fremde Frau von dem Foto --, bleibt er ganz Dichter, wird nie zum sachlichen Chronisten. Einerseits also die unvermeidliche Distanz der verstrichenen Jahrzehnte, andererseits dieser persönliche Ton -- diese Mischung macht das Buch zu einem der berührendsten und eindrucksvollsten Werke Uwe Timms -- das zudem beweist: In der Literatur ist später manchmal besser. --Christian Stahl

Kurzbeschreibung

Er liegt am Boden, eine junge Frau kniet neben ihm und hält den Kopf des Sterbenden, ein schmaler, junger Mann, den Blick zur Seite gerichtet. Das Bild wird zur Ikone, es wird Hunderttausende auf die Straße treiben, aber wer ist dieser junge Mann, wer hätte er sein können? Benno Ohnesorg, geboren 1940 und am 2. Juni 1967 auf der Anti-Schah-Demonstration in Berlin erschossen, war der Freund und Gefährte Uwe Timms, als beide Anfang der sechziger Jahre am Braunschweig-Kolleg das Abitur nachholten. Ein eigenwilliger, zurückhaltender, auf eine stille Art entschlossener junger Mann, der malt und die Werke der französischen Moderne liest, selbst Gedichte schreibt und zum ersten Leser Uwe Timms wird. Mit ihm zusammen entdeckt Timm Apollinaire und Beckett, Camus und Ionesco, entdeckt auch, dass das Schreiben nicht nur ein einsamer Akt ist, dass man über Texte sprechen, sie verändern, sie verbessern kann, dass Nähe und radikaler Eigensinn gleichzeitig möglich sind. Nach den »Römischen Aufzeichnungen« und »Am Beispiel meines Bruders« schreibt Uwe Timm in seinem dritten autobiographischen Buch wiederum ein Requiem, das mit poetischer Intensität nicht nur die Geschichte einer großen, gewaltsam beendeten Freundschaft, sondern auch die seiner ersten Lieben und des Aufbruchs eines Schriftstellers erzählt. »Der Freund und der Fremde« erzählt auch, wie eine Generation aus dem Existentialismus zur politischen Rebellion kommt und wie auf geheimnisvolle Weise jenseits der Generationserfahrung Freundschaften und Liebesbeziehungen ein Netz der Korrespondenzen schaffen, das man erst spät als sein eigenes Lebensmuster erkennt.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Uwe Timm gebraucht den Satz "Erinnern führt ins Innere" auf der letzten Seite seiner meisterhaften, kurzen Prosa über den fremden Freund Benno Ohnesorg, der am 2.Juni 1967 bei der Anti-Schah-Demonstration in Berlin erschossen wurde.

Genau dieser Satz ist das Leitmotiv einer wirklich beeindruckenden Erzählung, in der Uwe Timm ganz viel von seinem Innersten preisgibt. Uwe Timm und Benno Ohnesorg lernen sich Anfang der sechziger Jahre auf einem Kolleg in Braunschweig kennen, an dem beide ihr Abitur nachmachen. Beide haben bereits eine Ausbildung in einem Handwerksberuf hinter sich, beide haben schon erstes Geld verdient und entscheiden sich trotzdem für den zweiten Bildungsweg. Ihre gemeinsame Liebe zur Literatur und der Wunsch zu schreiben lässt sie einander näher kommen. Beiden gemein ist außerdem die große Lust am Lernen und an - kultureller - Bildung. Nach dem Abitur trennen sich die Wege, Uwe Timm studiert in Paris und Benno Ohnesorg in Berlin. Der Rest ist Geschichte. Aber wer war Benno Ohnesorg, dessen Tod für eine Zäsur in der Geschichte der noch jungen Bundesrepublik sorgte? Ein Held? Ein Querulant? Oder nichts von alledem?

Uwe Timm versucht aus der eigenen Erinnerung, aber auch aus Gesprächen mit der Familie Ohnesorgs dem verlorenen Freund näherzukommen. Dabei zeichnet er das Lebensgefühl einer Generation nach, deren Wirken das Gesicht der Republik verändert hat. Und bleibt dennoch im Privaten, dass zunächst kaum einen Bezug zu den politischen Umbrüchen der sechziger Jahre hat. Nüchtern trägt er die Fakten zusammen, erzählt leise und aus einem Guss eine wirklich aufregende Geschichte.

Ein sehr lohnenswertes, ein wunderbares Buch!

Rezension zur gebundenen Ausgabe, Herbst 2005
War diese Rezension für Sie hilfreich?
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Fremder und Freund 1. Februar 2006
Von sonaleu
Format:Gebundene Ausgabe
Benno Ohnesorg – das Bild des 1967 auf einer Demonstration in Berlin erschossenen Studenten wurde zur Ikone der 68er Bewegung. Uwe Timm hatte Ohnesorg sieben Jahre vorher gekennen gelernt, gemeinsam mit ihm das Abitur nachgeholt. Timm, oder genauer gesagt der namenlose Ich-Erzähler, fasst bald nach dem Tod des Freundes den Plan, über ihn zu schreiben. Das Vorhaben misslingt. „Es blieb aber der Vorsatz, mehr noch, die Verpflichtung, über ihn zu schreiben. Ein Erzählen, das nur gelingen konnte – und diese Einsicht musste erst wachsen -, wenn ich auch über mich erzählte.“ So macht sich der Ich-Erzähler nun daran, sich an die gemeinsame Zeit zu erinnern, erzählt uns einen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte, versucht, zu ergründen, wer der früh verstorbene Freund war, sucht dazu auch das Gespräch mit dessen Bekannten und Verwandten.
Das Buch ist nicht in Kapitel, sondern in längere und kürzere Abschnitte geteilt, erzählt wird nicht chronologisch, sondern sprunghaft, assoziativ, so wie auch ein Erinnerungsprozess abläuft.
Was schliesslich entsteht, ist einerseits der sensible Versuch einer Annäherung an den toten Freund, andererseits das sehr dichte Bild einer Epoche: – eine Gesellschaft, deren Eliten vielfach zu Demokraten gewandelte Nazis sind, deren junge Generation sich an das Hinterfragen überkommener Werte und Strukturen macht, an „die Abgrenzung von all dem, was Konvention war, die Infragestellung der grossen Gefühle und Tugenden: Nation, Familie, Heimat, Pflicht...“ - beinflusst durch die Lektüre von Camus und anderer Existentialisten.
Timm erzählt die Geschichte einer Freundschaft. „Der Fremde und der Freund“ – ist hier gemeint, dass der Freund gleichzeitig ein Fremder war? Wer war Benno Ohnesorg? Weder dem Ich-Erzähler noch dem Leser bietet sich schliesslich ein kohärentes Bild dieser Person. Ein solches könnte auch nur Illusion sein. Immerhin erahnt man nach der Lektüre den Menschen hinter der Ikone.
Im Titel zeigt sich aber auch das Eingeständnis, den Freund allein gelassen, sich ihm gegenüber wie ein Fremder verhalten zu haben. Wie der Titelheld im gemeinsam mit dem Freund gelesenen „Der Fremde“ von Camus, erstrebte der Ich-Erzähler die „Verweigerung von jeglicher Bindung im Privaten, im Kollektiv... Distanz vor jeder Festlegung.“ Es ist dieses Bestreben, das schliesslich dazu führt, dass der Ich-Erzähler nach dem Abitur nicht wie geplant mit dem Freund zum Studium nach Berlin fährt, sondern ohne ihn in München an die Uni geht, ihn nie wieder sieht. Jahre später erfährt er, dass der Freund ihm deshalb böse gewesen ist. „Eine Nachricht, die mich verstörte und mit ein Grund war, über ihn, über uns zu schreiben.“
Erst der Tod des Freundes bringt den Ich-Erzähler und mit ihm wohl einen grossen Teil seiner Generation dazu, die Haltung der Bindungslosigkeit, des sich Verweigerns, aufzugeben, zur politischen Aktion zu schreiten, Verantwortung zu übernehmen. Die persönliche Geschichte des Ich-Erzählers wird hier auch zur allgemeinen, zu derjenigen einer ganzen Generation.
Und dennoch gelingt Timm ein sehr persönliches Buch, das auch nach dem Lesen nicht loslässt, nachdenklich stimmt. Es bleibt das Gefühl, Wesentliches über das Lebensgefühl der jungen Menschen der 60er Jahre erfahren zu haben und gleichzeitig einen intimen persönlichen Erinnerungsbericht gelesen zu haben.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Uwe Timm gelang mit diesem Buch eine sehr persönliche Beschreibung und Darstellung der sechziger Jahre, die für eine Zeit voller Konflikte mit der Elterngeneration und dem Aufbruch in eine neu zu gestaltende Zeit stand. Uwe Timms nahe Beziehung zu Benno Ohnesorg sichert dabei eine enge Verzahnung zu den damaligen Ereignissen der Anti-Schah-Demo, den Studenten-Krawallen und dem Versuch, neues, aufklärerisches Denken in den Köpfen zu verankern, die noch sehr in den überkommenen konservativen bis völkischen Gefühligkeiten befangen waren. Ein Buch, das für alle, die Nachgeborene sind, eine persönliche Einsicht in die Zeit der 68er-Bewegung, deren Hintergründe und Anstöße, erlaubt. Damit ein sehr wichtiges, zeitgeschichtlich historisches Buch, aber ebenso, um nachvollziehbare Kenntnisse über diese Zeit zu gewinnen, aber auch, um diese Zeit, Beweggründe und Personen besser zu verstehen. Für mich also ein sehr persönliches Buch Uwe Timms, hinter dessen Schilderungen die Person Benno Ohnesorgs eher nur erzählerischer Aufhänger ist, nicht aber zum eigentlichen Thema gehört. Denn er selbst steht dort, im Zentrum seines erzählerischen Wahrnehmens. Denn dieses Zentrum ist für Uwe Timm selbst, sein persönliches, politisches Erwachen in einer von jugendlichem Aufbruch und revolutionärem Geist vibrierenden Zeit. Ein Buch für alle, die persönliche Wahrnehmungen und Einsichten in diese Zeit suchen.
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Erinnerungen an einen Freund
Uwe Timm Der Freund und der Fremde Kiepenheuer&Witsch

ISBN 3518399764

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Veröffentlicht am 28. April 2007 von Cl.Borries
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