Pressestimmen
"Ein unterhaltsames, witziges und originelles Lesevergnügen.“ (Space View )
Kurzbeschreibung
Max hat die ersten 29 Jahre seines Lebens als Tagträumer und schüchterner Nachtschwärmer verbracht, als sich seine Kneipenbekanntschaft Juffin Halli eines Tages als Chef der Geheimpolizei von Echo entpuppt. Und als ihm Sir Juffin sogar einen Job anbietet, erwachen in Max ganz neue Talente. Er lässt sein Leben als Loser hinter sich und ergreift die Chance, als Geheimpolizist auf Verbrecherjagd zu gehen, und zwar in Echo, der labyrinthischen Hauptstadt einer magischen Parallelwelt voller Überraschungen und Gefahren. Max taucht immer tiefer ein in das riskante Spiel, und findet Geschmack an dem Leben als supercooler Typ …
Ein genialer Cocktail aus kultiger Fantastik, hintersinnigem Humor und mysteriösen Kriminalfällen!
Die fantastischen Abenteuer des Geheimpolizisten Max Frei in einer geheimnisvollen Parallelwelt, deren Bewohner magische Talente besitzen.
Klappentext
Russky Telegraph
"Ideenreiche und unterhaltsame Fantasywelt."
SpielXpress
"Ein unterhaltsames, witziges und originelles Lesevergnügen."
Space View
Über den Autor
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ich stamme irgendwo aus Ihrer Gegend. Möglicherweise sind wir sogar Nachbarn gewesen. Ich habe ungefähr dreißig Jahre in Ihrer Heimat gelebt und bin dann nach Echo gegangen.
Sie werden die Stadt Echo auf keiner Karte finden, denn sie liegt nicht auf Ihrem Planeten. Genauer gesagt: Sie liegt nicht in Ihrer Welt. Diese Formulierung gefällt mir besser, weil nicht auf Ihrem Planeten gleich mit Raumfliegerei verbunden wird und ich – zum Glück – nie ein Raumschiff betreten musste. Einzelheiten über meine Reise hierher finden Sie in der anschließenden Geschichte »Debüt in Echo«.
Echo ist die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs, das aus Uguland, Gugland, Landland und Uriuland, den Grafschaften Schimar und Wuk, den Ländern des Ordens des Siebenzackigen Blattes, der freien Stadt Gazin und der Insel Murimach besteht.
In diesem Königreich erlauben die Naturgesetze die Entwicklung paranormaler Fähigkeiten und fördern sie sogar – besonders bei uns in Echo, weil die Stadt »im Herzen der Welt« errichtet wurde, um eine Formulierung der hiesigen Magier aufzugreifen, ohne die ich nichts erklären kann. Wenn Telepathie und andere kleine Tricks jenseits der Grenzen von Uguland (in dessen Mitte Echo liegt) nicht weiterhelfen, sieht die Lage böse aus. Nur Faulenzer können in Echo nicht zaubern – das habe ich erschreckend schnell gelernt.
Dementsprechend begeistert sich die hiesige Bevölkerung für Offenkundige Zauberei oder Alltagsmagie, vielmehr: Sie hat sich dafür bis zum Beginn der Epoche des Gesetzbuchs begeistert, einer Epoche, der einige tragische und blutige Ereignisse vorausgegangen sind.
In uralter Zeit haben einige Weise vorhergesagt, die maßlose Begeisterung für die Alltagsmagie könne böse enden, und eine düstere und komplexe Theorie des möglichen Weltuntergangs entwickelt. Damals war die Anwendung von Magie unverzichtbar. Viele magische und sehr mächtige Orden haben jahrtausendelang versucht, sich die Herrschaft untereinander zu teilen. Der König – welchen Namen er auch getragen haben mag – ist damals die wichtigste Figur des politischen Spiels gewesen.
Das änderte sich, als Gurig VII. den Thron bestieg und die Geschichte umkrempelte. Er verbündete sich mit dem einzigen Orden, dem er trauen konnte: Die Mitglieder des Siebenzackigen Blattes schwärmten nicht nur davon, zahlreiche Konkurrenten zu beseitigen, sondern beschäftigten sich schon lange ernsthaft mit der Untersuchung apokalyptischer Probleme. Nuflin Moni Max, der Große Magister des Ordens, war ein weiser Mann, der die kommende Gefahr rechtzeitig erkannte. Kaum hatte er sein Amt angetreten, begann er, die Entscheidungsschlacht gegen die übrigen Orden vorzubereiten, und tat sich zu diesem Zweck mit König Gurig VII. zusammen. Der Orden des Siebenzackigen Blattes entfesselte den Krieg gegen alle, der in die Geschichte als die Traurige Zeit eingegangen ist. Das zerstörerische Jahrhundert endete mit dem nun auch offiziell verkündeten Frieden zwischen dem König und dem Orden des Siebenzackigen Blattes. Am gleichen Tag wurde das Chrember-Gesetzbuch verkündet, benannt nach dem jungen Mann, der das letzte Opfer der Auseinandersetzungen geworden war. Diese vor einhundertzwölf Jahren erlassene Gesetzessammlung besteht aus moralischen Geboten und strafbewehrten Verboten und dient der neuen Zeit – der Epoche des Gesetzbuchs – als Grundlage.
Die Generalklausel des Chrember-Gesetzbuchs lautet: »Den Bürgern des Vereinigten Königreichs ist die Nutzung von Alltagsmagie verboten – es sei denn, sie haben dafür die Erlaubnis des Königs oder des Großen Magisters vom vornehmen und einzigen Orden des Siebenzackigen Blattes.«
Nichtsdestoweniger passieren auch jetzt noch Wunder, was auf einige Paragrafen zurückzuführen ist, die der Generalklausel des Gesetzbuchs widersprechen. So heißt es beispielsweise: »Die Bürger dürfen Weiße Magie bis zum fünften Grad anwenden, aber nur im eigenen Haus oder außerhalb der Stadt Echo. Schwarze Magie dürfen sie bis zum zweiten Grad anwenden, jedoch nur im eigenen Haus und nur im medizinischen oder kulinarischen Bereich.« Weiß und schwarz bedeuten übrigens nicht gut und schlecht! Schwarze Magie ist einfach jene Zauberkunst, die sich mit der Manipulation der Materie beschäftigt, und verdankt ihren Namen der Farbe der Erde. Weiße Magie hingegen arbeitet eher mit abstrakten Dingen, beispielsweise mit Stimmungen, Gedanken oder dem Gedächtnis. Freilich haben die Bewohner des Vereinigten Königreichs eigene Vorstellungen davon, wo das Materielle endet und das Spirituelle beginnt. Spiritualität ist unter den Einwohnern von Echo sehr beliebt, gilt ihnen interessanterweise aber als Teil der Schwarzen Magie, weil sie fest daran glauben, dass ihre Wirkungen nicht weniger materiell sind als zum Beispiel die Töpfe in der Küche. Es gibt daher einige Dutzend Methoden, seine Widersacher zu töten – Methoden, die objektiv allesamt ins Gebiet der Weißen Magie fallen, weil der Tod dort als eine der höchsten Äußerungen des Abstrakten gilt. Aber all das ist äußerst verwirrend.
Zu Beginn der Epoche des Gesetzbuchs mussten die besiegten Ordensmitglieder das Vereinigte Königreich verlassen. Man kann vermuten, dass selbst die mächtigsten Magier außerhalb der Grenzen von Echo einen Großteil ihrer Kraft verlieren und das berüchtigte Weltende nicht heraufbeschwören können. Ab und an schauen einige dieser Magier in Echo vorbei, und dann wird es bei uns lustig.
Die Nutzungssperre der Weißen Magie betrifft den Orden des Siebenzackigen Blattes nicht, denn seine Mitglieder verfügen über Wissen, das es ihnen erlaubt, die Auswirkungen ihrer Experimente auf ein Minimum zu reduzieren. Ökologisch saubere Magie – so etwas in der Richtung.
Außerdem gibt es zahlreiche verdiente, verehrte und gefährliche Magier, die unangefochten in Echo leben und gewisse Privilegien besitzen. Sie haben es rechtzeitig geschafft, sich mit den künftigen Siegern zu arrangieren, oder sich dem Krieg einfach entzogen. Sie alle sind bewundernswerte und schillernde Persönlichkeiten, und ich bin der so festen wie naiven Überzeugung, dass auf ihrer charmanten Klugheit das Wohlergehen der Hauptstadt des Königreichs ruht.
Meiner Ansicht nach stehen ausreichend viele Grade von Alltagsmagie zur Verfügung, so dass man sich nicht langweilen kann. Wer die Epoche der Orden noch erlebt hat, ist allerdings womöglich anderer Meinung.
Und noch etwas. Neben der Alltagsmagie gibt es die Unsichtbare oder Reine Magie. Man hat mir mal erklärt, sie könne nicht nur die Welt zerstören, sondern bilde zugleich ein unerlässliches Element ihres Daseins. Da ich diese Theorie nicht widerlegen kann, glaube ich einfach daran.
Nur wenige kennen und beherrschen die Reine Magie, und ich möchte darauf hinweisen, dass die Gabe, sich mit ihr zu beschäftigen, vom Geburtsort unabhängig ist. Dafür bin ich selbst ein erstaunlicher Beweis. Sir Juffin Halli – mein bester Freund, Vorgesetzter und Lehrer – behauptet, die Reine Magie komme in allen Welten vor: eine ziemlich gute Nachricht.
Ihr Max Frei
Debüt in Echo
Man weiß nie, wohin es einen verschlägt. Was das angeht, bin ich Spezialist. Die ersten neunundzwanzig Jahre meines Lebens war ich ein klassischer Versager. Der Mensch hat die Neigung, die verschiedensten Gründe für seinen Misserfolg zu suchen und zu finden. Mit so etwas habe ich mich nie beschäftigt, denn bei mir war die Ursache stets klar.
Schon als Kind hatte ich Probleme, nachts durchzuschlafen. Morgens hingegen schlief ich angenehm tief, besonders in den Stunden, da man das Glück verteilt. Am Osthimmel der ungerechtesten aller Welten stand in Flammenschrift der Spruch Morgenstund hat Gold im Mund. Ist es tatsächlich so?
Der wahre Alptraum meiner Kindheit war das tägliche Warten auf den schrecklichen Moment, da es...
Auszug aus Das Echo-Labyrinth. Der Fremdling. Der Fremdling von Max Frei, Anna Serafin. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Ich stamme irgendwo aus Ihrer Gegend. Möglicherweise sind wir sogar Nachbarn gewesen. Ich habe ungefähr dreißig Jahre in Ihrer Heimat gelebt und bin dann nach Echo gegangen.
Sie werden die Stadt Echo auf keiner Karte finden, denn sie liegt nicht auf Ihrem Planeten. Genauer gesagt: Sie liegt nicht in Ihrer Welt. Diese Formulierung gefällt mir besser, weil nicht auf Ihrem Planeten gleich mit Raumfliegerei verbunden wird und ich - zum Glück - nie ein Raumschiff betreten musste. Einzelheiten über meine Reise hierher finden Sie in der anschließenden Geschichte »Debüt in Echo«.
Echo ist die Hauptstadt des Vereinigten Königreichs, das aus Uguland, Gugland, Landland und Uriuland, den Grafschaften Schimar und Wuk, den Ländern des Ordens des Siebenzackigen Blattes, der freien Stadt Gazin und der Insel Murimach besteht.
In diesem Königreich erlauben die Naturgesetze die Entwicklung paranormaler Fähigkeiten und fördern sie sogar - besonders bei uns in Echo, weil die Stadt »im Herzen der Welt« errichtet wurde, um eine Formulierung der hiesigen Magier aufzugreifen, ohne die ich nichts erklären kann. Wenn Telepathie und andere kleine Tricks jenseits der Grenzen von Uguland (in dessen Mitte Echo liegt) nicht weiterhelfen, sieht die Lage böse aus. Nur Faulenzer können in Echo nicht zaubern - das habe ich erschreckend schnell gelernt.
Dementsprechend begeistert sich die hiesige Bevölkerung für Offenkundige Zauberei oder Alltagsmagie, vielmehr: Sie hat sich dafür bis zum Beginn der Epoche des Gesetzbuchs begeistert, einer Epoche, der einige tragische und blutige Ereignisse vorausgegangen sind.
In uralter Zeit haben einige Weise vorhergesagt, die maßlose Begeisterung für die Alltagsmagie könne böse enden, und eine düstere und komplexe Theorie des möglichen Weltuntergangs entwickelt. Damals war die Anwendung von Magie unverzichtbar. Viele magische und sehr mächtige Orden haben jahrtausendelang versucht, sich die Herrschaft untereinander zu teilen. Der König - welchen Namen er auch getragen haben mag - ist damals die wichtigste Figur des politischen Spiels gewesen.
Das änderte sich, als Gurig VII. den Thron bestieg und die Geschichte umkrempelte. Er verbündete sich mit dem einzigen Orden, dem er trauen konnte: Die Mitglieder des Siebenzackigen Blattes schwärmten nicht nur davon, zahlreiche Konkurrenten zu beseitigen, sondern beschäftigten sich schon lange ernsthaft mit der Untersuchung apokalyptischer Probleme. Nuflin Moni Max, der Große Magister des Ordens, war ein weiser Mann, der die kommende Gefahr rechtzeitig erkannte. Kaum hatte er sein Amt angetreten, begann er, die Entscheidungsschlacht gegen die übrigen Orden vorzubereiten, und tat sich zu diesem Zweck mit König Gurig VII. zusammen. Der Orden des Siebenzackigen Blattes entfesselte den Krieg gegen alle, der in die Geschichte als die Traurige Zeit eingegangen ist. Das zerstörerische Jahrhundert endete mit dem nun auch offiziell verkündeten Frieden zwischen dem König und dem Orden des Siebenzackigen Blattes. Am gleichen Tag wurde das Chrember-Gesetzbuch verkündet, benannt nach dem jungen Mann, der das letzte Opfer der Auseinandersetzungen geworden war. Diese vor einhundertzwölf Jahren erlassene Gesetzessammlung besteht aus moralischen Geboten und strafbewehrten Verboten und dient der neuen Zeit - der Epoche des Gesetzbuchs - als Grundlage.
Die Generalklausel des Chrember-Gesetzbuchs lautet: »Den Bürgern des Vereinigten Königreichs ist die Nutzung von Alltagsmagie verboten - es sei denn, sie haben dafür die Erlaubnis des Königs oder des Großen Magisters vom vornehmen und einzigen Orden des Siebenzackigen Blattes.«
Nichtsdestoweniger passieren auch jetzt noch Wunder, was auf einige Paragrafen zurückzuführen ist, die der Generalklausel des Gesetzbuchs widersprechen. So heißt es beispielsweise: »Die Bürger dürfen Weiße Magie bis zum fünften Grad anwenden, aber nur im eigenen Haus oder außerhalb der Stadt Echo. Schwarze Magie dürfen sie bis zum zweiten Grad anwenden, jedoch nur im eigenen Haus und nur im medizinischen oder kulinarischen Bereich.« Weiß und schwarz bedeuten übrigens nicht gut und schlecht! Schwarze Magie ist einfach jene Zauberkunst, die sich mit der Manipulation der Materie beschäftigt, und verdankt ihren Namen der Farbe der Erde. Weiße Magie hingegen arbeitet eher mit abstrakten Dingen, beispielsweise mit Stimmungen, Gedanken oder dem Gedächtnis. Freilich haben die Bewohner des Vereinigten Königreichs eigene Vorstellungen davon, wo das Materielle endet und das Spirituelle beginnt. Spiritualität ist unter den Einwohnern von Echo sehr beliebt, gilt ihnen interessanterweise aber als Teil der Schwarzen Magie, weil sie fest daran glauben, dass ihre Wirkungen nicht weniger materiell sind als zum Beispiel die Töpfe in der Küche. Es gibt daher einige Dutzend Methoden, seine Widersacher zu töten - Methoden, die objektiv allesamt ins Gebiet der Weißen Magie fallen, weil der Tod dort als eine der höchsten Äußerungen des Abstrakten gilt. Aber all das ist äußerst verwirrend.
Zu Beginn der Epoche des Gesetzbuchs mussten die besiegten Ordensmitglieder das Vereinigte Königreich verlassen. Man kann vermuten, dass selbst die mächtigsten Magier außerhalb der Grenzen von Echo einen Großteil ihrer Kraft verlieren und das berüchtigte Weltende nicht heraufbeschwören können. Ab und an schauen einige dieser Magier in Echo vorbei, und dann wird es bei uns lustig.
Die Nutzungssperre der Weißen Magie betrifft den Orden des Siebenzackigen Blattes nicht, denn seine Mitglieder verfügen über Wissen, das es ihnen erlaubt, die Auswirkungen ihrer Experimente auf ein Minimum zu reduzieren. Ökologisch saubere Magie - so etwas in der Richtung.
Außerdem gibt es zahlreiche verdiente, verehrte und gefährliche Magier, die unangefochten in Echo leben und gewisse Privilegien besitzen. Sie haben es rechtzeitig geschafft, sich mit den künftigen Siegern zu arrangieren, oder sich dem Krieg einfach entzogen. Sie alle sind bewundernswerte und schillernde Persönlichkeiten, und ich bin der so festen wie naiven Überzeugung, dass auf ihrer charmanten Klugheit das Wohlergehen der Hauptstadt des Königreichs ruht.
Meiner Ansicht nach stehen ausreichend viele Grade von Alltagsmagie zur Verfügung, so dass man sich nicht langweilen kann. Wer die Epoche der Orden noch erlebt hat, ist allerdings womöglich anderer Meinung.
Und noch etwas. Neben der Alltagsmagie gibt es die Unsichtbare oder Reine Magie. Man hat mir mal erklärt, sie könne nicht nur die Welt zerstören, sondern bilde zugleich ein unerlässliches Element ihres Daseins. Da ich diese Theorie nicht widerlegen kann, glaube ich einfach daran.
Nur wenige kennen und beherrschen die Reine Magie, und ich möchte darauf hinweisen, dass die Gabe, sich mit ihr zu beschäftigen, vom Geburtsort unabhängig ist. Dafür bin ich selbst ein erstaunlicher Beweis. Sir Juffin Halli - mein bester Freund, Vorgesetzter und Lehrer - behauptet, die Reine Magie komme in allen Welten vor: eine ziemlich gute Nachricht.
Ihr Max Frei
Debüt in Echo
Man weiß nie, wohin es einen verschlägt. Was das angeht, bin ich Spezialist. Die ersten neunundzwanzig Jahre meines Lebens war ich ein klassischer Versager. Der Mensch hat die Neigung, die verschiedensten Gründe für seinen Misserfolg zu suchen und zu finden. Mit so etwas habe ich mich nie beschäftigt, denn bei mir war die Ursache stets klar.
Schon als Kind hatte ich Probleme, nachts durchzuschlafen. Morgens hingegen schlief ich angenehm tief, besonders in den Stunden, da man das Glück verteilt. Am Osthimmel der ungerechtesten aller Welten stand in Flammenschrift der Spruch Morgenstund hat Gold im Mund. Ist es tatsächlich so?
Der wahre Alptraum meiner Kindheit war das tägliche Warten auf den schrecklichen Moment, da es hieß: »Gute Nacht, mein Schatz, gib Mami ein Küsschen und ab ins Bett.« Die Zeit unter der Bettdecke war vergeudet, denn sie bestand allein aus hoffnungslosen Einschlafversuchen. Natürlich habe ich auch angenehme Erinnerungen an die unvergleichliche Freiheit, die man - wie ich schnell begriff - hat, wenn alle anderen schlafen. Man muss allerdings lernen, keine Geräusche zu machen und die Spuren seines geheimen Tuns zu verbergen.
Doch das Schlimmste war das mühsame Aufstehen morgens, nachdem es mit dem Einschlafen endlich geklappt hatte. Natürlich hasste ich meine Schule, verspottete mich darüber aber selbst. Die ersten zwei Jahre fand der Unterricht nur nachmittags statt, und ich gehörte prompt zu den besten Schülern. Das war ich danach nicht mehr - bis zum Treffen mit Sir Juffin Halli.
Wie zu erwarten, vergrößerten sich meine Schlafprobleme im Laufe der Zeit ständig, was mein gedeihliches Hineinwachsen in die Gesellschaft verhinderte. Als ich mich gerade endgültig davon überzeugt hatte, dass eine Nachteule wie ich in einer Welt, in der die Frühaufsteher regieren, nichts zu suchen hat, traf ich Sir Juffin Halli.
Seiner Initiative verdankte ich die Bereitschaft, mich von meinem Elternhaus zu entfernen, und einen Job, der meinen Neigungen und meinem Ehrgeiz voll entspricht: Ich bin das Nachtantlitz des Ehrwürdigen Leiters des Kleinen Geheimen Suchtrupps der Stadt Echo.
Die Geschichte meines Eintritts in diesen Dienst ist so ungewöhnlich, dass ich sie später gesondert erzählen werde. Vorerst beschränke ich mich darauf, die weiter zurückliegenden Ereignisse zu skizzieren.
Ich sollte wohl damit anfangen, dass Träume für mich seit eh und je ein wesentlicher Teil des Lebens sind. Wenn ich aus einem Alptraum erwachte, war ich zutiefst überzeugt, mir drohe tatsächlich Gefahr. Nachdem ich mich in eine Schönheit aus einem Traum verliebt hatte, konnte ich mich gleich von meiner Freundin trennen. In meiner Jugend hatte ohnehin jeweils nur eine Leidenschaft in meinem Herzen Platz. Wenn ich im Schlaf ein Buch gelesen hatte, zitierte ich meinen Freunden am nächsten Tag munter daraus. Als ich im Traum eine Reise nach Paris machte, behauptete ich danach dreist, die Stadt schon besucht zu haben. Dabei war ich kein Angeber, oh nein, doch ich spürte, sah und begriff tatsächlich keinen Unterschied zwischen Traum und Realität.
Ab und an träumte ich auch von Sir Juffin Halli. Langsam freundeten wir uns an, wenn man das so sagen kann.
Sir Juffin ist ein extravaganter Typ, den man leicht für den älteren Bruder des Schauspielers Rutger Hauer halten könnte. Sollten Sie genug Fantasie haben, so ergänzen Sie seine imposante Gestalt um sehr helle, schmale und starr blickende Augen. Dieser lebensfrohe Mann, dessen Allüren so ganz anders waren als die eines östlichen Kaisers oder eines Zirkusdirektors, eroberte das Herz des früheren Max, an den ich mich noch recht gut erinnere, wie im Flug.
In einem meiner Träume grüßten wir uns plötzlich und redeten bald darauf über Kleinigkeiten, wie Stammgäste eines Cafés es so tun. Diese Art der Traumbegegnungen dauerte ein paar Jahre, und dann bot Juffin mir seine Hilfe an. Er sagte mir mit ganz normaler Stimme, ich würde über außergewöhnliche magische Kräfte verfügen, die es zu entwickeln gelte, wenn ich nicht den Herbst meines Lebens in einer psychiatrischen Klinik begrüßen wolle. Und er schlug vor, mein Trainer, Arbeitgeber und guter Onkel zugleich zu werden. Dieser absurde Antrag erschien mir damals gefährlich verführerisch. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte ich bei mir keine besondere Begabung bemerkt, und mir wurde langsam klar, dass es mit meiner Karriere - gelinde gesagt - nicht recht bergauf ging. Sir Juffin, der sich so sehr für meine hypothetischen Fähigkeiten begeisterte, schöpfte mich aus der Realität wie ein Klößchen aus der Suppe. Bis zum letzten Moment glaubte ich fest daran, Opfer meiner Einbildungskraft zu sein. Fürwahr - der Mensch ist ein seltsames Wesen!
Den Bericht über meine erste Reise zwischen den Welten verschiebe ich auf später. An die ersten Tage meines Lebens in Echo erinnere ich mich fast gar nicht, begriff davon noch weniger und betrachtete - ehrlich gesagt - alles, was ringsum geschah, teils als langen Traum, teils als Kette komplizierter Halluzinationen. Ich versuchte nicht, die Situation zu durchschauen, sondern war ganz darauf konzentriert, die auftauchenden Probleme zu lösen. Damit hatte ich genug zu tun. Zuerst nahm ich an einem Intensivkurs zur Integration in mein neues Leben teil. Es erwies sich, dass ich unbedarfter als ein Neugeborenes war. Das brüllt vor sich hin und macht in die Windeln, verletzt dabei aber keine lokalen Sitten und Gebräuche. Ich hingegen machte am Anfang alles falsch und musste ordentlich schwitzen, damit man mich nicht weiter für einen Dorftrottel hielt.
Als ich mich zum ersten Mal im Haus von Sir Juffin Halli einfand, war er noch nicht da. Als Ehrwürdiger Leiter des Kleinen Geheimen Suchtrupps der Hauptstadt des Vereinigten Königreichs war Halli ein vielbeschäftigter Mann und musste irgendwo stecken geblieben sein.
Der alte Haushofmeister Kimpa, der von seinem Herrn erfahren hatte, dass ich zu den Gästen der Kategorie de luxe gehörte, war ausgesprochen verblüfft, denn bisher hatten nur anständige Leute das Haus besucht.
Ich begann mein neues Leben mit der Frage nach dem Klo. Auch das erwies sich als Fauxpas, denn alle Bürger des Vereinigten Königreichs, die älter als zwei Jahre sind, wissen, dass sich Bad und Toilette im Keller eines jeden Hauses befinden und man sie über eine separate Treppe erreicht.
Und dann mein Aussehen! Meine Jeans und mein Pulli, meine Weste aus ungefärbtem Leder und meine schweren, stumpfnasigen Schuhe eigneten sich sehr gut, den Alten zu schockieren, der gewöhnlich gleichmütig wie der Monsunregen war. Zehn Sekunden lang musterte er mich von Kopf bis Fuß. Sir Juffin schwor später übrigens, so viel Aufmerksamkeit habe Kimpa zuletzt der ruhigen Mrs Kimpa am Hochzeitstag geschenkt. Das allerdings war vor ungefähr zweihundert Jahren gewesen. Kaum hatte der Alte mich lange genug angestarrt, befahl er mir, mich umzuziehen. Ich widersetzte mich nicht, um die Erwartungen des irritierten Greises nicht zu enttäuschen.
Damit begann etwas Schreckliches. Ich stand vor einem Haufen bunt gemusterter Kleidungsstücke, den ich mit vor Erregung schwitzenden Händen durchwühlte und dabei entnervt die Augen rollte. Zum Glück hatte Kimpa ein erfülltes Leben hinter sich und bestimmt viel Außergewöhnliches gesehen, darunter auch Dummköpfe wie mich, denen die elementarsten Dinge fremd sind. Um dem guten Namen seines vergötterten Chefs keine Schande zu machen, half er mir. Zehn Minuten später sah ich einem eingeborenen Bewohner von Echo ziemlich ähnlich, kam mir aber völlig albern vor. Nachdem ich mich davon überzeugt hatte, dass meine Kostümierung unauffällig war und nicht nach ein paar Schritten auseinanderfiel, fand ich mich mit ihr ab.
Dann begann die nächste Nervenprobe: das Mittagessen. Kimpa, die gute Seele, leistete mir Gesellschaft, damit ich die Zeit sinnvoll nutzte. Bei jedem Gang des Menüs studierte ich die Handbewegungen meines Lehrers und versuchte, das abgeguckte Wissen anzuwenden, indem ich mein Essen mit dem passenden Besteck zum Mund führte. Und immer achtete ich darauf, seinen Gesichtsausdruck nachzuahmen - das konnte ja nicht schaden!
Später ließ Kimpa mich in Ruhe und forderte mich auf, mir Haus und Garten anzuschauen. Das machte mir viel Spaß. Chuf - ein kleines, bezauberndes Wesen, das einer Bulldogge ähnelte - leistete mir Gesellschaft. Er war im Grunde genommen mein Cicerone. Ohne ihn hätte ich mich in dem riesigen, halb leeren Haus sicher verirrt und kaum die Tür ins dicke Gestrüpp des Gartens gefunden. Dort legte ich mich ins Gras und konnte mich endlich erholen.
Bei Sonnenuntergang ging der alte Haushofmeister feierlich in seinen kleinen Schuppen in einem Winkel des Gartens und fuhr kurz darauf mit einem Technikwunder vor, einem Fahrzeug, das aussah, als ließe es sich nur mit einem Zugtier fortbewegen, aber von alleine fuhr. Mit Hilfe eines Aggregats rollte es so schnell davon, wie seine Größe erwarten ließ. Später erfuhr ich übrigens, dass Kimpa in seinem langen Leben auch mal Läufer gewesen war. Seine Geschwindigkeit ließ sich freilich nicht mit der von A-Mobilen - wie man diese merkwürdigen Fortbewegungsmittel nannte - vergleichen.
Kimpa kam nicht allein zurück: Sir Juffin Halli persönlich - mein alter Bekannter und Bewohner meiner fabelhaften Träume - thronte auf den weichen Kissen der Benzinkutsche.
Endlich begriff ich: Alles, was passiert war, war tatsächlich geschehen! Ich erhob mich ein wenig, um ihn zu begrüßen, fiel aber gleich wieder ins Gras, schaute ihn finster an und machte ein dummes Gesicht. Gleich darauf sah ich zwei lächelnde Sir Juffins auf mich zukommen. Mühsam wählte ich einen aus, rappelte mich auf und wäre fast wieder umgekippt. Ich fühlte mich ungeheuer tapfer.
»Macht nichts, Max«, meinte Sir Juffin Halli und lächelte mich verständnisvoll an. »Auch mir geht es oft schlecht, und ich habe dabei die gleichen Erfahrungen gemacht. Ich bin froh, dich endlich in natura kennenzulernen!« Dann legte er die linke Hand an die Brauen und rief triumphierend: »Du bist es wirklich!« Er nahm die Hand runter und zwinkerte mir zu: »So begrüßt man sich hier, Max! Wiederhole!«
Auch ich legte die Hand an die Brauen und rief: »Ihr seid es wirklich!«
»Für den Anfang nicht schlecht«, meinte Halli. Dann machte ich es noch siebzehn Mal und fühlte mich wie ein geistesschwacher Kronprinz, der einen Benimmlehrer bekommen hat.
Leider beschränkten sich die Erlebnisse dieses Tages nicht nur auf das Erlernen der Echo-Etikette. Das Hauptproblem ist, dass hier seit Ewigkeit mächtige Magier wohnen. Meiner Ansicht nach gehören alle Eingeborenen bis zu einem gewissen Grade dazu. Glücklicherweise hatte man die uralte Rivalität der magischen Orden durch den Frieden zwischen König Gurig VII. und dem Orden des Siebenzackigen Blattes beendet. Das war hundertzwölf Jahre vor meiner Ankunft in Echo gewesen. Seither dürfen sich die Bürger nur einfachster Magie bedienen - vor allem auf kulinarischem und medizinischem Gebiet. Magie braucht man hier beispielsweise zur Vorbereitung der Kamra, die man in Echo statt Tee und Kaffee trinkt. Dieses Getränk schmeckt ohne magische Formel zu bitter. Mit einem anderen Zauberspruch bleibt die Butterdose sauber - eine epochale Errungenschaft, wie ich finde!
Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich dem Orden des Siebenzackigen Blattes bin, dessen Umtriebe und Intrigen den Lauf der Geschichte verändert haben. Beispielsweise brauche ich den 234. Grad der Weißen Magie nicht zu erlernen, von dem Kenner behaupten, er sei der Gipfel der menschlichen Möglichkeiten. Ich habe mich entschieden, in den offiziell erlaubten Zaubertricks die Grenze meiner bescheidenen Möglichkeiten zu sehen. Ich bin gewissermaßen ein invalider Virtuose - wie Douglas Bader, das britische Flieger-Ass ohne Beine. Sir Juffin Halli behauptet dagegen, meine größte Stärke sei, der Wunderwelt anzugehören, was aber nicht die Fähigkeit einschließt, mit ihr zurechtzukommen.
Am Abend des ersten Tages meines neuen Lebens stand ich in dem mir zugeteilten Schlafzimmer vor dem Spiegel und begutachtete mich. In den schmalen Falten der Skaba (einer langen, einfachen Tunika) und den breiten Falten des Lochimantels - des hiesigen Kompromisses zwischen langem Gewand und Poncho - kam ich mir wie eine Schaufensterpuppe vor. Der ausgefallene Turban stand mir sehr gut dazu. In diesem Aufzug fiel es mir leichter, das seelische Gleichgewicht zu bewahren. Ich brauchte mir keine Gedanken zu machen und versuchte nicht mehr zu begreifen, was eigentlich mit mir passiert war. Der Junge dort im Spiegel konnte jeder beliebige Mensch sein, auf keinen Fall aber mein guter alter Bekannter Max.
Chuf tauchte auf, kläffte freundlich und stupste die Nase gegen mein Knie. »Wie groß und hübsch du bist!«, vernahm ich plötzlich und begriff dann, dass ich seine Gedankenstimme gehört hatte. Der kluge kleine Hund war der Erste, der mir die Stumme Rede dieser Welt beibrachte. Wenn ich irgendwann den vierten Grad der Weißen Magie verstehen sollte, gebührt diesem seltsamen Tier ein großes Kompliment.
Die Zeit verging schnell. Ich schlief bis weit in den Tag hinein und stand erst abends auf, zog mich an und las mir mancherlei vor. Zum Glück gab es nie Verständigungsprobleme zwischen mir und den Bewohnern des Vereinigten Königreichs. Warum das so war, weiß ich bis heute nicht. Ich musste mich nur an die hiesige Aussprache gewöhnen und ein paar neue Ausdrücke lernen. Das war zu schaffen!
Kimpa beobachtete meine Studien unaufdringlich, aber scharf. Er bekam den Auftrag, mich, den Barbaren, in einen echten Gentleman zu verwandeln, der irgendwo an der Grenze zwischen der Grafschaft Wuk und den Leeren Ländern geboren war. So lautete mein offizieller Lebenslauf für Kimpa und alle anderen.
Eine gute Geschichte, wie ich jetzt weiß. Im Genre der improvisierten Fälschung ist sie ein echtes Meisterwerk von Sir Juffin. Von Echo aus gesehen ist die Grafschaft Wuk der am weitesten entfernte Teil des Vereinigten Königreichs. Die dünn besiedelten Ebenen an Wuks Grenzen gehen allmählich in die riesigen unbewohnten Gebiete der Leeren Länder über, die längst nicht mehr zum Vereinigten Königreich gehören. Wozu braucht man schon Leere Länder? Nur wenige Hauptstadtbewohner waren je dort gewesen, und man hielt jede Reise dorthin für ein leichtsinniges und riskantes Unternehmen. Nach Auffassung von Sir Juffin sind mehr als die Hälfte der Bewohner der Leeren Länder ungebildete Nomaden, während der Rest aus den vor hundertzwölf Jahren geflohenen rebellischen Magiern besteht, die man in der Hauptstadt auch nicht gerade mit Aufmerksamkeit verwöhnt.
»Egal was du unternimmst«, erklärte Sir Juffin, während er genüsslich in seinem Lieblingssessel schaukelte, »du brauchst dich für nichts zu entschuldigen. Deine Herkunft bleibt für die snobistischen Blicke der Hauptstadt die beste Erklärung all deiner Verfehlungen. Das kannst du mir glauben. Ich bin selbst aus Kettari gekommen, einem kleinen Städtchen in der Grafschaft Schimar. Das ist Jahre her, doch man erwartet von mir bis heute stets exzentrische Dinge. Die Leute sind sogar beleidigt, wenn ich mich normal benehme.«