Zehn Jahre schon lebt der Autor des vorliegenden Buches im Exil, meist in Taiwan. Bei Ling hat mit Lui Xiaobo, dem diesjährigen Träger des Friedensnobelpreises, den er nicht entgegennehmen durfte, weil er im Gefängnis sitzt, über zwanzig Jahre lang sehr eng zusammengearbeitet. Aus diesem Grund ist die Biographie, die er nun über ihn geschrieben hat, lange bevor Lui Xiaobo den Preis erhielt, von sehr intimer Kenntnis und großem Detailreichtum.
Bei Ling zeichnet den Dissidenten als einen radikalen, auch radikal selbstkritischen Intellektuellen. Wenn man in diesem Buch liest, versteht man, warum die chinesische Führung vor diesem aufrechten Mann eine solche Angst hat, dass sie selbst ihre internationalen Beziehungen aufs Spiel setzt, um ihn mundtot zu halten. Doch wie Lui Xiaobo selbst ist auch sein Biograph davon überzeugt, und das scheint auf jeder Seite dieser Biographie durch, dass sich seine Überzeugungen letzten Endes durchsetzen werden in China: "Für kurze Zeit haben sie den Kampf gewonnen, doch auf lange Sicht hat der Nobelpreis der Demokratiebewegung einen enormen Aufschub gegeben."
Wenn nur die westlichen Ländern aus wirtschaftlichen Interessen nicht wieder klein beigeben.