Aus der Amazon.de-Redaktion
So erstaunt nicht, dass Adorf in einer Umfrage zum bekanntesten und beliebtesten Schauspieler Deutschlands gewählt wurde. Doch dass der Promi nicht nur als Schauspieler eine gute Figur macht, sondern auch als Schriftsteller, wissen die wenigsten -- und das ist schade. Denn auch auf diesem Kreativfeld ist der geborene Halb-Italiener kein unbeschriebenes Blatt.
Persönliche Eindrücke seiner zweiten Heimat hat er bereits in einigen Romanen festgehalten. Der Fotograf von San Marco greift manches wieder auf, zum Beispiel den römischen Schneeballwerfer oder den Dieb von Trastevere. Allein die Titel und Kapitelüberschriften weisen darauf hin, dass es in Adorfs Geschichten stark menschelt. So berichtet er über römische Gauner und Carabinieri, über mafiöse Filmbosse oder schlitzohrige Fotografen, über das Leben in kleinen italienischen Badeorten oder in der eleganten Toskana-Metropole Florenz.
An manchen Stellen verästelt er sich bei der Beschreibung eines Charakters derart ins Detail, dass man nach einigen Seiten nicht mehr weiß, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Doch dann kommt die brillante Wende -- und mit einem Schlag wird alles klar. Nur eines nicht: Warum erfährt der Leser nicht mehr über Adorfs italienischen Vater, den der Autor und Schauspieler bislang nicht kennen gelernt hatte, ihn jedoch in einem Kapitel das erste Mal besucht? Vielleicht verarbeitet er diese persönliche Begegnung ja in seinem nächsten Buch. --Jan König -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Hörbuch-Rezension
Der Mann, der jetzt seit Jahrzehnten in Italien lebt, berichtet von seinen ersten Begegnungen mit dem Land, als Student noch, auf der Insel Capri, vom Fotografen, der den Einsturz des Campanile in Venedig fotografierte und dem sein Konkurrent mit einer Fotomontage, einer Fälschung des Einsturzes, den Ruhm stiehlt. Mit seiner warmen und wohlklingenden Stimme hüllt Mario Adorf uns in diese Erzählungen buchstäblich ein. Auch wenn die Plots oft verästelt sind, gelingt es ihm immer wieder, auf den Punkt zu kommen. Nicht zuletzt eben, weil seine Stimmte zum Erzählen wie gemacht ist. In ihr klingt die Mischung aus genauen Beobachtungen, im Großen wie im Kleinen, und dem Verständnis wie auch dem Mitgefühl für alles, was im Leben so passiert, überzeugend echt. Seine Stimme lassen Ehebrüche, Fälschungen und römische Gaunereien nachfühlen.
Autorenlesung, Spieldauer: ca. 76 Minuten, 1 CD. --culture.text -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Über den Autor
2006 wurde der Schauspieler und Schriftsteller mit dem "Bambi" geehrt. Deutschlands wichtigster Medienpreis ehrte den renommierten Schauspieler als Multitalent, dem die Verbindung zwischen Hochkultur, Handwerk und Popularität gelingt. Neben seinen Rollen engagiert er sich für die Kultur und den schauspielerischen Nachwuchs.