Rezension
Wenn sich in der deutschen HipHop-Szene in den letzten Jahren eine Crew mittels ihrer ausgezeichnet reduzierten Produktionen einen wahrhaftigen Underground-Status erarbeitet hat, dann das Heidelberger Duo STIEBER TWINS. Nach seinen kontinuierlich tighten Produktionen für CORA E., MC RENE, auf der "Alte Schule"-Compilation sowie seinem ersten unter eigenem Namen veröffentlichten Rap-Track 'Allein Zu Zweit" auf dem - auch sonst nicht zu verachtenden - "Klasse Von '95"-Sampler steht nun das Full-Length-Debütalbum an. Neben dem vorab als Single ausgekoppelten Titeltrack finden sich elf weitere Hardcore-Bomben der verbal wie musikalisch gnadenlosen Brachial-Brüder. Mit bemerkenswert scharfen und in ihrer Aussage klaren Raps und einer gerade in Zeiten R&B- bzw. G-Funk-durchtränkter Rap-Produktionen heilenden musikalischen Reduktion auf vollphatte Beatz im urbansten N.Y.-Style verleihen die STIEBER TWINS dem Wort "Authentizität" im deutschen Sprechgesang vollkommen neue Qualitäten. So ist "1x Macco, 2x Stieber" ein jazzig-relaxter Kooperationsdeal mit Arbeitskollegin CORA E., "Doppelt Nicht Stereo" wendet sich nachhaltig gegen Verwässerung und Abzockerei im HipHop-Biz, und der "Remixx" ihrer jingelnden Singlehymne steigt jazzig-atmosphärisch in die tiefsten Dungeons der Heidelberger Kanalisation hinab. "50:50" kickt krassesten Diss-Rapstyle, und der AllStar-Track "1000 MC's" featured mit FAST FORWARD, SCOPE, TATWAFFE, APHROE (von RAID) und dem Newcomer-Geheimtip CURSE - über hypnotisierende Streicherarrangements und kontinuierlich pulsierende Beatz - eine Reihe der brandheißesten Rap-Undergroundstyler aus deutschen Landen. Mit dem durch diverse Vocalsamples (u. a. aus BIG DADDY KANEs "Raw") vorangetriebenen Instrumentaltrack "PBB" bringen CHRIS und MAR ihre von Piano-Sprengseln und phatt-gedroppten Jeepbeatz geprägte Style-Mixtur auf den Punkt. Mit der Pre-Produktion im heimischen Kinderzimmer entstanden, wurde das Album in Hamburgs renommierten Container Studios von Mario "Super-Mario" van Hacht (u. a. TOBI & BO, FETTES BROT) aufgenommen. Das Hauptanliegen dieser beiden coolen Brüder, nämlich HipHop als ethischen Rahmen und Lebensphilosophie zu erklären, kommt auch im mahnenden In- und Outro zum Tragen. Mit ihrem Motto "Gegen den Verkauf von HipHop hab' ich gar nichts, was ich haß', ist der Verkauf von falschen Images" distanziert sich das realistische Hardcore-Duo dabei sowohl vom Pop-Rap als auch vom zweckentfremdeten Hartkern-Dogmatismus. Die Anfang '97 über "MZEE" erscheinende LP gibt's übrigens auf Vinyl mit einem Bonustrack - nuff said?!
Chris Maruhn / © Intro - Musik & so
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