Man nehme eine Handvoll erstklassiger Darsteller unterschiedlichster Charaktere, eine karge Kulisse, wenig Requisiten und setze all dies in eine auswegslose, todbringende Situation. Eigentlich bräuchte die Regieanweisung dann nur noch "Action!" heißen.
Tatsächlich basiert das Schauspieldrama auf nicht mehr - und eine Menge guter Theaterstücke sind aus solcher reiner Improvisationsarbeit hervorgegangen.
Nun, der Flug des Phönix wurde immerhin nach einer Literaturvorlage gedreht, sogar streng unverfälscht - und dennoch ist es der Filmcrew als einen der wenigen Ausnahmefälle des Kinos gelungen, den Film besser als als das Buch zu realisieren. Was genau also macht dieses knapp 50-jährige Original so viel besser als das moderne Remake?
Zum einen wohl die knappen Budgets, die oft weniger als ein Hundertstel heutiger Filmproduktionen umfaßten und somit eine Konzentration auf das Wesentliche abverlangten - wobei das Wesentliche eben in den Darstellern und deren Talent lag, zum anderen aber auch in der Bereitwilligkeit des Publikums, aufmerksam einer Präsentation zu folgen.
Das Publikum selbst hat entschieden, sich durch bis zu 20 als "Blockbuster" zu Unrecht bezeichnete TV-Sendungen allabendlich zu zappen, mehr Augenmerk auf die Bilder als auf deren Inhalte richtend.
Vor 30 Jahren noch war der Begriff "Straßenfeger" wörtlich zu nehmen, wenn großartige Filme via TV in den Wohnzimmern flimmerten und sich andererseits kilometerlange Warteschlangen vor den Kinos bildeten.
Wenn nun einer der wahrhaften Filmklassiker endlich auf DVD erschienen ist und sich der Filmverleih dazu durchgerungen hat, auf Boni wie Kommentare des Regisseurs und der Darsteller zu verzichten (zumal ein Teil der Mitwirkenden mittlerweile verstorben ist), sogar die Tonspur unbearbeitet beläßt, dann ist dies der Beweis dafür, daß auch bei den Filmemachern selbst die Erkentnis zurückgekehrt ist, daß die Konzentration auf das Wesentliche immer noch der beste Weg ist.
Was anderes bringen all die Zusatzkommentare als das wiedergekäute Blabla, daß der gerade gezeigte Film der beste aller Zeiten sei? Was anderes bringt Dolby-Surround als die akustische 3-dimensionale Illusion, inmitten fiktiver zweidimensionaler Bilder zu sitzen? Sollen nun gar noch sämtliche Schwarz-Weiß-Filme nachkoloriert werden? - Wer Derartiges verlangt, will Nebenbeiunterhaltung, ist Technik-Freak, hat keinen Sinn für schauspielerische Leistung und Dramaturgie und ist mit dem Remake letztendlich besser bedient.
Wenn auch der Flug des Phönix in der Weite der Sahara spielt, vermittelt der Film ein atmosphärisch dichtes, spannungsgeladenes camerales Theater großartiger Mimen, denen es zudem noch gestattet ist, sich persönliche Freiheiten zu erlauben, diese Spannung mit individueller Ironie zu würzen. Sieben s-pitze S-teine an denen sich Hardy Krügers s-tur erregte Zunge s-tößt allein in zwei Sätzen: Herrlich! James Stewarts Anflüge eines selbstbewußt-verschmitzes Grinsens, gerade noch sichtbar, wenn die Kamera von ihm abschwenkt, Ernest Borgnines zur Schau getragene Zahnlücke, George Kennedys schlichtes permanentes begriffstutziges Im-Weg-Stehen, das bringt Kino wieder in die Nähe des Theaters, macht Darsteller eben zu einzigartigen, unverwechselbaren, nicht austauschbaren Weltstars, hier darf der noch beobachtenkönnende Zuschauer gefesselt mitfiebern.