Aus der Amazon.de-Redaktion
Jimmy hatte vor vielen Jahren mal was mit Antons Mutter. Die Freundschaft zu dem vitalen Mexikaner, der einen kleinen Imbiss in New York betreibt - Jimmy’s Grill & Luncheonette in der 22sten Straße -, ist nie ganz abgerissen. So reist Anton nach New York und findet Unterschlupf und Arbeit bei Jimmy, der in seinem Laden auf 30 Quadratmetern nicht nur 150 verschiedene Gerichte anbietet, sondern auch ein großes Herz für alle Gestrandeten der Großstadt hat.
Der junge Ich-Erzähler taucht mehr und mehr in den quirligen Alltag von Jimmys Geschäft ein und teilt zunehmend auch dessen große Leidenschaft: the great escape of 1962. Jimmy ist fasziniert, ja fast schon besessen von dem legendären Ausbruch dreier Gefangener aus dem Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz. Er weiß alles über diesen Ausbruch, hat alle Zeitungsausschnitte gesammelt und kennt alle Details über die felsig raue Gefängnisinsel vor San Francisco, die einstmals ein Nistplatz für Pelikane war. So vermischen sich für Anton diese spektakuläre Flucht aus Alcatraz, die bunte New Yorker Gegenwart und die eigene Vergangenheit miteinander. Sie verbinden sich zu einer scheinbar absichtslosen Collage auf der traumverlorenen Suche nach einer neuen Chance, einem neuen Anfang.
„Heute ist alles verzettelt und fliegt in alle Richtungen weg. Man kann sich nirgendwo festhalten“, hat Benjamin Lebert einmal in einem Interview gesagt. Sein vierter Roman kommt an der Oberfläche leicht plaudernd daher, scheint aber auf den darunter liegenden Ebenen direkt diesem Lebensgefühl tiefer Entwurzelung entsprungen zu sein. Doch nicht nur für den verzweifelten Ich-Erzähler, sondern auch für den Leser gibt es schließlich etwas Hoffnung; denn neben aller haltlosen Melancholie spricht vor allem auch eine unbeirrbare Herzenswärme aus seiner Geschichte. -- Ulrike Künnecke, Literaturtest
kulturnews.de
Kurzbeschreibung
Benjamin Lebert, vor zehn Jahren die literarische Sensation mit seinem Debütroman "Crazy", erweist sich als versierter Erzähler mit einem genauen Gespür für Atmosphären und Abgründe, scharfem Blick für Situationen und Befindlichkeiten, feinem Humor und kompositorischer Raffinesse.
Anton hält nichts mehr. Eleanor hat ihn verlassen, sein Job als Altenpfleger bietet keine Perspektive, und in Hamburg fühlte er sich noch nie zu Hause. Sein Ausweg: Pfannkuchen backen bei Onkel Jimmy in Manhattan.
Onkel Jimmys Luncheonette, das sind 30 geflieste Quadratmeter, 10 Stühle, drei Angestellte, 150 Gerichte auf der Speisekarte, Hektik am Grill, ein ständiges Kommen und Gehen - und trotzdem so etwas wie ein Zuhause. Das liegt vor allem an Jimmy, der alles im Griff und immer ein freundliches Wort für den Gast hat, und am prompten und zuvorkommenden Service, der selbst die abwegigsten Sonderwünsche zur vollsten Zufriedenheit erfüllt.
Jimmys Welt besteht neben der Luncheonette, dieser Insel im Trubel Manhattans, aus einer anderen, der Öffentlichkeit lange nicht zugänglichen Insel: Alcatraz. Alles, was es über die legendäre Gefängnisinsel in der Bucht von San Francisco an Informationen gibt, findet sich in Jimmys großer weißer Kiste - und abrufbereit in seinem Repertoire von Fakten, Theorien und Anekdoten. Sein Hauptinteresse gilt dem berühmten Ausbruchsversuch von 1962, bei dem es drei Häftlingen tatsächlich gelang, die Gefängnismauern zu überwinden. Jimmys vehement vertretene Mindermeinung: Sie haben es geschafft, an Land zu kommen und eine neue Existenz zu führen. Anton gerät in den Sog dieser Geschichten und stößt dabei auf Stationen seiner eigenen Vergangenheit, denen er lieber auch entkommen wäre. Und er erkennt, warum es lebensnotwendig sein kann, daran zu glauben, dass man den Verhältnissen entfliehen kann.