Nun ist es endlich da, das lang ersehnte, endlich ins Deutsch übersetzte Thompson-Werk 'Der Fluch des Lono'.
Diesmal verschlägt es Thompson nicht etwa nach Las Vegas oder Puerto Rico, sondern auf das sonnige Hawaii, wo er über
einen alljährlich stattfindenden Marathon berichten soll. Wie bei allen Thompson-Büchern sind die eigentlichen journalistischen
Aufträge natürlich nur Mittel zum Zweck, Unmengen an Alkohol und illegalen Substanzen zu sich zu nehmen. Jedoch wird dem Leser und auch Thompson bald klar, dass Hawaii nicht immer das sonnige Urlaubsparadies ist, sondern auch seine Schattenseiten besitzt, auf die er in seiner Odyssey bald des Öfteren treffen soll..
Wie hoch waren meine Erwartungen auf Grund des überragenden 'Rum Diaries': ein ähnliches Szenario, abgedrehte Charaktere und eine Vielzahl an psychedelischen Drogen sollten eigentlich den Rahmen für einen erneut perfekten Thompson-Roman abgeben; dem ist leider nur teilweise so. Zu oft verliert sich Hunter in unwichtigen Nebensächlichkeiten, die im Gegensatz zu seinen früheren Werken meist keine Relevanz für die Handlung besitzen und nur in den wenigsten Fällen Seitenhiebe auf die amerikanische Gesellschaft austeilen. Der Drogenkonsum wirkt im Vergleich zu 'Fear and Loathing in Las Vegas' deplaziert, man gewinnt den Eindruck, Thompson musste unter Zwang eine Meskalin-Passage einbauen, um seinen früheren Eskapaden in keiner Weise nachzustehen. Schade finde ich auch die unbefriedigende Beschreibung seiner Familie; Hunter ist mit seiner Verlobten auf Hawaii und erwähnt sie auf den gesamten 240 Seiten höchstens 6 Mal, bis sie nach der Hälfte des Buches alleine nach Hause zurückkehrt. Auch die Beziehung zu seinem Sohn wirkt erstaunlich kühl und distanziert.
Trotz aller Kritik ist 'Der Fluch des Lono' ein gutes Buch: Ein erneut wunderbares Szenario, Thompsons immer noch überdurchschnittlich guter Schreibstil, die skurillen Charaktere und die interessanten Abstecher in die Geschichte Hawaiis
verdichten sich zu einem guten Roman, der manchmal, aber leider zu selten, an die Qualität seiner früheren Werke, insbesondere dem 'Rum Diary' heranreicht. Alles in allem gebe ich dem 'Fluch des Lono' mit einem dicken Thompson-Bonus knappe 4/5 Sterne.