Ich mag gerne historische Romane über interessante Frauen, deswegen hatte ich gedacht, mit diesem Buch könne ich nicht daneben liegen. Als es dann hier ankam, war ich zunächst enttäuscht, dass es nur 445 Seiten hat.
Aber nachdem ich mit dem Lesen begonnen hatte, wandelte sich meine Enttäuschung in Erleichterung. Da stolpern anfangs drei, später zwei Frauen (Heta, Amande und Melissa) durch das Frankreich des 14. Jahrhunderts (die Kurzbeschreibung auch hier bei Amazon, derzufolge sie durch Deutschland / Oberrhein stolpern, ist inkorrekt, das ist schon mal sehr peinlich seitens des Verlages, denke ich; durch Deutschland wird nur zum Schluss gestolpert, nachdem auch in Italien und Österreich ein wenig Gestolper stattfindet). Das ganze Gestolper gerät irgendwie sehr atemlos, die Situationen sind verworren, eine geht nahtlos in die nächste über, ich habe schnell den Überblick verloren, wer gerade wo rumstolpert. Die Figuren wirken dadurch etwas platt, weil die Autorin sich gar nicht im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit nimmt, ihnen Leben einzuhauchen. Leitfaden ist eigentlich nicht die Historie, die Geschichte zu dieser Zeit, obwohl die interessant genug wäre, Leitfaden ist nur die Liebe von Melissa zu einem Ritter namens Avremar, die irgendwie nicht nachvollziehbar wirkt, weil die beiden sich nur einmal kurz angekuckt haben. Auch hier hastet die Autorin an wahren Gefühlen vorbei und lässt somit die beiden Handelnden platt wirken. Ständig passieren große Dramen, es ist schon ganz unglaubwürdig. Die Stationen des Romans sind allesamt interessant, sei es Arles, sei es Montpellier, sei es Genua, seien es die Salinen, sei es Bozen oder Brixen oder Innsbruck. Überall könnte man großartige historische Romane ansiedeln, genau in dieser Zeit, weil überall dort damals "sehr viel los war". Aber das versäumt die Autorin. Wir joggen und stolpern nur vorbei, indem wir ihrer Handlung folgen. Wir treffen ein paar Söldner, ein paar Männer und Frauen, aber wir lernen niemanden kennen. Es erinnert ein wenig an die Speisekarte eines allgemein asiatischen Restaurants. Da kommt auch viel drin vor, aber nichts ist authentisch, nichts lässt einen tiefer einsteigen.
Ich habe zwei Sterne gegeben, weil das Buch in all seiner Atemlosigkeit nicht unspannend war. Aber mehr auch nicht. Es war nicht schön geschrieben, also auch nicht schön zu lesen, es war nicht interessant, es war nicht spektakulär. Es war einfach nur hastig spannend. Schade eigentlich.