Camelot, der Ich-Erzähler dieser Geschichte, reist mit unechten Reliquien von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Man schreibt das Jahr 1348 und als sich auf einem Markt ein Gerücht wie ein Lauffeuer ausbreitet, das in London die Pest angekommen ist, beschließt er, vor ihr nach Norden zu fliehen, um der Seuche zu entkommen. Es dauert nicht lange und es schließen sich ihm 8 Personen an, die alle aus einem guten Grund die Gegend verlassen wollen. Bald schon kommt die Zwangsgemeinschaft in große Schwierigkeiten. Seit Wochen regnet es, Nahrungsmittel werden knapp und die Gruppe stößt überall wo sie auftaucht auf Probleme. Zudem scheinen sie von mysteriösen Wölfen verfolgt. Recht schnell stellt sich heraus, dass die Krankheit schneller wandert als sie vorankommen und sie zu umzingeln scheint. Zudem ist die Stimmung in der Gruppe alles andere als gut. Jeder von ihnen trägt ein Geheimnis mit sich herum und manch ein Geheimnis könnte sie alle das Leben kosten. Zophiel, der dunkle Gaukler, der mit einer toten Meerjungfrau und allerhand verschlossenen Kisten reist, das magisch begabte Mädchen Narigorm, dessen Aussehen für viele unheimlich ist, ein Mann, der einen Schwanenflügel statt eines Armes besitzt, sind nicht gerade unauffällige Reisende. Ob der Ausbruch des Winters die Krankheit aufhalten kann und ob es Camelot gelingen wird, den Mitreisenden ihr Geheimnis zu entlocken?
Ich lese nur noch selten historische Romane, da mich die Welle gleich lautender Titel und ähnlich aufgemachter Bücher sehr abgeschreckt hat. Hätte dieses Buch den Titel "Die Gauklerin" getragen, ich hätte es ignoriert, doch so gefielen mir Cover, Titel und Klappentext und ich musste es einfach lesen, und ich bin nicht enttäuscht worden. Karen Maitlands Geschichte lebt durch ihre Charaktere, durch die vielen unterschiedlichen Menschen, die sich alle mit einem gemeinsamen Ziel zusammen finden, doch die bei jeder Gelegenheit merken, dass sie nur der Not gehorchend zusammen bleiben. Sie alle haben ein dunkles Geheimnis, von denen die Autorin nach und nach nur einen winzig kleinen Teil preisgibt - so gut dosiert, dass man voller Vorahnungen und Mutmaßungen das Buch nicht aus der Hand legen mag. Zu dem Lügengespinst, in dem sie alle sich befinden, kommen die Abenteuer auf der beschwerlichen Reise und die ständige Bedrohung durch die Pest.
Die Geschichte ist nicht banal, die beschriebenen Beziehungen untereinander sind es auch nicht. Sie werden so komplex geschildert, so geschickt dargestellt, dass man nie das Gefühl hat, es könne am Ende alles gut ausgehen und genau das nimmt dem Ganzen die Trivialität, die so viele andere in diesem Genre angesiedelten Bücher aufweisen. Man befürchtet auf jeder Seite, eskalierende Konflikte, Angriffe von außen oder dass ihre Flucht vergeblich war und die Krankheit zu ihnen findet. Teilweise bindet die Autorin Magie und Aberglauben in ihre Handlung so glaubhaft ein, dass für zusätzliche Spannung gesorgt ist. So ergibt sich eine interessante und spannende Geschichte, die positiv aus der zur Zeit angebotenen Massenware herausragt. Alle 5 Sternchen dafür.