Mit dem "Fluch des Florentiners" präsentiert uns Rolf Ackermann einen Actionthriller, dessen Handlung in der Gegenwart spielt, der aber als bereicherndes Element eine Vielzahl historischer Informationen rund um den legendären Florentiner, einen in Form eines Brioletts geschliffenen, gelblichen Diamanten von 137,27 Karat, und seine Besitzer im Laufe der Geschichte enthält. Der Florentiner, erstmalig 1477 urkundlich erwähnt, kam auf verschlungenen Wegen von Indien nach Europa und war im Laufe der Zeit im Besitz der Bourbonen, der Medici und der Habsburger.
Wien, 2005. Da dem Auktionshaus Christie's ein Edelstein angeboten wurde, der eventuell der Florentiner sein könnte, bekommt Marie-Claire de Vries, gelernte Goldschmiedin und Edelsteinexpertin, von ihrem Vorgesetzten, dem Sicherheitschef des Auktionshauses Christie's, den Auftrag, Nachforschungen über den Florentiner anzustellen, dessen letzter bekannter Aufbewahrungsort die Schatzkammer in der österreichischen Bundeshauptstadt war. Marie-Claire versucht herauszufinden, ob der Stein durch die Habsburger beim Verfall der Monarchie außer Landes geschmuggelt und zerteilt wurde oder ob er verkauft wurde. Zeitgleich wird in Bayern ein Adeliger von arabischen Tätern überfallen, dessen Frau vergewaltigt und ein weiterer Edelstein entwendet. Bei einer Sprengstoffexplosion in einem Museum in Florenz wird ein weiterer Edelstein gestohlen, die Explosion fordert mehrere Tote und Verletzte. Der Edelstein aus Bayern und der aus Florenz sind unter dem Namen Großer und Kleiner Sancy bekannt und sollen ehemals gemeinsam mit dem Florentiner zu einer indischen Statue gehört haben. Schnell kristallisiert sich heraus, dass irgendjemand die drei Edelsteine vereinen will. In Frage kommen die Mitglieder der Ordens der Ritter vom Goldenen Flies, aber auch die indischen Brüder Kasliwal, die aus familiären und finanziellen Gründen an einer Rückführung der Edelsteine interessiert wären, möglich ist aber auch, dass terroristische Gruppen die Edelsteine zur Finanzierung ihrer Aktivitäten nutzen wollen. Schnell gerät Marie-Claire in den Strudel dieser Gruppen und Ereignisse...
Robert Ackermann verknüpft in seinem Roman spannende Handlung mit einer Vielzahl historischer Informationen über Edelsteine, die verschiedenen Machthaber, die den Florentiner in ihrem Besitz hatten, aber auch Informationen über die Stadt Wien. Ortswechsel zwischen Wien, der Schweiz und Marrakesch sind gut in den logischen Handlungsstrang eingebunden und wirken als belebendes Element der Handlung. Die gleich zu Beginn recht hohe Spannung wird ohne Brüche beibehalten und bis zum Ende hin sukzessive gesteigert. Angenehmerweise versteht es der Autor ein hohes Handlungstempo zu halten, ohne auf Stilmittel wie Cliffhanger u. ä. zurückgreifen zu müssen, und zeigt damit wie auch in der sonstigen sprachlichen Gestaltung ein höheres Niveau als viele seiner Kollegen. Insbesondere was die kriminalistischen Details der Handlung angeht, erscheint es, als ob Rolf Ackermann über großes Know-how in diesem Bereich verfügt, weil diese sehr realistisch wirken. Wenn man der Verlagsinfo über den Autor glauben schenken darf, könnte dies auf seine berufliche Vergangenheit beim Nachrichtendienst zurückzuführen sein.
Viele Tippfehler stören den Lesefluss ein wenig und sind insbesondere bei Namen von historischen Figuren ein Ärgernis. Das ist aber sicher nicht dem Autor sondern eher dem Verlag anzulasten.
Leider sind die Charaktere sehr klischeehaft gehalten. Die Männer sind durchgehend überdurchschnittlich gut aussehend, sprachlich versiert, haben hervorragende Umgangsformen und sind in irgendeinem Gebiet absolute Spezialisten. Die Frauen glänzen mit hervorragendem Aussehen, sind modern und selbständig, wenn Ihnen allerdings einer dieser Traummänner über den Weg läuft, verlieren sie sofort vollständig den Verstand und treten gar wie geifernde Hyänen in Konkurrenzkampf zueinander.
Sieht man darüber hinweg (bei James Bond ist es schließlich nicht anders), bietet "Der Fluch des Florentiners" als Thriller mit Intrigen, Macht und Leidenschaft nicht nur spannende sondern durchaus auch informative Unterhaltung. Ich würde mich freuen, wieder einen Thriller von Rolf Ackermann lesen zu dürfen, bei dem die Charaktere dann aber mit Ecken und Kanten überzeugen!