Ngugi wa Thiong'o (spricht sich etwa: "N-gugi"; " w" wie im Englischen "double-you", also eher tonloses, konsonantisches "u", kein deutsches "w"!; "th" wie englisches stimmloses "tee-age", also wie in "thin" o.ä.; "ng" als EIN Laut so aus dem Gaumen, ähnlich wie wir in "lange" o.ä.) ist wohl einer der beiden wichtigsten Autoren im Östlichen Afrika. Ich habe den Roman auf Englisch in einer ostafrikanischen Schulbibliothek gefunden. Der Autor steht dort im Englischunterricht der Mittel- und Oberschule auf dem Lehrplan (und ist Prüfungsstoff)wie bei uns vielleicht Fontane, Th.Mann u.ä.. Westafrikanische Literaten sind im europäischsprachigen Westen wesentlich bekannter, aber auch über Ngugi habe ich bei einer Recherche schon vor mittlerweile acht Jahren über 100 Titel Fachliteratur gefunden, also meist literaturwissenschaftliche Aufsätze. Behandelt werden darin eher spätere Bücher von ihm, "The river between" (so der Originaltitel) gehört zum Frühwerk. Der Konflikt wird darin sehr eindrücklich herausgearbeitet - viele v.a. vor einigen Jahrzehnten entstandene belletristische Werke afrikanischer Autoren kreisen um die Störung der afrikanischen Lebenswelt durch die weißen Kolonialherren - während die Charaktere noch ein wenig geschnitzt bleiben, wenig Eigenentwicklung durchmachen. Die weiblichen Figuren werden zwar mit Sympathie dargestellt, bleiben aber mehr Kulisse für die männlichen Akteure und sind Leidende, nicht Gestaltende. Spätere Romane sind ausgereifter, technisch ausgefeilter, dramatischer. Ngugi verarbeitet unübersehbar eigene Erfahrungen und Probleme seines Lebens. Von westlicher/britischer formaler und natürlich auch literarischer Bildung geprägt, entwickelt er später ein Programm "Ent-Kolonialisieren des Kopfes/Verstandes" und wendet sich dann auch stärker seiner kenianischen Muttersprache als literarischem Medium zu. Der Roman verliert sicher etwas durch die Übersetzung(en): Ein Mensch lernt sprechen und denken in Kikuyu (der Sprache seines Volkes im südlichen Kenya), dann Literatur und schriftlichen Ausdruck in Englisch und wird schließlich noch in die Sprache des fernen Deutschland übersetzt (immerhin: gelobt sei der Verlag, der solche Bücher wagt!), wieviel "von ihm" und seiner Welt kommt darin dann zum Ausdruck? - Ich habe den Roman als junger Schlacks während eines einjährigen Aufenthaltes als Voluntär in Afrika gelesen, die zweite Hälfte ausgerechnet zur Zeit meines ersten Malariaanfalls und er hat sich mir mit dem hohen Fieber buchstäblich eingebrannt. Sicher nicht die Umtände für eine besonders nüchterne, distanzierte Betrachtung, aber eindrucksvoll. Wer ein Land oder eine Region und seine/ihre Menschen verstehen will, der kommt gar nicht darum herum, gute Literatur zu lesen, wohl gemerkt die aus einheimischer Feder, nicht solche Schnulzen von weißen Tanten - die gerade Ngugi geißelt für das schiefe Bild, das sie von seinem Land verbreitet haben.