Ich kenne diese Aufnahme und die unter Klemperer, Konwitschny und Barenboim genauer. Diese hier fällt durch eine besondere Differenzierung der Charaktere auf und die vergleichsweise größte emotionale Kraft. Das beginnt mit dem sehr differenzierten Klangbild des Orchesters unter Levine. Die Anlage ist schwungvoll und dramatisch. Es geht quasi Schlag auf Schlag vorwärts und die Handlung wird mit Wucht vorangetrieben.
Der Daland von Jan-Hendrik Rootering ist dann auch gleich sehr tief und damit schwarz und dunkel angelegt. Er klingt klagend, offensiv, manchmal fast aggressiv. Das gibt der Figur viel Kraft. Leider fehlt Rootering in der Tiefe aber manchmal eben genau die Kraft, was das druckvolle Bild dann zuweilen etwas blühlt.
Ein kleines Manko auch, dass die Unterschiedlichkeit zum ähnlich angelegten Holländer (James Morris) etwas eingeschränkt ist. Es ist m.E. ja ein Grund'problem' der Rolle, dass hier zwei Bässe aufeinander treffen. Daher wird dem in vielen Aufnahmen - so auch hier - durch den Einsatz eines Bassbaritons entgegengewirkt. Vermutlich, um der Figur mehr Kraft zu verleihen, singt Morris aber oft auch eher dunkel, tief, aggressiv. Das ist dann auch nicht ganz überzeugend. Auch hat er m.E. etwas sprachliche Schwierigkeiten. Daneben stehen aber auch eher sanfte Töne und hier ist er dann deutlich stärker. Er klagt und lamentiert in einer sanften, aber doch ausdrucksvollen Art, die durch die Sanftheit fast noch überzeugender wirkt. Das Menschliche des Holländers, seine Zerrissenheit wird deutlich spürbar.
Paul Groves als Steuermann hat mich nicht ganz überzeugt. Er macht das ganz gut, klingt mir aber zu sehnsuchtvoll, zu innig. Kein sehnsuchtvoller Mann, sondern fast eine Spur kindlich-naiv.
Die Senta von Deborah Voigt hat wie Morris auch Schwierigkeiten mit der Artikulation. Davon abgesehen ist die Figur aber für mich sehr überzeugend feminin und lyrisch angelegt (und das wird konsequent und auf passende Art) auch in den eher dramatischen Anteilen so durchgezogen. Ihr Tempo ist langsam und nachdenklich. Speziell durch den femininen Ausdruck die beste Senta, von denen, die ich kenne.
Auch Ben Heppner als Erik ist sehr emotional. Seine Figur ist aggressiv, anklangend, ungestüm. Das ist ein zurückgewiesener Liebehaber, der seinen Schmerz wirklich spürbar macht. Störend nur die häufig leichte Verschattung der Stimme.
Fazit: Eine durch die hohe Emotionalität und Differenziertheit der Figuren für mich sehr überzeugende Aufnahme. Das Menschliche der Charaktere kommt vergleichsweise mehr zum Vorschein. Das 'Künstlerische' und Erhabene tritt dafür etwas in den Hintegrund. Wer darauf bei Wagner Wert legt, sollte lieber zu einer anderen Aufnahme (Klemperer, Konwitschny) greifen.