Ich kenne diese Aufnahme und die unter Klemperer, Levine und Barenboim genauer. Diese hier erscheint mir als die im ganzen reservierteste und gemächlichste. Sie atmet einen bildungsbürgerlichen Hauch. Sängerisch kann sie mit Ausnahme von Wunderlich m.E. nicht überzeugen.
Konwitschnys Dirigat klingt im ganzen recht hell und ist gemächlich angelegt. Es erinnert in Rhythmus und Ausdruck oft an Ritterszenerieren und zuweilen wähnt man sich für Momente in Lohengrin.
Ein Schwachpunkt der Aufnahme ist Gottlob Frick als Daland. Er klingt tendenziell etwas belanglos und gelangweilt. Der Vortrag ist korrekt und serlös, etwas emotionslos. Beim bekannten "Mein Kind, du siehst mich auf der Schwelle" stellt er z.B. fest, dass das Kind ihn auf der Schwelle sieht, aber man spürt kaum, was es für ihn bedeutet.
Fritz Wunderlich als Steuermann vermittelt hingegen einen wunderbaren Eindruck. Er klingt hell und stark, jugendhaft, schwärmerisch. Die Wunderlich eigene hohe Kunst der kontrollierten Inbrunst kommt voll zum Tragen. Einziger 'Makel' ist, dass man ihn sich, so wie er klingt, eher als Erik vorgestellt hätte, was der Aufnahme auch gut getan hätte, weil der stärkere Sänger in dieser Rolle, die für das 'Soziogramm' der Gesamtoper mehr Gewicht hat, eine größere Wirkung gehabt hätte.
Fischer-Dieskau als Holländer.... Er ist ja im Opernbereich immer umstritten und es ist schwer ihn unvoreingenommen zu beurteilen, weil es darauf ankommt, wie man mit seinem an einen Liedvortrag erinnerenden, deklamatorischen, intellektuellen Stil zurecht kommt (der auch hier voll zum Tragen kommt). Manche erleben es als Differenziertheit und Durchdringung, die neue Dimensionen eröffnet. Ich finde es bei aller Bewunderung für die Reinheit und Feinheit des Vortrags (die ich genießen kann) als unpassend und emotional störend. Eine echte Figur - geschweige denn die eines seit Jahrhunderten von der Sehnsucht nach Liebe über die Weltmeere Getriebenen - wird für mich hier nicht lebendig.
Auch Senta (Mariacnne Schech) kann für mich nicht überzeugen. Sie wird in den dramatischen Szenen einfach zu laut (fast schreiend) und überdramatisch. Auch baut sie einige komisch anmutende Pausen und Verzögerungen ein, deren Sinn ich an diesen Stellen nicht verstehen kann.
Auch Rudolf Schock als Erik wirkt etwas blass. Man fühlt nicht viel vom zwar unglücklich, aber doch tief empfunden Liebenden. Schock singt sauber, aber er wirkt eher wie eine außenstehender Kommentator, den das alles nicht mehr soviel angeht.
Fazit: Im Vergleich eine eher schwächere Aufnahme. Vier Sterne ist sie für mich aber wert, da sie kaum wirklich Fehler macht, sondern eben 'nur' nicht überzeugt. Dem, der einen eher reservierten, feierlichen, deklamatorischen Ansatz mag, kann sie sogar liefern, was er sich wünscht.