Wenn ich die Harry-Hole-Reihe in der chronologischen Reihenfolge mit "Der Fledermausmann" begonnen hätte, wäre das gleichzeitig mein letztes Buch des Autors gewesen. Da ich aber mit "Schneemann" eingestiegen bin, ging ich davon aus, dass auch die vorhergehenden Bände solide, spannende Krimikost böten.
Leider weit gefehlt. Den Auftakt der Reihe finde ich erbärmlich. Die Figur des Kommissar Hole ist hier völlig unglaubwürdig dargestellt, der Fall selbst wirr und unzusammenhängend konstruiert und die aufgesetzte Gesellschaftskritik anhand der Lebensumstände australischer Aborigines lächerlich bis peinlich. Ich bezweifle, dass das norwegische Original wesentlich besser ist. Nesbos Stil ist hier einfach nur gräßlich und völlig untalentiert.
Sämtliche Figuren strotzen nur so vor Klischees, keine einzige vermag auch nur einen Hauch Interesse oder Spannung zu erwecken, egal ob Harry Hole und sein nicht minder vom Leben gebeutelter Kollege Andrew, der arme Clown Otto, die überflüssige Freundin oder der 08/15-Täter.
Ärgerlich fand ich auch, dass die Alkoholsucht Holes gewissermaßen augenzwinkernd verherrlicht wird und nicht als die traurige Angelegenheit, die sie in Wirklichkeit ist, gezeigt wird. Und wenn schon gesoffen wird, dann bitte ohne penetrante Schleichwerbung für einen Fusel wie "Jim Beam" (ich nehme an, dass der "White Label" gemeint ist). Es gibt schließlich auch guten Bourbon...
Dennoch für alle, die bisher nur "Der Fledermausmann" gelesen haben und sich fragen, ob man den nächsten Band überhaupt noch riskieren sollte: bereits ab "Kakerlaken" geht es langsam aufwärts.