Claus Haresch ist Schriftsteller. Durch den Brief einer amerikanischen Journalistin wird er jedoch in eine geheimnisvolle Geschichte verstrickt: seine eigene, oder besser, die seiner Familie. Er stößt auf die Spur seines vor seiner Geburt verstorbenen Onkels, der nach dem Krieg in Schiebergeschäfte verwickelt war und via Fremdenlegion für Frankreich in den Indochinakrieg zieht. Welcher Zusammenhang besteht zwischen Onkel Heinrich und dem Leben der Lea Grünberg, die 1938 aus Deutschland fliehen mußte? Welche Rolle spielt das Wort oder der Gegenstand Flügel? Bruchstückhaft kommt eine verschwiegene Episode aus verdrängter Zeit zum Vorschein. Wie schon in seinem voluminösen Roman "Das Grau der Karolinen" bedient sich Modick auch hier eines kriminalistischen Puzzlespiels zur Gestaltung des erzählerischen Plots. Es geht nicht nur um die geschichtspädagogisch wertvolle Erkenntnis, daß es eine Gnade der späten Geburt nicht geben kann. Modick entführt in die oldenburgische Provinz der Jahre zwischen 1933 und 1951. Wie die Lebensgeschichten der Menschen sind auch die historischen Großereignisse miteinander verknüpft. Der Krieg als Zeit der Entscheidung, in der nicht nur Lebenswege, sondern auch Einstellungen eruptiv verändert werden. Durch die Flucht der Kaufmannsfamilie Grünberg wird die junge Liebe zwischen Tochter Lea und Heinrich jäh abgebrochen. Heinrich Haresch gerät in Opposition zu den lokalen Nazi- Größen, die noch nach Kriegsende für sein Abtauchen in die Fremdenlegion verantwortlich sind. Im Indochinakrieg, der später als Vietnamkrieg die Welt über Jahre in Atem hält, wird auch Haresch zum "Herrenmenschen", dem ein einzelnes Leben nicht viel zählt. Die Spurensuche des Neffen, selbstredend das alter ego des Autors Modick, wird zu einer spannenden Schnitzeljagd in die Vergangenheit, in der der Indochinakrieg kaum ferner erscheint als das Oldenburg der Nachkriegsjahre. Die originell konstruierte und spannend erzählte Geschichte des Onkels und das Geheimnis des Flügels ist eine Komposition aus verschiedenen Textsorten. Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und verschwommene Erinnerungen von Familienmitgliedern sowie Legionärskameraden Heinrich Hareschs fügen sich zu einem Gesamtbild, das durch überraschende Wendungen mehrfach übermalt wird. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)