Der Fischer-Weltalmanach ist auch in seiner neuesten Ausgabe ein ausgezeichnetes, hochinformatives Nachschlagewerk zum Zeitgeschehen. Der Berichtszeitraum dieser Ausgabe reicht vom 1. Juli 2009 bis zum 1. Juli 2010 (Redaktionsschluss).
Waren die Weltalmanach-Ausgaben der 1990er und frühen 2000er Jahre noch in schlichter aber stilvoller Gestaltung (mit Schwarzweiß-Fotos, Grau- und Rottönen und durchgehend schwarzer Schrift) gehalten, so ist die 2011er-Ausgabe noch einen Zacken bunter als ihre Vorgänger. Neben farbigen Karten, Diagrammen, Flaggen und Fotografien kommt die größte optische Neuerung in Form von zahlreichen gelben Boxen im Staatenteil, die, dem Schwerpunktthema folgend, auf Migrationsfälle hinweisen.
Der Aufbau ist wie gewohnt: Am Anfang befindet sich die Jahreschronik, die kurz die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres zusammenfasst, und ein globales Kapitel »Themen der Welt«, mit zahlreichen thematischen Weltkarten. Die Themen dieses Kapitels sind u.a. Urbanisierung, Pandemien, Hunger und Abrüstung. Mit den Länderbeschreibungen folgt dann der wichtigste und, mit fast 500 Seiten, auch umfangreichste Teil des Buches. Die Staaten sind alphabetisch geordnet; zu jedem Land liefert der Almanach neben den Grundinformationen (Fläche, Einwohnerzahl, Hauptstadt, Amtssprache, Währung usw.) eine Fülle interessanter und hilfreicher Informationen wie beispielsweise eine Auflistung der größten Städte des Landes, die Völker- und Religionsverteilung, die Landessprachen, die Staats- und Regierungsform und Angaben zur Landeswirtschaft (BIP, Arbeitslosigkeit, Import, Export u.a.). Besonders interessant finde ich die Angaben zur Zusammensetzung der einzelnen Parlamente: Was ist die stärkste Partei des Landes? Welche und wie viele Parteien sitzen im Parlament? Fragen, die das Nachschlagewerk selbst für die kleinsten Inselstaaten zuverlässig beantwortet. Weiterhin gibt es zu jedem Staat einen »Chronik«-Abschnitt, in dem kurz die wichtigsten nationalen Ereignisse des Jahres angeführt werden.
Die Länderberichte zu den Staaten Deutschland, Österreich und Schweiz sind, darauf will ich noch aufmerksam machen, besonders detailliert und ausführlich geschrieben. Die Texte selbst sind relativ knapp gefasst, aber gut und kompetent geschrieben. Sie enthalten die wesentlichsten Informationen und wurden von einer Redaktion abgesichert. Den Schluss bildet ein insgesamt ca. 200-seitiger Jahresbericht zu den Themenkomplexen Organisationen, Wirtschaft, Umwelt, Kultur und Sport, sowie ein Nekrolog.
Alternative Publikationen in deutscher Sprache gibt es seit der Einstellung des »Harenberg aktuell« meines Wissens nicht mehr. Im Gegensatz zum englischsprachigen Raum, wo mit dem »CIA World Factbook«, dem »World Almanac and Book of Facts«, dem »TIME Almanac« u.a. ein hartumkämpfter Markt besteht.