Neil Shubin ist Paläontologe und so wäre das Schreiben dieses faszinierenden Buches eigentlich nicht seine Sache gewesen. Aber eines Tages musste er für einen Kollegen an der Universität einspringen, der einen Anatomiekurs für Medizinstudenten halten sollte. Während der Vorbereitung auf diesen Kurs und während seiner Unterrichtsstunden fiel Shubin auf, dass er dafür als Paläontologe einen entscheidende Vorteil mitbrachte: er kannte seit langem die Baupläne von urzeitlichen Fischen und Reptilien.
Und so entstand in seinem Kopf die Idee für dieses Buch, das er zu einem flammenden Plädoyer und Bekenntnis zur Evolution gestaltet. Ohne mit einem einzigen Wort einzugehen auf die zum Teil heftige Debatte, die in den USA zwischen den Befürwortern und den Kritikern der Evolutionstheorie ( Kreationisten) entflammt ist, und zum Beispiel im letzten Jahr in Hessen in die aktuelle Schuldebatte eingeflossen ist.
Neil Shubin nimmt seine Leser mit auf eine auf weite Strecken sogar sehr unterhaltsame wissenschaftliche Reise durch die 3,5 Jahre alte Geschichte unseres Körpers. Er lässt diese Geschichte auf einer einsamen Insel in der Arktis beginnen, wo er ein Fossil findet, das für ihn den Übergang von den Fischen zu den Landtieren bezeichnet. Er nennt dieses Tier, das sowohl Schuppen und Flossen, als auch Ellenbogen und Handgelenke besaß, den Tiktaalik, und wird mit diesem Fund weltberühmt. Die zahlreichen Bilder, mit denen er sein Buch illustriert hat, sind faszinierend und stützen überzeugend seine These der Evolution. Er erklärt, wie die ersten und einfachsten Lebewesen aufgebaut waren und funktionierten und zeigt immer wieder auf, dass alle höheren Tiere einschließlich des Menschen immer nur komplexere Varianten dieser einfachen Baupläne waren. Shubin gelingt es, seine eigene Faszination über dieses Wunder der Evolution auch sprachlich auf seine Leser zu übertragen.
Der legt am Ende ein anspruchsvolles Buch aus der Hand, dem es gelungen ist, ihn tief in die Materie einzuführen, ohne dass es ihm langweilig oder gar unverständlich wurde. Der agnostische Leser wird sich bestätigt fühlen, und der an einen Schöpfergott glaubende Leser ebenfalls, dem ein solches Wunder kein Zufall zu sein scheint.
Obwohl Shubin, wie gesagt, mit keinem einzigen Wort auf die religiöse Dimension des Themas eingeht ( vielleicht interessiert sie ihn nicht), bietet das Buch ein Fülle von Stoff für die immer noch aktuelle Debatte, die auch in Ansätzen in unseren Schulen geführt wird, und bei der man nicht zulassen sollte, das religiös-ideologische Positionen die Oberhand gewinnen.