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Der Filmpate. Der Fall des Leo Kirch
 
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Der Filmpate. Der Fall des Leo Kirch [Gebundene Ausgabe]

Thomas Clark
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 287 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (Oktober 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455093825
  • ISBN-13: 978-3455093827
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 13,4 x 3,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 560.600 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Thomas Clark
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Was Leo Kirch das Genick gebrochen hat, war seine vollkommen falsche Strategie, das Bezahlfernsehen in Deutschland zu etablieren. Statt seinen Kunden etwas anzubieten, das -- in der Sprache der Marketing-Experten -- einen "Mehrwert" darstellt, versuchte er, ihnen die gleichen Inhalte noch einmal zu verkaufen, die sie im werbefinanzierten Free TV -- also beispielsweise auch auf Kirch-Kanälen wie Pro 7 und Kabel 1 -- kostenlos haben können. "Der große Visionär der deutschen Fernsehgeschichte", der, wie nicht einmal seine schärfsten Gegner bestreiten‚ seiner Zeit immer um zehn bis fünfzehn Jahre voraus war, "will einfach nicht einsehen, dass er sich diesmal geirrt hat."

Standen Ende der 1950er-Jahre nur fünf Mitarbeiter auf der Gehaltsliste des Filmhändlers Leo Kirch, sind es Mitte der 60er-Jahre schon zwei Dutzend, und weitere zehn Jahre später bereits 400 Angestellte. Aus dem Film-Spezialisten von einst ist ein Medien-Tycoon geworden. Doch wer ist dieser große Unbekannte, der über Jahrzehnte hinweg so gut wie nie in Erscheinung trat und sich im Verborgenen ein Milliarden-Imperium aufbaute? Dieser Frage geht Thomas Clark in seiner Kirch-Biografie Der Filmpate nach. Von den bescheidenen Anfängen als fränkischer Weinbauernsohn bis zum endgültigen Aus im April 2002 rekonstruiert der Medienredakteur der Financial Times Deutschland Aufstieg und Fall des Leo Kirch.

Dabei entsteht das vielschichtige Bild eines Patriarchen, der einerseits unbedingte Loyalität erwartete, andererseits loyale Mitarbeiter nie fallen ließ -- auch wenn es seinen Interessen schadete. Clark ist stets um Unvoreingenommenheit und Fairness bemüht und widersteht allen Versuchungen, diesen wohl geheimnisvollsten aller deutschen Medienmagnaten zu dämonisieren -- wie die Medien es mit öffentlichkeitsscheuen Menschen von Kirchs Kaliber gerne tun. Diese Dämonisierung habe Kirch irgendwie auch genutzt, zitiert der Autor den alten Medienhasen Wolfgang Clement. "Er hat damit gespielt. Sie hat ihm erst geschadet, als alle Dämme gebrochen waren."

Trotz aller sorgfältigen Recherche, trotz hunderter Gespräche mit engsten Vertrauten und ehemaligen Weggefährten Kirchs gelingt es freilich auch Clark nicht, herauszufinden, was "LK" im Innersten antreibt: Denn mit seinem "Untersuchungsgegenstand" durfte der Autor bis zuletzt nicht sprechen. "Der Filmpate", schließt Clark deshalb, "wird seine Gefühle wohl mit ins Grab nehmen." Und Berlusconi, Murdoch, Malone und Co. warten gierig darauf, Leo Kirch zu beerben. Und Kirch: Er bastelt, wie man hört, bereits wieder an neuen Visionen.

Fazit: Eine spannende, lehrreiche Lektüre, aus der man viel Hintergründiges aus dem Mediengeschäft erfährt. Ein Register, eine Zeittafel und ein Organigramm des verschachtelten Kirch-Imperiums ergänzen die lesenswerte Biografie. --Axel Henrici

Kurzbeschreibung

Der Zusammenbruch der Kirch Gruppe im Frühjahr 2002 ist die größte Firmenpleite der Nachkriegsgeschichte. Die letzten Monate vor der Insolvenz haben die Dramatik eines Kriminalromans: Politiker, Banken, Konkurrenten und Partner schmieden einmal Rettungsaktionen, einmal Zerstörungspläne. Was führt all diese Leute dazu, sich dermaßen in den Fall Kirch verstricken zu lassen? Wer ist dieser Leo Kirch, der die Öffentlichkeit meidet wie der Teufel das Weihwasser? Wie konnte es dazu kommen, dass so ein mächtiges Medienunternehmen mit einem milliardenschweren Schuldenberg untergegangen ist? Auf der Basis von über 40 Exklusiv-Interviews leuchtet der Medienexperte der äFinancial Times Deutschland den Hintergrund aus. Der Aufstieg und Fall des Tycoons und des Menschen Leo Kirch - eine Biographie, die den Leser von der ersten Seite an in Atem hält.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Ein spannendes Buch. Der Aufstieg und Fall eines erfolgreichen Medienunternehmers. Erstaunlich, mit wie viel Dilletantismus und mit wie wenig Bodenhaftung Kirch und seine Manager ihr Unternehmen durch DF1 und Premiere langsam die Pleite manövriert haben. Warum dieser sonst so scharfsinnige, listige und erfolgreiche Kirch so total versagt hat, wird hier ausführlich ergründet.
Der Autor hat sauber recherchiert, hält sich an die Fakten, vermeidet Spekulationen, analysiert und erklärt gut und zieht die richtigen Schlüsse. Mehr kann man von so einem Buch nicht erwarten. Absolut lesenswert.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Beeindruckendes Psychogramm 29. November 2007
Format:Gebundene Ausgabe
Leo Kirch ist wieder da - als über 80ig-jähriger feiert der größte Pleitier Deutschlands sein Comeback.
Als ich auf das Buch "Der Filmpate" stieß, war ich vorerst skeptisch, ob es mir ausreichend Stoff über die Figur Kirch liefern würde. Immerhin ist das Buch im Zuge der Kirch-Pleite erschienen und schon fünf Jahre alt. Doch schon beim Lesen der ersten Seiten wird deutlich, dass sich das Buch weniger um die wirtschaftlichen Fakten der Pleite dreht, sondern vor allem um die Person Leo Kirch und deren Lebensweg. Zwar gibt der Autor zu, dass Kirch im Letzten unergründbar bleibt. Doch die vielen Anekdoten und Zitate über Kirch geben ein sehr gute Skizze des Psychogramms dieses Mannes wieder.
Hinzu kommt: Wer "Der Filmpate" gelesen hat, wird schnell verstehen, warum das jetzige Engagement von Kirch bei der Fussball-Bundesliga und die Rückkehr in die deutsche Medienszene so viele Fragen aufwirft. Die Neigung zu undurchschaubaren Deals und verschachtelten Konstruktionen hatte Kirch eben schon immer. Und Clark versteht es prächtig, diese komplexen Konstruktionen gut anschaulich und damit leicht verständlich zu machen.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Echte Helden Schwitzen 3. August 2003
Format:Gebundene Ausgabe
Immerhin einen netten Brief hat Leo Kirch an den Autor geschrieben. Höflich für das ihm entgegengebrachte Interesse gedankt, sich amüsiert gezeigt, dass aus seiner längst verstaubten Dissertation zitiert wurde - und nochmal betont, dass er sich prinzipiell nicht für Biografien interviewen lässt. Auch nicht für die eigene.
Doch das macht nichts. Thomas Clarks "Der Filmpate. Der Fall des Leo Kirch" füllt einen nach wie vor grauen Fleck der deutschen Medien- und Wirtschaftsgeschichte. Der Aufstieg des studierten Kaufmanns Leo Kirch aus dem kleinen fränkischen Dörfchen Fahr zum einzigen echten deutschen Medienmogul ist spärlich dokumentiert. Und auch der langgestreckte Zusammenbruch des Kirch-Imperiums stand erst seit Anfang 2002 im Interesse der breiteren Öffentlichkleit. Obwohl der "Fall des Leo Kirch" nach Clark spätestens mit dem Alleingang beim digitalen Pay-TV 1996 eingesetzt hatte und nicht mehr zu stoppen war.
Verfolgt wird das Ende des Medienunternehmens bis in den späten Sommer hinein - für ein Buch eine ordentliche Leistung, die über manche Mängel des Lektorats hinwegsehen lässt. Der Autor - im Hauptberuf Medienredakteur bei der Financial Times Deutschland - hat einen Wirtschaftskrimi geschrieben, bei dem man am Ball bleibt, obwohl das Ende bekannt ist. Und den jedeR lesen kann: Für ein Wirtschaftsbuch bleiben Zahlen und Betriebswirtschaftsjargon angenehm auf das Mindestmaß beschränkt.
Dass Clark überhaupt in so kurzer Zeit mit so vielen Freunden, Feinden und den wenigen neutralen Mitarbeitern und Weggefährten Kirchs sprechen konnte, sagt etwas über die Faszination aus, die der nach außen eher unscheinbar wirkende Filmhändler ausüben konnte. Dass sich die wenigsten von ihnen direkt zitieren ließen, allerdings auch.
"Der Glaube ist das Echteste an ihm", sagt da sein alter Geschäftsführer Bodo Scriba, der bis 1985 als rechte Hand von Leo Kirch den Weg für den Einstieg des Filmhandelshauses ins TV-Sendergeschäft ebnete. Den öffentlichkeitsscheusten Medienunternehmer der Republik hätte man also allsonntäglich beim Hochamt in der Münchner Frauenkirche treffen können. Überhaupt steht die Frage "Wer ist Leo Kirch" im Mittelpunkt. Wenn Clark beschreibt, wie Kirch schon in seiner Schulzeit unmittelbar nach Ende des 2. Weltkriegs, als Händlergenie galt ("Wenn jemand dringend etwas braucht, was scheinbar niemand auftreiben kann, lautet die Devise: ,Frag doch den Leo'"), wie er 1948 als Anhängsel in eine Schwarzmarkt-Schieberbande geriet und sich plötzlich - wegen Hehlerei angeklagt - vor dem Kadi wiederfand, lässt sich die zwiespältige Persönlichkeit des kühl rechnenden Kaufmanns und des draufgängerischen Spielers Kirch zumindest schon in Konturen erahnen.
In diesen Rückblicken ist Clarks Buch am überzeugendsten. Es erzählt den Aufstieg des Leo Kirch, ohne in den verschwörerischen Ton der bislang maßgeblichen Kirch-Biografie von Michael Radtke ("Außer Kontrolle. Die Medienmacht des Leo Kirch", Berlin 1994) zu verfallen, erreicht aber nicht deren tiefe Durchdringung der politischen Gemengelage zwischen dem Freistaat Bayern und seinem obersten Filmhändler. Auch Clarks Verdikt, zwei schwere Autounfälle stellten Kirchs prägendste Erfahrung dar und hätten dafür gesorgt, dass er "jede Scheu vor unternehmerischem Risiko" verlor, bleiben These. Dafür enthält das unbedingt lesenswerte Buch einen der schönsten Einstiege der jüngeren Sachbuchgeschichte: Als 1996 die Macher des digitalen Pay-TV beisammensitzen und vom großen Durchbruch träumen, der später zum Albtraum werden sollte, steht da: "Echte Helden schwitzen".
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