Sie, im Gefühlschaos einer gerade zu Ende gegangenen Beziehung als langjährige Geliebte des Chefs; er, der auf der Schwelle zum Erwachsenen stehende Junge mit mächtigen Problemen und unglaublicher Gier nach Leben. Die Ferienkulisse an der Oberfläche des sehr eigenwilligen Korsikas im harten Kontrast zur Story. Der Junge verliebt sich in die tief verletzte schöne "ältere" Frau und setzt alles für sie aufs Spiel. Sie, tief empfänglich für außergewöhnliche Situationen durch den emotionalen Verlust, lässt sich immer mehr auf den Jugendlichen ein.
Der Film ist nichts für nebenbei. Er fordert den Zuschauer. Getragen wird er von einer der besten Schauspielerinnen, die Deutschland derzeit zu bieten hat: Karoline Eichhorn. Im Fernsehen ist sie eher selten zu sehen, was verständlich, aber sehr schade ist. Hier dominieren bis zum Überdruss die ewig gleichen Akteure. Die Einschaltquoten verlangen offensichtlich nach ihnen. Aber wo sich Karoline Eichhorn zeigt, ist sie ungeheuer präsent. So auch hier. Verletzlich, trotzig, hart und herb und doch unendlich zart, spielt sie eine junge Frau, der die Trennung von ihrem Geliebten den Boden unter den Füßen wegzuziehen droht. Zu Beginn ist der Junge eine willkommene Ablenkung, aber mehr und mehr zieht er sie durch seine kompromisslose Zuneigung in seinem Bann. Ein Happyend bleibt den beiden verwehrt, der Junge verliert die ganze Welt.
Dem kürzlich verstorbenen Filmregisseur Carlo Ponti wird das Bonmot '"Wenn ein Film Erfolg hat, ist er ein Geschäft. Wenn er keinen Erfolg hat, ist er Kunst.'" zugeschrieben. Kritiker und Spötter mögen das auch über diesen Film denken. Meiner Meinung nach ist er durch das Agieren von Karoline Eichhorn tatsächlich ein filmisches Kunstwerk. Für mich kommt Kunst von Können. Dieses Kriterium wird hier erfüllt.
Bleibt zu hoffen, dass es noch andere Filme mit dieser begabten Schauspielerin auf DVD schaffen. Ich warte vor allen Dingen auf "Gegen Ende der Nacht".
Helga Kurz