"Der Feind" enthält sechs Kurzgeschichten, die thematisch an "Im Westen nichts Neues" und "Der Weg zurück" anknüpfen. In der ersten Geschichte geht es noch direkt um Geschehen im Kriege, wobei hier jedoch schon die eher philosophische Frage, was eigentlich ein Feind sei, im Vordergrund steht („Mich hatte schockiert, dass sie Menschen waren wie wir selbst." - „Ursprünglich waren sie keine Feinde; erst als sie Waffen bekamen.").
Die anderen fünf Erzählungen handeln weniger vom Kriegsgeschehen als vielmehr von den zum Teil lebenslangen Folgen des Krieges für die Soldaten und ihre Angehörigen, Folgen, die manchmal schon fast komisch wirken, wie die Geschichte des Johann Bartok, der, nach langer Gefangenschaft heimgekehrt, feststellen muss, dass seine Frau, die ihn längst tot geglaubt hatte, inzwischen einen anderen geheiratet hat, die jedoch für die Betroffenen fatal waren und heute kaum noch vorstellbar sind. Wie auch in Remarques anderen Werken über den Krieg stehen der Mensch und sein Fühlen und Leiden im Mittelpunkt. So ergänzen diese Kurzgeschichten seine oben genannten Werke und vervollständigen den Bericht „über eine Generation (...), die vom Kriege zerstört wurde".
Stilistisch schließen sich die Kurzgeschichten eher den Werken Remarques vor der Veröffentlichung von "Im Westen nichts Neues" an: Der Autor schrieb bis 1928 hauptsächlich kurze Essays und Erzählungen, die vor allem in Zeitschriften erschienen. Die vorliegenden Geschichten wurden 1930/31 im amerikanischen Magazin Collier's abgedruckt. Von Remarque auf deutsch geschrieben und für die Veröffentlichung ins Englische übersetzt, wurden diese Geschichten wieder zurückübersetzt und erst 1993 in deutscher Sprache gedruckt, sie sind daher hierzulande noch relativ unbekannt.