Ebenso wie der erste Nicholas-Fandorin Roman hat auch dieses Buch zwei Handlungsstränge, die eher lose verknüpft, als miteinander verbunden sind.
Der erste, in der heutigen Zeit spielende setzt die Geschichte um Nicholas Fandorin aus dem ersten Band fort. Fandorin ist verheiratet, Vater, Chef seiner einzigartigen wie erfolglosen Firma und tut nichts anderes, als PC-Spiele zu erfinden, die niemand spielen will. Als seine Frau, die Chefredakteurin einer erotischen Wochenzeitung geworden ist, eine Anzeige für das Unternehmen ihres Mannes schaltet, taucht der erste ernsthafte Kunde seit langem auf und plötzlich steht Fandorin auf der Abschussliste skrupelloser Verbrecher.
Der zweite Handlungsstrang erzählt von dem Wunderkind Mitja, das von seinem Vater an den Hof Katharinas der Großen gebracht wird und dort zufällig Zeuge eines Komplotts gegen die Zarin wird. Unvermittelt muss er fliehen
Auf seiner Flucht trifft er auf einen Vorfahren Fandorins, der für die einzigen Verknüpfungen beider Handlungsstränge herhalten muss. Leider, denn bis ich diese Verbindung wirklich verstanden hatte, verliefen beide Handlungsstränge so unabhängig von einander, dass ich mich fragte, warum sie zu einem Roman zusammengefasst worden waren. Hier hätte ich mir mehr als die wenigen vorhandenen Verbindungen gewünscht. So erscheint der Roman lange Zeit als nicht allzu durchdacht.
Und auch die Länge des Romans ist übertrieben. Boris Akunin pflegt eine Erzählweise, die so sehr ich sie schätze doch sehr gemächlich, lang und voller Längen ist, gerade bei steigender Seitenzahl der Romane wird dies deutlicher. In anderen Romanen vermochte er es besser einen Spannungsbogen zu halten und die Handlung voranzubringen.
Dennoch schöpft Akunin aus dem Vollen. Eine waghalsige Flucht welches Thema könnte diesem Schriftsteller besser liegen, und hier sind es gleich zwei davon. Dazu sympathische Hauptpersonen, viele mehr oder minder skurrile Charaktere, unverhoffte Wendungen, Dialoge die zu einem Genuss werden, ein unglaubliches Gefühl für finden Humor und eine einzigartige, liebevolle Sprache.
Insgesamt reicht es nicht für 5 Sterne, denn im Vergleich zu anderen Akunin Romanen fällt dieser leicht ab. Aber jeder, der die Fandorin-, Pelagia- oder Nicholas-Fandorin-Romane mochte, sollte sich dieses Buch auf keinen Fall entgehen lassen.