Michal Viewegh Der Fall untreue Klára Deuticke
ISBN 3552060693
Liebe, Treue und Eifersucht,-- es gibt viele Möglichkeiten, wie man mit diesen Spielarten der Liebe zu tun haben kann. Selten aber trifft es einen so schwer, dass der ganz normale Wahnsinn von ihm Besitz ergreift.
Bei Norbert Cerny ist es so weit: der berühmte Schriftsteller liebt eine Zwanzigjährige, und er ist vierzig.
Unter dem Vorwand, Material für einen Roman über die Eifersucht zu sammeln, verabredet er sich mit Dr. Denis Pravda, einem bekannten Privatdetektiv. Lange hält Norbert das Versteckspiel nicht durch, dann bricht es aus ihm heraus: voller Argwohn, Zweifel und deutlich erkennbarer Verzweiflung eröffnet er Denis, was ihn umtreibt. Seine Freundin Klara studiert Sinologie und er fürchtet, dass sie ihm nicht treu ist.
Die beiden Männer kreuzen die Klingen, plänkeln ein wenig, und dann kann Norbert nicht mehr an sich halten: seine Freundin muß ihm untreu sein; er ist wie von Sinnen und will hinter ihr Geheimnis kommen und erbittet von Denis fachliche Hilfe. Das Geld soll keine Rolle spielen, wenn nur die Wahrheit ans Licht kommt!
Zwei intelligente Burschen sitzen sich gegenüber.
Norbert zitiert im Gespräch Stefan Zweig über Freud, den Psychoanalytiker: < Ein düsteres Auge, das hier die Menschheit anblickt >....... Und Denis kontert mit einem Zitat aus Paul Austers New York -Trilogie. Schon zu Beginn erfreuen einen die kleinen Kämpfe, die Geistesblitze, mit denen sich hier zwei Ebenbürtige begegnen.
Das Beiwerk, die Angestellten von Denis, bieten den amüsanten Rahmen zu einer Handlung, die schnell in Fahrt kommt.
Norbert ist anerkannter Schriftsteller, von dem man sich signierte Leseexemplare wünscht. Denis ist nicht nur ein einfacher Schmierendetektiv, wie man sie sich herkömmlich vorstellt: er ist promovierter Psychologe. Mit detaillierten Fragen kreist er die Kriterien ein, nach denen eine Beschattung oder Überwachung geplant werden muß.
Wie steht es um den überlegenen Denis? Kann er sich in die Lage seines Klienten hineindenken? Er kann es, denn auch seine Ehe ist nicht frei von Anfechtungen und Stürmen geblieben. Im Gespräch mit seinen Klienten wirkt er überlegen, weiß aber aus langer Erfahrung, wie man mit den Widrigkeiten des Lebens umzugehen hat.
In gekonnten und schnellen Einblendungen, mit witzigen und geistreichen Unterhaltungen gewährt Michal Viewegh Einblicke in eine Gesellschaft, in der es schnelle Paradigmenwechsel gibt. Der Treue von heute ist der Ungetreue von morgen. Sicherheiten gibt es nicht.
Viewegh wechselt die Perspektiven und lässt die Geschichte kippen: auch die Wahrheit ist nicht von Dauer, Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen zu einer Realität, deren Ende eine einzige Wahrheit verkündet: das Wesen des Menschen ist unberechenbar, wenn es um die Liebe geht.
Da ist kein Wort zu viel und keine Handlung überflüssig. Der Roman ist zwischen Krimi, Liebestragödie und Dreiecksgeschichte angelegt und bietet Unterhaltung auf höchstem Niveau. Humorvoll und mit gelungenen Geistesblitzen erfreut dieser Roman, der allzu Menschliches aufs Korn nimmt. Findet nicht am Ende jeder ein Stück Wahrheit in den teils komischen, teils tragischen Wahrnehmungsstörungen, mit denen Menschen sich das Leben schwer machen? Leider liegt die Wahrheit sehr nahe bei der Unwahrheit, wie die Geschichte uns zeigen wird.
Neben der Dramatik der sich zuspitzenden Handlung, bei der unerwartete Wendungen ein ebenso unerwartetes Ende heraufbeschwören, interessiert die Tendenz, das eigene Unglück in unendlicher Wiederkehr als Zerstörung an sich selbst zu vollziehen. Die Eifersucht gilt als Mittel zum Zweck dafür.
Michal Viewegh hat diese Neigung in seinem Buch wunderbar zum Leben erweckt mit Figuren, deren Gewitztheit, deren menschliche Reizbarkeit und deren Ängste, Freuden und ganz gewöhnliche Paranoia man in seinem Roman auf die Spitze getrieben findet.
Der Autor wird in Prag schon als Nachfahre von Kundera gefeiert. Der Ruhm gebührt ihm zu Recht!
Er lebt als freier Schriftsteller in Prag, wo er als Bestsellerautor gilt.