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Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation
 
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Der Fall Selpin: Die Chronik einer Denunziation [Gebundene Ausgabe]

Friedemann Beyer
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Collection Rolf Heyne; Auflage: 1., Auflage (6. Oktober 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3899105206
  • ISBN-13: 978-3899105209
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 182.564 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

»Der Fall Selpin« schildert minutiös einen der größten Filmskandale des Dritten Reichs. Basierend auf den noch erhaltenen Protokollen des Münchener Spruchkammerverfahrens aus dem Jahre 1947, ergänzt durch Aufzeichnungen des sogenannten Ehrengerichts bei Joseph Goebbels sowie um neue Aktenfunde zeichnet Friedemann Beyer detailliert nach, wie Herbert Selpin (1902 1942) zum Denunziationsopfer eines fanatischen Nazi wurde. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass der Fall Selpin sehr viel komplexer und widersprüchlicher ist, als lange angenommen und eine beispielhafte menschliche Tragödie darstellt. Die wahre Geschichte einer Denunziation. Wenn das Private politisch wird: Ein Einzelschicksal als beispielhafte Parabel auf das Leben in einer Diktatur.

Über den Autor

Friedemann Beyer war nach Stationen als Fernsehredakteur in München und Köln von 2001 bis 2007 geschäftsführender Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Wiesbaden. Neben filmhistorischen Hörfunk- und TV-Sendungen hat er Biografien von Schauspielern (vor allem der Ufa-Zeit) verfasst und ist Kurator einer DVD-Edition mit frühen Tonfilmen. Zudem hat er Lehraufträge für Film- bzw. Kommunikationswissenschaften an den Universitäten Mainz und Bonn. 2010 erschien in der Collection Rolf Heyne von ihm der Bildband »UFA in Farbe« in Zusammenarbeit mit Gert Koshofer und Michael Krüger.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ich habe als Kind den "Titanic" - Film gesehen und damals schon davon gehört, dass der Regisseur des Films während der Dreharbeiten durch das
Nazi-Regime ums Leben kam.

Mit großer Neugier habe ich daher dieses Buch gelesen. Ich habe es innerhalb von vier Stunden verschlungen. Dieses Buch - mir fehlen die Worte - weil ich teilweise zu Tränen schockiert war und immer noch unter dem Eindruck der Lektüre stehe --- dieses Buch sollte Pflichtlektäre an allen Schulen werden.

Es zeigt minutiös und psychologisch genau wie durch Rivalitäten, menschliche Schwächen und menschliche Dummheit eine Tragödie ins Rollen gebracht werden kann, die sich dann vor allem in einem diktatorischen System zu einer wahren Katastrophe entwickelt. Fast schon ironisch, dass all dies beim Dreh zu einem "Titanic"-Film passierte, der archetypischen Katastrophe schlechthin.

Dabei werden nicht die üblichen banalen Klischees über die bösen Nazis abgehandelt, sondern ein tiefes Verständnis für die inneren Zusammenhänge geweckt, die dazu führen können (auch heute noch), dass sich Menschen gegenseitig das Leben zur Hölle machen.

Großes Kompliment an den Autor. Ein herzergreifendes, erschütterndes Buch, das mehr Wahrheit und mehr Einsicht üder jene Jahre der Nazidiktatur, aber auch über grundsätzliches menschliches Fehlverhalten aufzeigt, als alles, was ich bisher dazu gelesen und gesehen habe.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Geschichte der letzten Lebensjahre des Regisseurs Herbert Selpin ist in diesem Buch eindrucksvoll geschildert und es überrascht, in welchem Detailierungsgrad sich die Geschehnisse von damals rekonstruieren lassen.

Auf eine oberflächliche schwarz/weiss-Malerei wurde verzichtet, der Fokus wurde auf die zwischenmenschlichen Beziehungen, ihre Schwächen, ihre Stärken und schliesslich auch ihre fatalen Auswirkungen gelegt und sind für den Leser leicht nachvollziehbar. Man kann erahnen, in welch unsicheren Zeiten man damals - selbst weit weg von den eigentlichen Kriegsgeschehnissen - gelebt hat, wo eine falsche Bemerkung an falscher Stelle eine nicht mehr aufzuhaltende Lawine auslösen und bis zur Vernichtung eines Lebens führen konnte.

Man muss kein Kenner des deutschen Films sein, um von der Geschichte und dem Schicksal Herbert Selpins fasziniert und berührt zu sein. Ein Buch, das zu lesen sich auf jeden Fall lohnt.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Beeindruckend! 20. Januar 2012
Von ½ TOP 50 REZENSENT
Es gibt immer wieder Produktbeschreibungen, die mich zum Staunen bringen. Die Produktbeschreibung von diesem Buch ist eine davon: "... wie Herbert Selpin (1902 1942) zum Denunziationsopfer eines fanatischen Nazi wurde." Da frage ich mich doch, ob derjenige, der das formuliert hat, das Buch gelesen hat. Ganz sicher hat man den Autor nicht um Rat gefragt. Wieso ich das glaube?

Nun, die Chronik des Falles Selpin beginnt Anfang der 30-er Jahre, genauer gesagt im Jahr 1933. Der Regisseur Herbert Selpin füllt den Aufnahmeantrag für die Reichsfachschaft Film aus. Eine Einrichtung, die der Gleichschaltung dienen soll. Die Mitgliedschaft ist Voraussetzung für die Berufsausübung. Voraussetzung ist neben der deutschen Staatsbürgerschaft natürlich auch der Nachweis arischer Abstammung bis zu den Großeltern. Unter Mitgliedschaft in einer Partei trägt Selpin die NSDAP ein. Seit dem 14. März 1933 gehört er dazu. 'Märzgefallene' so nannten die alten Mitglieder die Neuzugänge. Der Andrang war so groß, dass man ab Mitte April 1933 einen vierjährigen Aufnahmestopp verhängte. Wie der Autor Friedemann Beyer später zeigen wird, spricht auch bei Selpins Parteieintritt nichts dagegen, Karrieregründe für den Parteieintritt zu vermuten. Dies zeigt sich bei der selektiven Wahrnehmung seines bisherigen Lebenslaufes: Selpin verschweigt elegant die jüdischen Regisseure und Produzenten, die verantwortlich waren für die Filme, an denen er bisher arbeitete. Die gesellschaftlichen Veränderungen bieten ungeahnte Möglichkeiten für den ehrgeizigen jungen Mann. Aufgrund der Verdrängung der Juden aus dem Arbeitsleben sind Fachleute gefragt, und Selpin nimmt diese Chance zielorientiert an.

Ganz anders hingegen Walter Zerlett-Olfenius. Obwohl man ihn mehrfach auffordert, und es seine beruflichen Chancen verbessern würde, verweigert er konsequent den Parteieintritt. Wichtig ist ihm hingegen seine ehemalige Mitgliedschaft in der kämpfenden Truppe. Etwas das bei dem späteren Konflikt eine wesentliche Rolle spielt! Er ist Träger des Eisernen Kreuzes Erster und Zweiter Klasse. Im Telefonbuch wird er als Oberstleutnant a.D. geführt. Zerlett-Olfenius ist ein Bruder des Regisseurs Hans Hellmut Zerlett. Anders als sein Bruder war Walter Zerlett-Olfenius in den unterschiedlichsten Branchen tätig bevor es ihn zum Film verschlug. Erst als Ateliersekretär, dann als Produktionsassistent, und schließlich 1935 die erste Arbeit an einem Drehbuch. Skandal um die Fledermaus.

Auch Selpins Weg führte auf Umwegen zum Film. Ein Medizinstudium scheitert aufgrund von Geldmangel. Die Banklaufbahn hat er wegen angeblicher Fehlspekulationen aufgegeben. Ist Amateurboxer und Turniertänzer. Über Beziehungen erhält Selpin ein Engagement als Statist. Ein Jahr später wird er als Hilfsassistent eingestellt. Der Beginn einer vielversprechenden Karriere. 1931 verhilft ihm Hans Friedländer zu seiner ersten Filmregie: Chauffeur Antoinette. Weitere Regieaufträge folgen. Bei SKANDAL UM DIE FLEDERMAUS wird er auf Walter Zerlett-Olfenius treffen. Der Beginn einer jahrelangen Zusammenarbeit. Der Beginn einer Freundschaft? Kann ein Untergebener auch ein Freund sein?

Friedemann Beyer gibt der Charakterisierung seiner beiden Protagonisten sehr viel Raum. Das unbeherrschte Wesen des Herbert Selpin. Natürlich werden seine Ausfälle schon früh auch von den zuständigen Behörden zur Kenntnis genommen. Man konfrontiert ihn damit, nimmt sein Bedauern zur Kenntnis, sieht jedoch keine weitere Veranlassung gegen ihn vorzugehen. Kein Wunder, dass Selpin glaubt, einen Freibrief zu haben. Zurückhaltung und Diplomatie sind ganz klar nicht seine Stärke. Solange aber sein Umfeld ihn permanent entschuldigt und nachsichtig reagiert, solange hat er auch keine Veranlassung sich zu mäßigen. Eine fatale Entwicklung! Aber auch Walter Zerlett-Olfenius hat seine Schattenseiten. Sein ganz eigenes Verständnis von Wahrheit wird deutlich, als er im November 1937 zusammen mit Selpin eines Plagiats angeklagt wird.

Hier treffen zwei Männer aufeinander, die beide mit ihren jeweils eigenen Dämonen kämpfen. Die Jahre bis 1941 werden etwas oberflächlich gestreift. Dafür wird der Umsetzung des Titanic-Projektes umso mehr Raum gegeben. Im zweiten Teil des Buches zeichnet Friedemann Beyer akribisch die Ereignisse auf, die zum endgültigen Bruch zwischen Selpin und Zerlett-Olfenius führen. Eine unglückliche Verkettung der Ereignisse. Ein unbedachter Ausspruch. Menschliches Unvermögen sich noch einmal aufeinander zu zubewegen. Vermittlungsversuche scheitern. Die Eskalation. Ein persönliches Zerwürfnis erhält eine neue Dimension aufgrund der herrschenden Gesetze.

Im dritten Teil werden schließlich noch die Nachkriegsereignisse aufgeführt. Das Verfahren gegen Walter Zerlett-Olfenius. Die vergeblichen Versuche der Witwe Selpins, dass der Tod ihres Mannes als Mord interpretiert wird, so dass sie eine Entschädigung aufgrund des Wiedergutmachungsgesetztes erhalten kann. Ob es tatsächlich Mord oder doch Selbstmord war, kann Friedemann Beyer auch nicht abschließend beantworten. Die von ihm vorgelegten Indizien weisen jedoch meiner Meinung nach klar in Richtung Selbstmord. Schon früh äusserte Selpin Selbstmordgedanken, mehrfach geht der Autor darauf ein.

Abgeschlossen wird das Buch mit einem Epilog, der nochmals auf das menschliche Beziehungsgeflecht eingeht und einem mehrseitigen Anhang, in welchem die zahlreichen Fußnoten erläutert werden. Man kann daraus erahnen, wie umfangreich die Recherche zu diesem Fall gewesen ist.

Interessant sind übrigens die Informationen zum damaligen Filmgeschehen. In der Frühphase des Tonfilms war die Technik der Synchronisation noch unterentwickelt, und so wurden fremdsprachige Fassungen von Filmen mit ausländischen Darstellern einfach nochmals nachgedreht! Ergo gibt es zum Beispiel drei verschiedenen Fassungen von Chauffeur Antoinette: in deutscher, in englischer und in französischer Sprache. Jeweils mit unterschiedlichen Schauspielern. Aber auch die Abläufe der Produktion werden anhand des Films Titanic ausführlich beschrieben. Unerwartete Schwierigkeiten, die Hektik wird deutlich, die manchmal den Tagesablauf prägte.

Der Schreibstil ist außerordentlich gut lesbar. Keine Längen. Das Buch liest sich wie ein Krimi. Großes Lob hierfür! Der Aufbau ist chronologisch. Jeweils mit Angabe von Tag/Monat/Jahr.

Mein Fazit:
Nur in einem Punkt hätte ich mir etwas mehr Informationen erhofft: bei der Frage, ob Mitarbeiter bzw. Vorgesetzte auch Freunde sein können. Oder ob es nicht manchmal ratsamer ist, etwas Distanz zu wahren. Dadurch, dass die Jahre nach der ersten Zusammenarbeit von Selpin und Zerlett-Olfenius von 1935 bis 1941 relativ oberflächlich beschrieben werden, fällt mir die Beurteilung dieser angeblichen 'Freundschaft' etwas schwer. Die dramatische Entwicklung während der Filmarbeiten zu Titanic und die Eskalation des Konfliktes sind hingegen sehr gut beschrieben. Alles in allem:

Ein beeindruckendes Zeitzeugnis.
Ein Buch, das es verdienen würde, an der Spitze der Bestsellerlisten zu stehen.
Möge es viele Leser finden.
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