Das Buch enthält eine Menge Bezüge zu recherchierter Originalliteratur. Diese sind aber auf eine Art und Weise ausgewertet und zerfleddert, dass von den bekannten Tatsachen über Kepler und Tycho Brahes Tod nur wenig übrig bleibt. Wüste Unterstellungen wechseln ab mit Wertungen von Kommentaren Keplers und Anderer, die völlig aus dem Zusammenhang gerissen wurden. Wer Keplers Briefe und seine Biografie kennt, kann nur entsetzt darüber sein, mit welcher Verve hier ein Zerrbild des Astronomen und seiner Beziehung zu Brahe gezeichnet wurden. Schon allein die "Beweisführung" aufgrund der Charakterzeichnung Keplers ist eine grandiose Manipulation der Leser.
"Cui Bono?", muss man da fragen: ...wem nutzt das wohl?
Alles in Allem ist das Buch ein gutes Beispiel, wie man mit entsprechend ausgewählten Textbausteinen, haltlosen Unterstellungen und offensichtlichen falschen Darstellungen (z.B. über den "Mondtraum") in der Manier politisch korrekter Moralität noch nach Jahrhunderten Rufmord rechtfertigen kann.
Die Darstellungen Brahes zu Beginn hatte ich noch genossen, da mir bisher nicht viel über ihn bekannt war. Die Skizzierung seiner Beziehung zu Kepler, der ihn noch viele Jahre nach seinem Tod mit großer Dankbarkeit, ja gerade Ehrfurcht, erwähnte (die "Rudolfinischen Tafeln" nennt er Brahes Werk), sind für mich Aufforderung genug, der Biografie Brahes jetzt auch noch nachzuforschen. Glaubwürdig ist in diesem Buch für mich nicht mehr viel.