"Der Fall des Imperiums" bildet den Auftakt zu einer Trilogie von Walter Jon Williams. (Der zweite Teil erscheint in Deutschland noch in diesem Jahr.) Ähnlichkeiten zu Isaak Asimovs "Foundation Trilogie", welche ebenfalls die Folgen des Zerfalls eines galaktischen Imperiums beschreibt, gibt es allerdings nicht.
Die Handlung trägt sich in der fernen Zukunft zu, in der die Menschheit Teil eines gewaltigen Imperiums verschiedener Rassen ist, errichtet von den Shaa, einer mächtigen Rasse, die seinerzeit in einem gigantischen Eroberungsfeldzug Planet um Planet niedergerungen und in das Imperium integriert hat. Anschließend zwangen die Shaa den Mitgliedern des Imperiums ihre Lebens- und Glaubensphilosophie - die so genannte 'Praxis' - auf.
Soweit die Vorgeschichte des Romans, der mit dem Tod des letzten Mitglieds der Rasse der Shaa beginnt, wodurch die Zukunft und die Stabilität des Imperiums in Frage gestellt wird.
Und tatsächlich kommt es, wie der Romantitel bereits verrät, schließlich zum Fall des Imperiums, als eine der anderen mächtigen Spezies die Herrschaft über das Imperium an sich zu reißen versucht. Von einer religiösen Sekte zu sprechen, wie es die Kurzbeschreibung tut, ist dabei nicht zutreffend. Zwar geht es der - militärisch starken - Gruppierung auch darum, die weitere Praktizierung der 'Praxis' sicherzustellen, aber vielmehr sind machtpolitische Interessen ausschlaggebend.
Bis die Handlung richtig in Gang kommt, vergeht allerdings über die Hälfte des Buches - und das ist das Problem, liest man den Roman für sich und nicht als ersten von drei Romanteilen.
Der Autor nimmt sich viel Zeit, um die beiden Hauptfiguren vorzustellen, den Offizier Martinez und die Pilotin Sula. Einblicke in die Jugend der Pilotin Sula werden mit einigen sehr langen Rückblenden geliefert, die immer wieder und zum Teil sehr unvermittelt in die sich gerade ereignende Handlung eingefügt werden. Am Schluss der letzten Rückblende steht eine interessante Wendung, die sich allerdings lange vorher andeutet und nicht sonderlich überrascht. Martinez ist die eigentliche Hauptfigur des Romans. Auch seine Familie und sein Berufsleben werden sehr ausführlich beleuchtet, allerdings ohne weiterreichende Rückblenden. Vielmehr erlebt man Martinez bei Empfängen, Familientreffen und Rendezvous, was alles nicht sonderlich spektakulär ist, aber dazu beiträgt, ein Gefühl für die fiktionale Romanwelt zu bekommen. (Bisweilen hat man dabei auch den Eindruck von Dekadenz, was zu dem Thema 'fallendes Imperium' passt, aber klar herausgearbeitet ist dies nicht.)
Die Exposition zieht sich auf diese Weise lange hin, muss vielleicht aber so umfangreich sein, um das angestrebte epische Ausmaß zu erreichen und auch um die machtpolitischen Verhältnisse des Imperiums zu schildern, die dann durch den beginnenden Aufstand ins Wanken geraten. Nach der Hälfte des Romans wird es dann auch richtig spannend, als sich die Ereignisse zu überschlagen beginnen und der große galaktische Konflikt beginnt.
Man muss "Der Fall des Imperiums" als das sehen, was es ist, nämlich als Auftakt zu einem großen Abenteuer, welches in zwei weiteren Büchern fortgesetzt wird. Das erklärt und entschuldigt zu einem Teil die streckenweise etwas lahme erste Hälfte des Buches. Es lohnt sich trotzdem weiterzulesen.
Ob der Roman (und die Trilogie) als Klassiker der Science-Fiction-Literatur in die Geschichte eingehen wird, ist eher zu bezweifeln. Gute Unterhaltung bietet der Roman aber allemal, und das Buch ist gut genug, um sich auf die Fortsetzung zu freuen.