Auf ANDREAS HOPPERT bin ich durch die Vorstellung seines neuen Buches ZUG UM ZUG in der regionalen Tagespresse aufmerksam geworden. Meine Neugier war geweckt und hat mich zu einer überraschend guten Entdeckung geführt. Das Erstlingswerk DER FALL HELMS ist ein hervorragender Krimnalroman (?), der alle Attribute der Romane bereits international renomierter Autoren aufzuweisen hat.
DIE STORY
MARC HAGEN war Richter am Sozialgericht Detmold. Bereits nach kurzer Dienstzeit hat er wegen Differenzen mit dem Gerichtspräsidenten den Dienst hingeschmissen und sich als Einzelanwalt in Bielefeld niedergelassen. Seine Kanzlei läuft mehr schlecht als recht. Die Banken üben Druck auf ihn aus, weil er die Raten des ihm gewährten Existenzgründerdarlehns nur unregelmäßig bedient. Zusätzlich läuft ein Anwaltsgerichtsverfahren gegen ihn, weil er sich teilweise unzulässiger Mittel bedient hat, um Mandate zu erhalten. In dieser Situation platzt CHRISTINA HELMS in sein Büro hinein. Sie ist die Tochter eines mutmaßlichen RAF-Terroristen, der bei einem GSG 9 - Einsatz auf dem (fiktiven) Bahnhof Bad Reichen (tatsächlich: Bad Kleinen) ums Leben kam. Eine strafrechtliche Untersuchung des Falles kam damals zu dem Ergebnis, dass Helms Selbstmord begangen haben müßte. CHRISTINA ist davon überzeugt, dass ihr Vater bei dem Einsatz vorsätzlich getötet worden sei und hat eine Klage beim Sozialgericht eingereicht mit dem Ziel,
eine Hinterbliebenenrente zugesprochen zu erhalten. Trotz erheblicher Zweifel an der Erfolgsaussicht läßt HAGEN sich - auch angesichts seiner angespannten finanziellen Situation - zur Übernahme des Mandats "überreden". Daneben ist er nämlich nur noch als Nachlaßpfleger beschäftigt. HAGEN stürzt sich also in die Arbeit, die zunächst aus intensiven Ermittlungen und Recherchen besteht. Irgendwie müssen Zeugen aufgetrieben werden. Mit fortschreitenden Ermittlungen spürt HAGEN immer stärkeren Widerstand, der offensichtlich auch aus höchsten politischen Ebenen kommt. Dies führt sogar soweit, dass plötzlich GSG 9 - Männer, die bei dem Einsatz dabei waren, getötet werden. Eh er sich versieht, schwebt MARC HAGEN selbst in höchster Lebensgefahr. Die Sache scheint doch wesentlich tiefgehender zu sein, als es dies zuerst den Anschein hatte ...
FAZIT
Es handelt sich um einen Kriminal-Polit-Gerichtsthriller (versucht man Genres zu bemühen) mit hoher Spannung und überraschenden Geschehnissen und Wendungen. HOPPERT hat einen überzeugenden Debütroman geschrieben. Die Geschichte, die - gut recherchiert - auf einer tatsächlichen Gegebenheit aufbaut, ist zudem auch politisch brisant. Ein Highlight des Romans ist eine Gerichtsszene, in der die Staatssekretärin des Innenministers auf Antrag HAGENS als Zeugin zu der Frage vernommen wird, warum die Preisgabe der Klarnamen der seinerzeit am Einsatz beteiligten GSG 9 - Männer deren Leib und Leben gefährden würde. Es gelingt HOPPERT hier tatsächlich (im scharfen Kontrast zu den täglichen Gerichtsserien im TV) eine sehr spannende und vor allem realistische (deutsche) Gerichtsszene darzustellen, ohne die Deutsche Prozeßordnung zu ignorieren. Dabei kommen ihm natürlich die "intimen" Kenntnisse des Sozialgerichtswesens zu Gute. Es ist erstaunlich, wie lebendig und spannend ihm die Schilderung dieses (eines von mehreren) Höhepunkts gelungen ist, obwohl es sich hierbei ja eigentlich um ein recht ödes und trockenes Thema handelt. Dankenswerter Weise wird das (erwartete) Lokalkolorit nur sparsam eingesetzt, was meines Erachtens die Geschichte aufwertet (auch wenn man sich freut, hin und wieder bekannte Kneipen etc. wiederzuerkennen).
Alles in allem nicht nur eine Topempfehlung, sondern auch ein absoluter Gehimtip. Mir hat das Buch so gut gefallen, dass ich mir inzwischen auch die bislang vorliegenden anderen Romane (angebliche 1. Auflage jeweils 5.000 Exemplare!) um MARC HAGEN zugelegt habe.
... und wie immer: viel Spaß und Freude beim Nachlesen!