Eine selten gute Dokumentation über den Aufstieg und den Niedergang des M.Chodorkowski.
Der Film beginnt mit den Kinder und Jugendtagen und zeigt auf wie Chodorkowski mit sehr viel Ehrgeiz zusammen mit ehemaligen Studienfreuden nach und nach ein Imperium aufbaut, das Seinesgleichen sucht.
In dieser Aufbauphase ist er sicherlich keiner, der andere mit Samthandschuhen anfasst und um des lieben Geldes willen sind ganz sicher einge Unregelmäßigkeiten im Spiel.
Sehr gut aufgezeigt wird auch wie dem Staat daran gelegen ist seine Ölraffinerien nicht ins Ausland zu veräußern, sondern diese an Russen zu verkaufen. Chodorkowski macht das Rennen und ist bald der reichste Mann im Lande. Er selbst bemüht sich aber stets darum relativ bescheiden aufzutreten und auf gewisse Statussymbole der Neureichen zu verzichten.
Irgendwann erkennt der sehr intelligente Russe, dass nur mit reinem Abzocken auf Dauer nichts Herausragendes für sein Land zu erreichen ist und er möchte doch irgendwie auch als jemand in die Geschichte eingehen, der auch für sein Volk eine große Leistung vollbracht hat. Er besinnt sich neu, läßt andere an seinem Erfolg teilhaben, bemüht sich darum ehrliche Bilanzen vorzulegen und die geforderten Steuern zu zahlen, ist sozial charitativ tätig und unterstützt auch die Politik.
Zum Verhängnis wird ihm aber sein Bemühen um Aufrechtigkeit, denn er ist nicht mehr bereit auf alle Forderungen finazieller Art (Korruption) einzugehen, zudem gibt er auch Gelder an Oppositionsparteien, als er auch noch in einer Parlamentsdebatte auf die staatliche Korruption aufmerksam macht, ist Putin persönlich gekränkt. Da Chodorkowski sich aber nicht einschüchtern oder bestechen läßt, wird er eben verhaftet und ein "Prozess" folgt, der ihn im Gefängnis entsorgt. Putin hat nun freie Hand und kann sich wieder bedienen wie es beliebt.
Man geht hier über Leichen und ich weiß nicht ob dies nur methaphorisch zu sehen ist.
Eindrucksvoll, sehr gut recherchiert und erschreckend offen, diese Doko, die wieder einmal deutlich vor Augen führt wie weit der russische Staat von Demokratie entfernt ist, wie verbrecherisch das Regime, sehr Jahrzehnten, bis heute geblieben ist, wie wenig die internationale Solidargemeinschaft dagegen tut, aus Angst davor den Öl- oder Gashahn zugedreht zu bekommen.
Wofür ich mich jedoch am meisten schäme, dass sich der ehemalige Bundeskanzler Schröder als guten Freund von Putin bezeichnet und nach seiner widerwilligen Abdankung gleich ins russische Geschäft miteinstieg. Solch eine Moral kann doch nur zu Politikverdrossenheit führen.