Den Autoren ist es sicherlich gelungen, ein spannendes Buch zu schreiben; und man merkt auch, dass sie sich jahrelang sehr intensiv mit dem 'ungeklärten Todesfall Uwe Barschel' beschäftigt haben.
Ebenfalls positiv hervorzuheben ist, dass sie ihre Recherche transparent machen. Fast jede Tatsachenbehauptung ist mit einer Fußnote und einem Quellenhinweis versehen, so dass man den Autoren die Seriosität ihrer Arbeit und ihrer Darstellung nicht bestreiten kann.
Aber...
Zitat Klappentext
Die Autoren [...] enthüllen in einer packend geschriebenen Reportage einen internationalen Machtpoker, in den Barschel verstrickt war und der in der Tragödie von Genf gipfelte. Sie [...] präsentieren erstmalig eine heisse Spur, die in die dunkle Welt internationaler Rüstungsgeschäfte führt.
Zitatende
o Dass Barschel in den internationalen Poker um Rüstungsgeschäfte mit Südafrika verstrickt war, mag vielleicht plausibel sein (er was als Ministerpräsident in Kiel möglicherweise daran interessiert, dass ein wichtiger Arbeitgeber wie die HDW durch nicht legale Geschäfte überleben konnte) ist aber keinesfalls erwiesen oder auch nur durch Indizien plausibel belegt.
o Dass Barschel während seiner Tätigkeit als Ministerpräsident oftmals tagelang nicht erreichbar war, sich sehr häufig in der DDR aufhielt, (die auch über die Kommerzielle Koordination des Alexander Schalck-Golodkowski an Rüstungstransfers zwischen Israel und Südafrika beteiligt war) ist nicht uninteressant, aber die Autoren können außer Mutmaßungen nichts darüber sagen, was Barschel denn jeweils gemacht oder verhandelt hat.
o Dass Barschel von Südafrika große Geldbeträge zur privaten oder Parteienfinanzierung bekommen haben soll, ist nur mit Zeugenaussagen belegt von Zeugen, die nicht namentlich genannt werden können und die sich teilweise nur aufs Hörensagen berufen.
Damit ist die Hypothese, die der Klappentext und die Autoren im Schlusskapitel nahe legen: Barschel wurde ermordet, weil er seine Versprechungen nicht einhalten konnte bzw. weil er mit seinen Wissen zum Risiko für Geheimdienste und politische Gruppen wurde, nur sehr schwach begründet.
Ebenfalls nicht überzeugend sind die Indizien, die für Mord sprechen sollen: eine verschwundene Weinflasche, ein abgerissener Kragenknopf, ein zugeschnürter Schuh haben letztlich keine Relevanz.
Schließlich müssen auch die Autoren zugeben, dass nicht einmal die Toxikologen sich darüber einig sind, ob den Barschel die verschieden Gifte gleichzeitig oder in größerem zeitlichen Abstand genommen haben kann.
Ein spannendes Buch! Aber keine heiße Spur! Der schleswig-holsteinische Generalstaatsanwalt Rex wird in wenigen Tagen in einer Dokumentation darauf verweisen, dass es bisher nicht gelungen ist, den Nachweis einer Verwicklung Uwe Barschel in den internationalen Waffenhandel zu belegen. Damit sind dann die grundlegenden Hypothesen des Buches reine Spekulation.