"Der Fall" ist dem "Fremden" von Camus auf jeden Fall ebenbürtig, allerdings bei weitem nicht so leicht zugänglich. In Camus Werken geht es letztlich fast immer um das Verhältnis von Indifferenz und Absurdität. Ein tragischer (Zwischen)fall verändert für immer das Leben eines erfolgreichen Juristen, der eines Abends Zeuge wird, als sich ein Mensch von einer Brücke in den Tod stürzt. Der Vorfall, angesichts dessen er reglos und untätig bleibt, setzt bei diesem Mann eine Metamorphose in Gang, die seinen eigenen langsamen (Ver)fall in den Abgrund herbeiführt. Ein erschütterndes Psychogramm, in dem auf dramatische Weise die Grundfragen von Schuld, Reue und Verantwortung im Leben entwickelt werden. Vielleicht keine Bettlektüre, aber ein ausgezeichneter Spiegel des Denkens des späteren Camus der Revolte und der "Solidarität der Kette".