"Smooth"; mit einem einzigen Attribut lässt sich "Der Fahrer" treffend beschreiben.
"Der Fahrer" präsentiert uns einen anderen Andrew Vachss als den, den wir von seinen Burke-Romanen her kennen. Die Geschichte von Eddie, dem Fluchtwagenfahrer, ist eine schlanke und fesselnde Erzählung, in deren geschmeidigem Stil sich die Art und Weise wiederfindet, in der Eddie seinem Job am Steuer nachgeht. Vachss' Erzählung funktioniert wie die perfekte Maschine von Eddies Fluchtwagen: unaufdringlich vorantreibend, ohne angeberischen Tritt auf's Gaspedal. Das Ende kommt gleichwohl abrupt und unerwartet, als sei der Fluchtwagen plötzlich von der Straße abgekommen.
Nicht minder interessant als der äußere Handlungsverlauf und die stilistische Leistung des Autors ist Vachss' Charakterstudie des einfachen, naiven, aber nicht dummen Kriminellen Eddie, der unbeirrt und verlÃ'sslich seiner "Arbeit" am Lenkrad nachgeht, und sich inmitten einer aus den Fugen geratenen Welt eine eigene, besondere Unschuldigkeit zu bewahren versucht. Vor allem diesem Teil des Romans merkt man an, dass Vachss selbst ein Leben gelebt hat, über das die meisten anderen nur schreiben.
Wer nach einem Roman sucht, der sich nicht in einem Krimiplot mit schablonenhaft kontruierten Charaktern erschöpft, der sollte hier unbedingt zugreifen. Der Fahrer ist neben "Shella", dem anderen "Waisenkind" außerhalb der Burke-Reihe, mein absoluter Vachss-Favorit.