Dies ist die dritte Ausgabe des kleinen Büchleins von Machiavelli, die ich gelesen habe, und es ist für mich unbestritten die beste.
Machiavelli wendet seine Ratschläge an den Herrscher seiner Zeit zu Zeiten, in denen er in Ungnade fiel. Dementsprechend vorsichtig drückt er sich aus, zeigt aber auch großen Mut, indem er einen analytischen Realismus an den Tag legt, den man sich auch heute nur wünschen kann.
Von den Jesuiten verdammt, von seinem Fürsten verlassen, sinniert Machiavelli darüber, welches die Tugenden und welches die Untugenden eines Herrschers zu sein haben. Was zunächst unzeitgemäß wirkt, immerhin hat die Schrift ein paar Jahrhunderte auf dem Buckel, entwickelt sich unter der führenden Hand von Patrick Horvath und der präzisen und modernen Übersetzung von Ralf Löffler zu etwas, das man einen "empirischen modernen Klassiker der Menschenkenntnis" nennen möchte.
Horvath erkennt die Notwendigkeit des Machiavellistischen Realismus für die moderne Zeit und zeigt auf, welche Punkte und welche Zusammenhänge im Leben Machiavellis dazu geführt haben, dass seine Machtpolitik (die eben eine absolut realistische ist und auch sein muss) für rücksichtsloses Herrschertum missinterpretiert wurde und wie sich dies über die Jahrhunderte hielt. Machiavellis Aufruf zu einem vereinten Italien und die Qualitäten, die er von denen verlangt, die nun einmal herrschen (mag einem das Wort schmecken oder nicht), hat heute nichts an Bedeutsamkeit verloren - vor allem mit Hinblick auf das vereinte Europa.
Machiavelli verlangt von seinem Fürsten nichts anderes, als sich jeder gute Bürger von denen erhofft, die er gewählt hat: Stärke, Tugendhaftigkeit, Charakterstärke, Mut, Integrität und die absolute Fähigkeit, Menschen richtig einschätzen zu können. Insbesondere Letztere ist eine Fähigkeit, die Machiavelli weit über die Maßen besitzt, und vielleicht ist es genau diese Fähigkeit, die ihm einen so schlechten Ruf eintrug. Machiavelli kann den schlechten Charakter eines Menschen erkennen und besitzt trotzdem die seltene und großartige Fähigkeit, dessen Stärken dennoch anzuerkennen und diese in Tipps für andere zu verwandeln. Umgekehrt kann er einen guten Charakter sehen und bemerken, wie sich der Entsprechende Schwächen leistet (indem er sich zum Beispiel mit den falschen Ratgebern umgibt oder zu freigebig ist), die ihn am Ende um seine Regierung bringen. Er beschreibt die Schmeichler und ihre Tücken, was einen echten Freund ausmacht und was nicht und wie man lernt, sich ein gutes Urteil zu bilden.
Dieses kleine Büchlein ist genau das, was der Machiavellismus-Streit braucht. Der kleine Preis und das äußerst ansprechende und kunstvolle Titelbild tragen ein Übriges dazu bei, dass ich hierfür fünf Sterne gebe.