Nachdem ja viele Fantasy-Bücher zwar von Fabelwesen nur so wimmeln, aber sowohl Protagonisten als auch die Geschichte eher farblos wirken, hat John Christopher mit seinem "Fürst von Morgen" einen Klassiker geschaffen, der seiner wohl wesentlich berühmteren "Tripods"-Trilogie in nichts nachsteht. Christopher war vom 2. Weltkrieg nachhaltig in seinem Schaffen inspiriert und das Grauen kommt deshalb nicht immer nur auf leisen Sohlen auch in seinen phantastischen Welten zu tragen.
Beim Fürst von Morgen sind natürlich auch die scheinbar unüberbrückbaren Hindernisse in Wirklichkeit nur unhinterfragte Ideologien, die jeder gesunde Menschenverstand durchdringen könnte, wenn...ja wenn die Machtverhältnisse dem nicht meistens zuwiderlaufen würden. Damit muß eigentlich über den Inhalt nicht viel mehr gesagt werden. Es ist ein sehr politisches Buch, auch wenn man das überlesen kann, wenn man nur die immer sehr spannende Geschichte verfolgt ohne hinter die Fassaden zu sehen.
Als oberflächliche Lektüre ist "Der Fürst von Morgen" sicherlich auch nutzbar, aber das Problem war schon bei seinem Erscheinen, daß nicht alles mit der großen Moral-Kelle serviert wurde, sondern sich dem Leser erst erschließt, wenn er etwas darüber nachdenkt und das ist abseits der großen Tolkien-Saga bisher nur sehr wenigen gelungen.
Aus diesem Grunde kann ich mir auch vorstellen, dass viele Leser mit diesem Werk von John Christopher nur dann etwas anfangen können, wenn sie die Realitätsnähe schätzen und nicht auf die üblichen Ork-Prinzessin-Königssohn rettet alles-Story warten.
Das heißt am besten erwartet man ein Buch für anspruchsvollere junge und ältere Leser und keine Nebenbeilektüre, dann wird der "Fürst von Morgen" nicht nur duch die ausgefeilte Geschichte, sondern auch durch seine vielen Facetten überzeugen. Wer auf eindimensionale Handlungsabläufe steht, sollte seine Finger von diesem großartigen Werk lassen. Die anderen dürfen einen der ganz großen Klassiker der Fantasy wieder oder neu entdecken!