Nach dem Lesen der knapp 180 Seiten bleibe ich mit einem merkwürdigen Gefühl des Unglaubens zurück.
Wo ist der Roman? Wo ist die Geschichte? Hab ich sie etwa überblättert? Der Fürst der Skorpione von Marcus Hammerschmitt reizte mich zum Kaufen aufgrund des Titels und des zugegebener Maßen günstigen Preises. Ich dachte mir, da kannst du nicht viel verkehrt machen und die bereits bestehende Rezension lobte ja auch reichlich mit Sternen - wie man doch irren kann.
Die Geschichte ist schnell erzählt, ein Teenager, ein ehemaliger Soldat, ein allmächtiger Staat Europa und ein unterdrücktes Afrika. Im Prinzip alles an Themen drin, was einem Roman Potential zur Spannung liefert. Doch ach du Graus! Die Umsetzung überzeugte mich leider so überhaupt nicht. Ich hatte das Gefühl einen Schullaufsatz und keinen Roman gelesen zu haben.
Genug gemosert, kommen wir zur Begründung der Entrüstung.
Warum empfand ich kein Vergnügen beim Lesen?
Analyse Science:
* Tote wieder erwecken
* Symbiose zwischen Mensch und Maschine
* Automatisierte Transporter
* neue Schusswaffen
* neue Fahrzeuge
Puh! Also bis auf den ersten Punkt ist der Rest heute schon mal nicht so weit weg oder schon da. Das macht natürlich nichts, aber ich hätte mir dort dann mehr Fantasie in den Beschreibungen der Technologien gewünscht und nicht die aus x-Filmen und doppelt so vielen Büchern bekannten Klischees von Ports die den Menschen mit seiner Waffe oder seinem Transportmittel verbindet und ein paar Blechhunden. Die kleine Geschichte auf der Transportkarawane ist ganz nett, aber wer Jack Londons
Abenteuer des Schienenstranges kennt, wird bei den hier vergeudeten Möglichkeiten eine Geschichte zu erzählen nur mit dem Kopf schütteln.
Fazit: Alles schon mal besser umgesetzt gelesen; nichts Spannendes; Science-Faktor ist schon mal nicht so überzeugend.
Analyse Fiction:
* ein geeintes Europa mit einer einheitlichen Sprache :)
* der Klimawandel scheint noch keine Auswirkungen gebracht zu haben
* internationale Verwicklungen scheinen nur zwischen Europa und dem Norden Afrikas zu bestehen, der Rest der Welt hat Urlaub.
Also die gesellschaftliche Fiction in diesem Buch reißt mich jetzt auch nicht vom Hocker. Gegenwärtige Gegebenheiten unserer Welt von Heute werden nicht auf ein Morgen weiter gedacht. Also auch keine Pluspunkte für die Hintergründe.
Kommen wir zur Geschichte und dem Erzählen.
Nun ja, Herr Hammerschmitt hat ein Skript mit vielen Stationen und Verwicklungen geschrieben aber eben nicht mehr. Unter einer Geschichte stelle ich mir etwas anderes vor. Wem die Formulierung "Show don't tell!" ein Begriff ist, dem sei gesagt, dass Herr Hammerschmitt in diesem Buch vom "Show" nicht allzu viel hält.
Die Charaktere bleiben farblos, blass und durchscheinend. So gebärdet sich nicht nur der von den Toten wieder erweckte Björn wie ein Zombie, auch der Rest der Figuren bleibt leblos und künstlich.
Was mich besonders verärgert hat, ist die Naivität mit welcher der Autor seine Figuren sich entwickeln lässt. Ein junger Teenager bekommt einen langweiligen, peinlichen von der Gesellschaft ausgeschlossenen Ersatzvater vor die Nase gesetzt und natürlich ist die junge Heldin Tabea damit überhaupt nicht einverstanden. Es kommt zu Ablehnung und Spannungen. Soweit ist alles gut und schön, aber als Tabea sich dann einfach mal eben so auf Björns Seite schlägt und mit ihm nach Afrika flieht, dabei sämtliche Vorurteile der Gesellschaft und ihres bisherigen Lebens über den Haufen wirft, da dachte ich Autsch! Eine solche Entwicklung wirkt unglaubwürdig, unfertig, schlicht falsch. Die Begründungen für diese Entwicklung werden nur Skizzenhaft angedeutet und nicht ausformuliert. So geht es dann Station für Station weiter. Über jedes Bild und jede Situation hastet der Autor nur so hinweg ohne zu Verweilen oder den Figuren Raum für ihre Entwicklungen zu geben.
Der Leser wird immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt, schüttelt verwirrt den Kopf und rutscht in die nächste unausgegorene Szene.
Der Roman ist nach meiner bescheidenen Meinung nach, mehr eine Liste von Stichpunkten mit ein bisschen Verpackung als eine Geschichte. Die einzelnen Stationen wirken lieblos aneinander geflickt und fallen auseinander beim Lesen. Die Handlungen und Gespräche von Tabea, Björn und den restlichen Charakteren wirken so unglaubwürdig wie aus einer RTL-Nachmittagssendung abgeschrieben.
Nein unter Sciencefiction stell ich mir etwas Anderes vor, selbst unter Unterhaltung stell ich mir etwas Anderes vor, von meiner Vorstellung eines Romans gar nicht erst zu reden.
Aber wie gesagt bei dem hier von mir Geschriebenen handelt es sich um die Meinung eines Lesers und wir Leser sind ja bisweilen Launenhaft und ungerecht.
Wer mehr auf die Meinung eines renommierten Autors setzen möchte dem gebe ich hiermit noch ein Zitat vom Buchrücken:
"Ein starkes Buch! Ich bin überzeugt, dass 'Der Fürst der Skorpione' dereinst als Kultbuch gelten wird" Andreas Eschbach
Was der Gute da geraucht hat, müsst ihr ihn selber Fragen. Dass einzig Positive, dass ich an diesem Buch finde, sind die wenigen Seiten und dass die Belanglosigkeit dieser Geschichte schon wieder aus meinem Denkapparat entschwindet.