oder: Kann man über Hitler lachen? Dass man kann, im Cartoon, hat ja schon Walter Moers gezeigt. Im "Adolf"-Zyklus durchleidet der wiedergeborene Führer aller Deutschen ("Äch bän wäder da!") eine Irrfahrt durch die Moerschen Analsex-Crack-Aliens-Welten der Trash- und Hardcore-Semiotik. Moers' Trash-Hitler ist auf herrliche Weise completely nuts. Achim Greser betreibt eine andere Form mythologischer Subversion. Denn gibt es einen privaten Hitler in der nationalen Einbildungskraft? Zuerst durfte es keinen geben, dann haben Historiker wie Joachim Fest die Dämonie nachvollzogen, um ihn in eine negative Großfigur umzuwandeln - aber selten wurde der Gier nach einer Psychologie und einem Privatleben dieser Figur eine subversive Sättigungsbeilage untergeschoben, wie das Achim Greser versucht. Der übergroße Dämon - hier ist er ganz klein, als "Führer privat" ein schmächtiger wandelnder Minderwertigkeitskomplex, ein verkniffener Choleriker, zu sehen beim Schneeschippen, mit umgebundener Schürze beim Tortenbacken oder mit dem Staubsauger unter monumentalen Speerschen Säulengängen. Eva Braun hält ihn unter häuslichem Pantoffel und verspottet seine scheiternden Künstlerambitionen ("Ich finde es ein Ideechen zu entartet, Schatz!"). Hitler muss schwulen jüdischen Vertretern die Tür öffnen, sich beständig von der Grobianbande Goebbels, Göring, Himmler veräppeln lassen ("Arschbombe, Adolf!"), in Schlafmütze und Nachthemd bei den Nachbarn wegen des Lärms beschweren ("Darf ich um etwas Ruhe bitten, morgen wird schon ab 4.45 Uhr zurückgeschossen!").
Banalisierung ist nicht das Ziel und auch nicht der Erfolg. "Der Hitler bleibt samt seiner Frau/Die weltgeschichtlich größte Sau", hieß es in der Abschiedsrede der letzten Folge in der Titanic 11/98. Kein "wahrer Hitler" soll gezeigt werden - denn vorgeführt wird letztendlich das Verhältnis der Deutschen zu Hitler, die dem Dämon nicht entkommen können, wenn sie fortwährend dessen Größe auch im Negativen noch bestätigen. Satirisch vorgeführt wird auch die inszenierte Bürgeridylle der deutschen Vor- und Nachkriegsjahrzehnte, die Cartoons sind mit wunderbar abgetönten Farben koloriert, leicht sepia- oder graustichig wie die offiziellen ersten Farbaufnahmen aus der Alpenresidenz Hitlers oder Großmutters muffige Urlaubsfotos, Chiemsee 1956. Ein komplexes, wirkungsvoll spöttisches Kasperltheater und dabei ein intelligenter Kommentar zur Banalität des Bösen.