Wie viele andere Rezensenten darf auch ich mich zu den Wallace-Fans zählen, und kann daher kaum Unparteilichkeit für mich beanspruchen. Trotzdem möchte ich anmerken, dass es einige wunderbare Dinge gibt, die gerade für diesen Wallace-Krimi sprechen.
Die Story ist überraschend tiefgründig und unvorhersehbar. Normalerweise enden alle Wallace-Filme mit einer Hochzeit oder großen Liebe, die wir von Anfang an verhersehen konnten (Fuchsberger + Dor, je nachdem). Dieser BEGINNT mit einer Hochzeit: Dor heiratet aber keinen Schönling, sondern einen unsympathischen neureichen Emporkömmling, den sie von allen Anfang an nicht liebt. Stattdessen wird er für sie erst in dem Augenblick interessant, da sie in ihm den berüchtigten "Fälscher von London" vermuten muss - ein erstaunlicher psychologischer Tiefgang für einen Wallace-Krimi!
Überhaupt: in diesem Wallace-Krimi taucht nicht ein einziger schablonenhafter Charakter auf. Zum einzigen Mal in der Reihe hat man das Gefühl, lebenden, atmenden und facettenreichen Menschen gegenüberzustehen, allesamt von großartigen Schauspielern dargestellt, in einer Story reich an unerwarteten Wendungen.
Lowitz spielt hier seinen eindeutig besten Kommissaren. Von Harald Reinl geschickt in Szene gesetzt - der erste Auftritt ist schlichtweg genial - erscheint er hier einmal nicht als gemütlicher Tee-Trinker im "DER-ALTE-Stil", sondern als Sherlock-Holmes-ähnlicher Master-Mind, der manchmal sogar unheimlicher wirkt, als die Ganoven, die er jagt.
Eddi Arent hat seinen allerbesten, weil kürzesten Auftritt. Seine Stelle als humorvoller Sidekick nimmt hier der geniale, sächselnde Josef Offenbach ein - schade, dass er nicht öfter für einen Wallace-Krimi zur Verfügung stand.
Ein ungewöhnlicher Wallace-Krimi - für mich einer der besten, für den obendrein Martin Böttcher (Winnetou), der hier, finde ich, auch einen seiner besten Soundtracks schrieb.