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TOP 500 REZENSENTam 4. August 2013
Capus neuer Roman ist kein leicht zu lesender Unterhaltungsroman, den man eben so mal schnell runterliest. Im Gegenteil. Ein Roman der Konzentration beim Leser einfordert, viele geschichtliche Fakten verwendet und im Grunde 3 Biographien ausbreitet, der mehr lose nebeneinander stehen, als dass sie sich wirklich aufeinander beziehen würden. Da sie nicht wirklich aufeinander zulaufen, hätte man sie auch hintereinander drucken können ohne sie noch miteinander zu verschachteln. Leser die gerne Geschichtliches lesen, oder biographische Verarbeitungen lieben, dürften hier vollauf auf ihre Kosten kommen. Wer jedoch mit Physik wenig am Hut hat, oder wem die Einbindung von geschichtlichen Informationen Mühe bereitet, dürfte diesen Roman etwas trocken erleben, selbst wenn er fantastisch geschriebene Passagen vorzuweisen hat. Nicht ganz nachvollziehbar, bleibt für mich der reisserische Titel, denn solch sorgfältig recherchierter und geschriebener Roman hat so etwas eigentlich gar nicht nötig. Capus beschreibt 3 Leben von Menschen, die es tatsächlich gab, aus den Bereichen Kunst, Gesang und Physik.

Beginnen wir mit dem "Fälscher", Emile Gilliéron (1885-1939), Capus schreibt über ihn: "Aber wenn die Welt seine künstlerische Leistung auch nicht zu würdigen wusste, so konnte er immerhin für sich in Anspruch nehmen, der grösste Fälscher aller Zeiten zu sein; denn er hatte nicht einfach nur ein paar Ölschwarten, Elfenbeinfigürchen oder Geldschein kopiert, sondern nichts weniger als Lebensbildnis der ältesten Hochkultur Europas erfunden - mit all ihrer spielerischen Lebensfreude und ihrem Hang zu Jugendstil und Art déco." (222) Der Vater von Emile hatte Fresken rekonstruiert, hatte den britischen Archäologen Arthur Evans bei Ausgrabungen unterstützt und Emile hatte später minoische (siehe monoische Kultur) Repliken und Kopien, Nachbildungen von Fundstücken reproduziert. Eigentlich sind das schon fast 2 Biographien, weil eben der Vater auch recht ausführlich behandelt wird. Der Palast von Knossos spielt hierbei doch eine bedeutende Rolle, die Charakterzeichnung von Emile bleibt jedoch die Blasseste im Band.

Dann die "Spionin", die Rede ist von Laura d'Oriano (1911-1943), der Autor schreibt über sie: "Immer wieder aufs Neue musste sie zugeben, dass die im richtigen Leben gar keine echte Kosakin, sondern eine brave Lehrerstochter aus Marseille sei, und dass sie nicht wirklich Anuschka heisse sondern eigentlich auf den Namen Louise höre und von ihren Freunden Loulou gerufen werde, und dass sie deshalb so gut Italienisch spreche, weil ihre Mutter Italienerin sein." Laura hilft bei ihren Eltern im Musikalienladen aus und verkauft Partituren. Ihr Studium zu Gesang muss sie abbrechen, obwohl sie davon träumt Sängerin zu werden, schafft sie es lediglich ein einfacheren Lokalen und Theatern zu singen und Arrangements zu erhalten. Auf Plakaten wird als die Nachtigall von Kiew angepriesen. Wenn sie "Bujuschki Baju" singt, bringt sie Männerherzen zum Weinen. Doch der Kampf ums Überleben führt sie wieder zu angestammten Tätigkeiten, sie arbeitet in einem Hutgeschäft. Die Ehe auf die sie sich einlässt, wird immer mehr zur Verzweiflung, bis sie eines Nachts Mann und Töchter weinend und verzweifelt verlässt und zu ihren Eltern nach Frankreich zurückkehrt. Ihre Fähigkeit 5 Sprachen zu sprechen, wird ihr eines Tages zu ihrem Verhängnis werden, denn sie wird von einem Kommissar angesprochen, der sie unter Druck setzt, in italienischen Häfen nach Kampfschiffen Ausschau zu halten und zu berichten...Für mich die stärkste und auch beste Charakterzeichnung in diesem Roman.

Und schlussendlich Felix Bloch (1905-1983), schweizer Atomphysiker, Capus schreibt über ihn: "Felix Bloch engagierte sich nach dem Abschied aus Los Alamos im Radarprojekt der Harvard University in Cambridge, das entscheidend zum Sieg der Alliierten gegen die Achsenmächte beitrug. 1945 kehrte er an die Universität Standford zurück und nahm seine Lehrtätigkeit wieder auf. In der Forschung konzentrierte er sich weiter auf den Magnetismus des Neutrons. Für seine Entdeckung der Kernreduktion, einer neuen Methode zur Messung des magnetischen Moments von Atomkernen, erhielt er 1952 den Nobelpreis für Physik. (..) Die Kernreduktion führte auf direktem Weg zur Magnetresonanztomographie, welche die medizinische Diagnostik in den letzten Jahrzehnten revolutionierte. Man kann deshalb ohne Übertreibung sagen, dass Felix Blochs Lebenswerk weitaus mehr Menschen das Leben gerettet hat, als die Atombombe jemals zu töten vermochte." Bloch war ein unglücklicher Maschinenbaustudent, der genug hatte sich mit Kanalisationsdeckeln zu beschäftigen. Die Beschäftigung mit der Quantenmechanik sollte ihn schlussendlich bis in die Staaten führen, wo er massgeblich mit Oppenheimer am Bau der Atombombe mitgearbeitet hat...

Drei Lebensverläufe, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und nicht zuletzt unter dem Einfluss des Hitler-Regimes standen. (Ausser Emile) Capus beschreibt Menschen, mit ihren Potentialen, ihrem Unterworfensein von äusseren Einflüssen, die gerade damals nicht einfach waren. Gar als elegant kann man diese "gescheiterten Verläufe" nun wirklich nicht bezeichnen. Dass eine Laura unter den geschilderten Umständen gehandelt hat, wie sie es getan hat ist mehr als nachzuvollziehen und sogar unter der italienischen wikipedia-webside nachzulesen ist. Ebenso, wie etwa das Attentat des Medizinstudenten David Frankfurter am schweizer NSDAP-Führer Wilhelm Gustloff vom 4. Februar 1936. (190) Vermutlich liest man Romane noch mal ganz anders, wenn man eben weiss, dass diese Menschen wirklich gelebt haben, Capus hat zumindest mich neugierig gemacht das Eine oder Andere nachzulesen, und klar merkt man, hier ein Schriftsteller gründliche Arbeit geleistet, die sich sehen lassen kann und wirklich gut geschrieben ist, auch wenn ich mich nicht wirklich für antike Kultur oder Physik interessiere. Jedoch die Lebensschilderung von Laura hat zumindest mich zutiefst angerührt, ich halte diesen Teil mit Abstand für den Besten. Wenn auch nicht immer leicht und flüssig zu lesen, so hat Capus doch es geschafft, ein Stück Geschichte literarisch gekonnt zu vermitteln, und das finde ich dann doch schon klasse gemacht. Da mir auch der Schreibstil gefallen hat, zum Schluss ein Zitat, das mich doch sehr nachhaltig bewegt hat:

"So harmlos in Paris die alten Männer waren, so gefährlich waren die Jungen - die Zehntausenden von heimatlosen, mutterlosen und von jedem Trost entblößten Burschen, die nach dem Krieg aus den Schützengräben Europas gekrochen waren, um sich von ihren Phantasmen durch die Stadt treiben zu lassen. Viele hatten auch nach zehn Jahren noch schreckgeweitete Augen, viele stotterten und zitterten noch immer und konnten nachts nicht schlafen, und alle waren sie hungrig und durstig und gierig und kannten kein Morgen und keine Schonung weder für sich selbst noch für sonst irgendwen." 82
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am 12. August 2013
Es beginnt in der Schweiz der 1920er Jahre und setzt sich fort in den USA, Frankreich und Griechenland: Drei ganz unterschiedliche Menschen geraten in die Mühlen der Zeit. Felix Bloch, Pazifist; Emile Gilliéron, Bohémien; Laura d`Oriano, Nonkonformistin. Was haben sie gemeinsam? Was hat den Autor bewogen, gerade diese Menschen auszuwählen? Werden sie sich begegnen?

Felix Bloch beteiligt sich am Bau der tödlichsten Kriegsmaschine, die die Menschheit jemals konstruiert hat. Er klinkt sich aus, als die Bombe nicht mehr notwendig zu sein scheint, was ihn die Freundschaft seines Forschungskollegen Oppenheimer kostet. Seinen Nobelpreis bekommt er für eine Entdeckung, die künftig viele Leben retten wird. Die Atombombe aber bleibt eine Bedrohung bis heute.

Emile Gilliéron, später auch sein gleichnamiger Sohn (der ihm so ähnlich ist, dass der Übergang fließend erscheint), reüssiert im Dunstkreis Schliemanns und später Evans durch sein Zeichentalent, eigentlich aber durch konstanten Opportunismus; schließlich rutscht er in eine bürgerliche Existenz in Sichtweite der Akropolis. Zu Lebzeiten erst erfolgreich, dann verachtet, haftet den Gilliérons zeitlebens der Ruch geschickter Fälscher an. Heute kann man ihre "Werke" unter anderem im Metropolitan Museum New York bewundern - nicht die schlechteste Adresse.

Laura d`Oriano will sich um keinen Preis von Konventionen beugen lassen, keine "Marionette sein", was ihr gelingt, bis ihre Fäden von der Militärischen Abwehr gezogen werden. Als sie auffliegt, macht sich die Regierung, für die sie in den Tod geht, nicht die Mühe eines Rettungsversuch: Sie ist die tragischste Figur des Trios und die einzige Frau, die jemals in Italien hingerichtet wurde.

Was sich spätestens auf der Hälfte des Romans förmlich aufdrängt, sind die Gemeinsamkeiten der Gilliérons und dem Autor dieses (wie jedes anderen) historischen Romans: Beiden standen nur Bruchstücke als Grundlage für ihre Arbeit zur Verfügung. Die Gilliérons, die nach Meinung der modernen Wissenschaft zu kreativ mit den archäologischen Funden umgegangen sind, entschieden sich unter hundert Varianten für eine einzige der vielen Möglichkeiten, die Lücken zu füllen. An der Figur Robert Oppenheimer entwickelt Capus das Thema weiter. Oppenheimers Erfolg wurde durch dessen Unfähigkeit verhindert, sich für eine Idee, eine Theorie zu entscheiden und sie zu verfolgen; stattdessen verlor er sich in Parallelwahrheiten. Denkt man diesen Ansatz zu Ende, ist Interpretation nötig, um zur "Wahrheit" zu finden; für die Literatur gilt das mit Sicherheit. Warum also entscheidet Capus sich für Oppenheimers Weg - für das, was er selbst so ironisch "Faktenhuberei" nennt?

Er schreibt entlang der verbrieften Lebensläufe, und immer dann, wenn er festes Land verlässt, weist er darauf hin, so dass die Fiktion gebrochen wird. Er zählt Vermutungen auf, wo er auch fabulieren könnte. Zu dieser Sachlichkeit trägt auch der komprimierte Stil bei: Die Figuren werden oft mittels Behauptungen charakterisiert, es gibt kaum Dialoge. Er liefert Dokufiktion in heiterem Berichtston, auf hohem Sprachniveau - das ist unterhaltsam und wirkt unbestreitbar bildend, hält aber emotionale Distanz und facht eher die intellektuelle Neugier an. Ich habe unter der Lektüre ausgiebig nach den Protagonisten gegoogelt, mir Fotos angesehen, einen Dokumentarfilm über Laura gefunden ... dieses Buch also durchaus mit Gewinn gelesen, aber am Ende war ich irritiert: Drei Lebenslinien, die sich nie kreuzten - und denen der Autor auch keine Begegnung erfindet. Sie sind auch keine Helden wider Willen, wie der Klappentext (wie so oft irreführend) behauptet. Einzige Gemeinsamkeit bleibt ihr persönliches Scheitern: Keinem der drei gelingt es, sich treu zu bleiben, aber auch das geschieht auf so unterschiedlichen Ebenen, dass Vergleiche sich verbieten. Auch der Autor - Stichwort Faktenhuberei - wurde sich untreu. Das aber dürften diese Vier mit der halben Menschheit gemeinsam haben.

Zugegeben - ohne diesen Roman hätte ich nie von Felix, Emile und vor allem Laura erfahren; ich empfinde das als Bereicherung. Aber trotzdem fühle ich mich als Leserin genarrt: Was will dieser Roman? Das hat sich mir nicht erschlossen.
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TOP 1000 REZENSENTam 11. August 2013
Drei Menschen, drei Leben, drei Schicksale. Allen Dreien ist gemein, dass über ihr Leben nur recht dürftige Informationen vorliegen. Geblieben sind das Wissen um ihre Existenz und bei zweien ihre Werke. Doch was ihr Leben ausmachte, liegt im Dunklen. Es handelt sich um drei Personen, die heute weitestgehend vergessen sind: Felix Bloch, Physiker; Laura d’Oriano, Sängerin und Spionin; Emile Gilliéron sen. und jun., Maler und Zeichner. Eigentlich also vier Personen, doch die Gilliérons verschmelzen nicht nur aufgrund ihrer Namensgleichheit immer mehr zu einer Person während der Lektüre.
Hier nun beginnt das Reich des Schriftstellers. Capus hangelt sich an den wenigen bekannten Fakten entlang und füllt die Lücken mit seiner eigenen Phantasie. Da sie alle zur selben Zeit lebten, lässt er zudem stets die Möglichkeit im Raum stehen, dass sie sich irgendwann unter welchen Umständen auch immer einmal begegnet sind. Doch was verbindet diese Menschen ansonst? Zwei stammten aus der Schweiz, die dritte wurde durch Heirat Schweizer Staatsbürgerin. Und die Schweiz wurde ihnen allen zu eng. Zwar wussten sie alle nicht, was genau sie vom Leben wollten, dafür umso besser was es nicht sein sollte. Der Eine wollte blaue Jacken tragen, obwohl im Dorf nur schwarze geduldet wurden. Die Andere sollte ihre Unterwäsche nicht sichtbar für die Nachbarn aufhängen. Und der Letzte fühlte sich mit seiner Leidenschaft für Atomphysik alleingelassen. So verließen sie ihre Heimat und/oder Familien und lebten ihre Leben auf ihre eigene Art.
Dies mag sich nun nicht sonderlich spannend anhören, doch die Geschichten üben eine merkwürdigen Sog aus, der mich das Buch nur schwer aus der Hand legen ließ. Zum Einen liest es sich aufgrund der schönen Sprache Capus' wundervoll (einer meiner Lieblingssätze: 'Zwar fühlte er sich noch immer wie ein Eisbär, der auf einer kleinen Eisscholle der Kenntnis über einen Ozean des Unwissens trieb;'), zum Anderen bindet der Autor das damalige Zeitgeschehen wie selbstverständlich in die drei Biographien mit ein. So bleibt es nicht bei reiner Unterhaltung, sondern man erfährt auch viel Wissenswertes aus dieser Zeit.
Einfach schön!
Einen Stern Abzug gibt es dennoch: Zum Einen für zwei inhaltliche Fehler, die so einfach nicht passieren dürfen. Auf Seite 73 heirate Emile eine italienische Kaufmannstochter, auf Seite 137 ist daraus eine gebürtige Athenerin geworden. Und auf Seite 223 träumt Emile jun. davon, nach Hause an den Genfer See zurückzukehren - obwohl dies der Traum des Vaters war.
Das Andere ist die (mal wieder) nicht zutreffende Aussage des Klappentextes. Bis auf Laura (und auch das nur bedingt) handelt es sich nicht um die Darstellung dreier Helden, sondern schlicht um drei Menschen, die einen außergewöhnlichen Lebensweg hinter sich haben. Und wie diese Wege miteinander verbunden bleiben sollen, bleibt auch nach der Lektüre des Buches weitestgehend offen. Schade, lieber Hanser-Verlag, aber das können Sie doch auch besser.
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am 2. Juni 2016
Ganz ehrlich: Ich bin bei dem Hörbuch nur am Ball geblieben, weil Noethen so toll liest. Die Geschichte - eigentlich muss man sagen: die drei Einzelgeschichten, denn sie haben überhaupt nichts miteinander zu tun, abgesehen davon, dass sie ungefähr zur selben Zeit spielen - ist nämlich wenig fesselnd. Erzählt wird quasi die Lebensgeschichte der drei Protagonisten, und diese sind zwar nicht sonderlich, aber durchaus interessant (Fälscher von Funden griechischer Ausgrabungsstätten; Mitwirker bei der ersten Atombombe; Spionin im zweiten Weltkrieg), dafür aber ganz und gar unspannend.
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TOP 500 REZENSENTam 3. August 2013
...aber solche der ganz besonderen Art porträtiert Alex Capus in seinem neuen Roman mit dem etwas umständlichen Titel "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer" : Alex Capus' neuer Roman ist ein ungewöhnliches Werk - er versucht sich hier quasi in einer Biographie gleich dreier realer Personen, die in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Rolle spielten: allen voran der Atomphysiker, Nobelpreisgewinner und Pazifist Felix Bloch, der gleichwohl an der Entwicklung der Atombombe, eines der größten Schrecken der Menschheit, beteiligt war, die Sängerin Laura d'Oriano, die durch Zufall zu einer ausgesprochen effizienten Spionin der Alliierten im 2. Weltkrieg wurde und ein tragisches Schicksal nahm sowie der Maler Emile Gilliéron, der bei den archäologischen Entdeckungen in Troja und vor allem in Knossos auf Kreta eine Rolle spielte.

Biographien von Personen, aus denen Zufallsbekanntschaften hätten entstehen können und zwar im November 1924 in Zürich, wo sie theoretisch zur gleichen Zeit hätten den Hauptbahnhof passieren können - Felix und vor allem Laura damals noch ganz am Anfang des Lebens bzw. ihrer Lebensplanung, Emile ein Mann mitten im Leben, der auch schon etliche Lasten zu tragen hat. Aus diesem fiktiven möglichen Treffpunkt entwickelt Capus die weiteren Entwicklungen. Das Mädchen, das gerne allein in offenen Zügen träumt, der junge Mann, dessen Zukunft noch offen vor ihm liegt und der Kunstmaler, der schon auf Erlebtes zurückblickt, der mit Schliemann in Troja war. Die Geschichten spinnen sich weiter, nehmen ihren Lauf, Realität und Erzählkunst verweben sich zu einer dichten Geschichte. Für mich war Felix Blochs Geschichte das absolute Highlight und gab mir gleich Anlass, über die bahnbrechenden und leider sehr folgenreichen Entwicklungen der Atomphysik der 1940er Jahre zu rechererchieren. Der Part über Emile Gilliéron hingegen passte aus meiner Sicht nicht so ganz hinein und verlor sich im Laufe des Buches ein bisschen.
Hier ist ein Meister am Werk und das merkt man gleich auf den ersten Seiten - meisterhaft die Sprache, die gründliche und phantasievolle Recherche, ja die ganze Komposition seiner Erzählung! Historische Häppchen der Extraklasse werden hier serviert, die sich zu einer Geschichte verdichten - man möchte zu gern erfahren, wie es weitergeht!
Mir manchmal ein wenig zu dicht, zu konzentriert, ich liebe es, wenn ich beim Lesen zwischendurch etwas abschalten, entspannen, nachsinnen kann - das war hier nicht möglich, da hätte man den Faden verloren.Ein historischer Roman vom Feinsten, aber wirklich vom Allerfeinsten: das versprach Alex Capus' neuer Roman "Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer" zu werden, aus meiner Sicht sind es eher fiktive Biographien, die hier transportiert werden - sehr, sehr spannend und vielschichtig - vom Autor haben sie sicher jahrelange Recherchen abverlangt, vom Leser wird allerhöchste Konzentration verlangt - sonst versäumt man rasch Wesentliches. Capus' wunderbare Sprache, die ich bereits in früheren Werken, allen voran "Leon und Louise" genossen habe, macht auch dieses Buch zu einem Lesegenuss.

Wer allerdings denkt, dass hier nahtlos an den stimmungsvollen Roman "Leon und Louise" angeknüpft wird, der hat sich ganz schön getäuscht - Capus zeigt, dass er auch ganz anders kann, dies ist ein anderes Genre, die beiden Bücher vom Aufbau her nicht zu vergleichen. Ich finde es toll - man bekommt einen Vorgeschmack von der Bandbreite des Autors und ich bin sicher, der großartige Fante-Übersetzer hat als Autor noch einiges in petto! Ich empfehle dieses Buch allen, die Geschichte und Biographien mögen, die offen sind für Neues, vor allem für die große literarische Begabung und das breite Spektrum des Autors! Ich jedenfalls bin sehr gespannt darauf, was er noch so aushecken wird!
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am 30. Juli 2013
Alex Capus kann schreiben, ohne Frage - schon das allein lässt ihn aus der Masse der Autoren herausragen. Dennoch war ich von dem neuen Buch nicht so begeistert. Mit dem Vorgänger "Leon und Louise" hat Capus eine unglaublich gute Geschichte auf sprachlich hohem Niveau abgeliefert - in meinen Augen ist ihm das mit seinen jüngsten Werk aber nicht gleichermaßen gelungen. Er erzählt die drei Lebensgeschichten seiner Hauptpersonen stringent - was diese Drei allerdings verbindet, hat sich mir nicht erschlossen. Zwei Männer und eine Frau leben zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten, in sehr unterschiedlichen Verhältnissen. Sie lernen einander nicht kennen, tauschen sich niemals aus, begegnen sich nur kurz ohne miteinander vertraut zu werden - und wozu das Ganze? Womöglich habe ich den tieferen Sinn hinter der vordergründigen Story einfach verpasst. Das mag an mir liegen, doch wahrscheinlicher scheint es mir, dass der Autor hier eine Absicht verfolgte, die sich dem durchschnittlichen Leser nur schwer bis gar nicht erschließt - und das ist sehr schade. Die Wahl der Hauptpersonen wirkte auf mich jedenfalls beliebig, die Brüche in der Geschichte -also der Wechsel zwischen den erzählenden Personen - war mir sehr bewusst, sie störte den Lesefluss. Ein rundes Lesevergnügen kam so nicht zustande. Wer absoluter Fan dieses Autors ist, wird auch dieses Buch mögen, denn vom Stil her bleibt Capus sich treu, auch seine Recherche zur Zeit und Ort der Handlungen waren sicher korrekt. Für Leser, die Capus noch nicht kennen, lohnt sich die Anschaffung von "Leon und Louise" meiner Meinung nach deutlich mehr.
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am 26. Juli 2013
In seinem Buch berichtet Alex Capus vom Leben dreier sehr unterschiedlicher Menschen in den Vorkriegs- und Kriegsjahren. Das Einzige, was diese Menschen (vielleicht) verbindet, ist eine mögliche Begegnung am Züricher Bahnhof im November 1924. Und die Tatsache, dass ihre Leben wohl anders verlaufen sind, als sie es sich damals im November 1924 erträumt haben mögen.
Zu Beginn des Buches werden ausführlich die drei Personen, deren Leben Gegenstand des Buches ist, vorgestellt. Da ist zum einen die damals 13jährige Laura d'Oriano, die mit ihren Eltern im Orient Express unterwegs war. Sie träumte davon Sängerin zu werden, aber eine bessere als ihre Mutter. Eine, die nicht ihre körperlichen Reize einsetzen muss, um Erfolg zu haben. Die zweite (und für mich interessanteste) Hauptfigur ist der damals 19jährige Felix Bloch, der am Züricher Bahnhof darüber grübelt, was er studieren soll. Sein Vater rät zu Maschinenbau, aber viel lieber würde er etwas ganz und gar Nutzloses" studieren. Auch, um nicht Teil dieser kriegerischen Maschinerie zu werden, die über Europa rollt und von der die Zeitungen berichten. Der dritte Protagonist schließlich ist der Maler Emile Gilliereon, der auf den Weg an den Genfer See, der Heimat seines Vater ist, um dort dessen Asche zu bestatten. Er ist, wie sein (gleichnamiger) Vater Zeichner und beide waren für berühmte Archäologen der damaligen Zeit tätig, der Vater für Heinrich Schliemann und der Sohn für Arthur Evans, der die Ausgrabungen in Knossos geleitet hat.

Im Laufe des Buches beschreibt der Autor bzw. der Erzähler jeweils wechselnd den Verlauf des Lebens dieser drei oder eigentlich vier Menschen (da auch ausführlich der Vater von Emile Gillieron dargstellt wird). Er erzählt von Felix, der zunächst dem Wunsch des Vaters folgt und Maschinenbau studiert, aber sich schließlich mit großer Begeisterung der Atomphysik zuwendet. Er berichtet von Laura, die ihre Gesangskarriere nach einem kurzen Paris-Aufenthalt zunächst abbricht und erst später wieder zum Broterwerb aufnimmt. Und er folgt den Spuren von Emile, der scheinbar wie selbstverständlich dem Vorbild seines Vaters folgt und eine Karriere als Zeichner für archäologische Funde beginnt, aber es bei seinen Zeichnungen mit der Wirklichkeit nicht so genau nimmt. Ich möchte nicht alle Details und Überraschungen der Lebenswege vorwegnehmen, aber wie bereits der Buchtitel verrät, gibt es im Leben aller drei Menschen schicksalshafte Brüche. Laura wird, nachdem sie wegen einer scheinbaren Trivialität ihre Familie (den Mann und zwei Töchter) in der Schweiz zurücklässt, scheinbar zufällig zur Spionin. Und Felix, der wegen seiner jüdischen Wurzeln in die USA übersiedelt, arbeitet schließlich am Bau der Atombombe in Los Alamos mit. Und Emile? Er wird im Buch als größter Kunstfälscher" aller Zeiten beschrieben, aber ist für mich die Figur, die am ehesten dem vorbestimmten Lebensweg folgt.

Damit komme ich auch zum einzigen Kritikpunkt an dem insgesamt fabelhaften Buch: für mich passt" der Maler nicht so recht zu den anderen beiden Personen. Während ich bei Laura und Felix - trotz aller Unterschiede - gewisse Parallelen sehen kann (beide verändern mehrfach ihr Lebensumfeld und für beide hat der Ausbruch des zweiten Weltkrieges entscheidenden Einfluss auf den Verlauf ihres Lebens), läuft Emile für mich eher nebenher". Das mag aber auch daran liegen, dass mein Interesse für Physik deutlich größer ist, als das für Archäologie.

In jedem Fall bin ich Alex Capus sehr dankbar dafür, dass er mich mit seinem relativ kurzen (ca. 280 Seiten) Buch mitgenommen hat, in das Leben dieser drei Menschen. Und dass er sehr detailreich die damalige Zeit und verschiedene geschichtliche Ereignisse beschreibt. Dadurch wird das Buch für mich auch zu einer Art lebendigen Geschichtsbuch". Mehr als einmal möchte ich nachlesen, was genau die Hintergründe bestimmter Ereignisse, die im Buch angedeutet werden, waren. Die Sprache des Buches ist sehr angenehm zu lesen, ein Erzählton, der den Leser eben mitnimmt in die damalige Zeit. Was mir allerdings aufgefallen ist: das Buch konzentriert sich auf die Beschreibung der äußeren Lebensereignisse, Gedanken und Gefühle der Protagonisten spielen eine relativ geringe Rolle. Und auch die Beziehungen zu anderen Menschen werden nur am Rande erwähnt, so dass ich manchmal den Eindruck habe, die Personen wären relativ beziehungslos". Aber dadurch kommt für mich auch ein Hauptgedanke, dass das Leben entscheidend von äußeren Geschehnissen und Zufällen beeinflusst wird, umso deutlicher zum Ausdruck.

Nach der Lektüre bin ich mir recht sicher, dass ich auch noch andere Bücher von Capus lesen möchte und noch mehr über die für mich spannendste Person, den Physiker Felix Block, erfahren möchte.
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am 8. Februar 2016
Drei Viertel des Buches habe ich geschafft, immer in der Erwartung, dass Herr Capus mir etwas Relevantes zu erzählen hat. Aber da kommt nichts. Drei Personen, deren Wege sich ein einziges Mal kreuzen, ohne dass sie davon wissen. Danach plaudert der Autor in einem sehr weitschweifigen, kein noch so redundantes Merkmal auslassenden Stil mal von der einen, mal von der anderen Person. Das Erzählen ist hier reiner Selbstzweck, es hat kein Ziel, keine Dramaturgie, keine Aussage, es plätschert völlig belanglos vor sich hin. In langen, geschwurbelten Sätzen werden alle möglichen Details haarklein erläutert, um hernach sofort vergessen zu werden und zum nächsten Erzählfädchen zu hüpfen. Der Autor hätte ehrlicherweise die mäßig interessanten Geschichten der drei Personen auch am Stück erzählen und nacheinander in einem Buch zusammenfassen können. Dann allerdings hätte man schon nach der Geschichte des Fälschers gemerkt, dass ihm nichts Interessantes zu seinen Figuren einfällt. Der erste und der letzte Capus, den ich mir gekauft habe.
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am 26. Februar 2014
geschrieben und ohne roten Faden stehen drei Geschichten zusammenhanglos nebeneinander. Immer wenn ich mich in eine Geschichte mühsam einigermaßen eingelesen habe, ging der Autor wieder zu einer anderen Person über. Dabei wäre die interessante Lebensgeschichte von Felix Bloch alleine es sicherlich wert, einen Roman darüber zu schreiben. Auch die anderen beiden, der Fälscher und die Spionin, hatten ein Leben, über das es viel zu erzählen gab. Wie viele andere Rezensenten sehe ich keinerlei Zusammenhang zwischen den drei Protagonisten. Dies ist ein Buch, über das ich mich immer wieder geärgert habe, denn sobald eine Geschichte interessant wurde und man wissen wollte, wie es weiter geht, brach der Autor diesen Erzählstrang ab. Ohne Übergang wurde über eine andere Person erzählt. Ich habe das Buch nur zu Ende gelesen, weil ich endlich erfahren wollte, was die drei zusammenführt. Das habe ich leider nie erfahren.
Capus verliert sich in den drei Geschichten immer wieder in vielen Details, die zwar schön geschrieben sind - stilistisch flüssig - aber den Fluss der Geschichte nicht voran bringen. Schade, der Stoff hätte für drei gute Bücher gereicht!
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TOP 100 REZENSENTam 10. August 2013
'[...] weil jede vernünftige Reise in möglichst gerader Linie vom Ausgangspunkt zum Ziel führt und zwei Geraden sich nach den Gesetzen der Geometrie nicht zweimal kreuzen.'

Inhalt:
Die 13-jährige Laura d'Oriano sitzt im Orient-Express auf der Strecke Konstantinopel - Paris. Ihre Familie hat das Nomadenleben aufgegeben und möchte nun sesshaft werden. Laura hat einen Traum, den sie unbedingt verwirklichen möchte: sie will Sängerin werden.

Ein junger Mann sitzt am Züricher Bahnhof, er weiß nicht, was die Zukunft bringt, hat seinen Weg noch nicht gefunden. Im späteren Leben wird Felix Bloch Atomphysik bei Heisenberg studieren und Oppenheimer beim Bau der Atombombe helfen.

Ein Schnellzug nach Genf: der Kunstmaler Emile Gilliéron trägt die Asche seines kürzlich verstorbenen Vaters an den Genfersee, die alte Heimat der Familie. Emile wird später als einer der größten Fälscher in die Geschichte eingehen.

Die Wege der drei Personen kreuzen sich im Züricher Bahnhof im November des Jahres 1924, ohne dass sie die Existenz des anderen erahnen bzw. miteinander in Kontakt treten. Werden sich ihre Wege wieder kreuzen?

Mein Eindruck:
'Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer' ist nach 'Eine Frage der Zeit' mein zweites Buch von Alex Capus.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen, denn er verbindet viele Themen, die mich interessieren: Orient-Express, Nationalsozialismus, Südfrankreich, Physik, Wissenschaft. Zudem ist das Buch sprachlich anspruchsvoll, aber dennoch flüssig lesbar und durchweg spannend.

Sehr gelungen fand ich die Beschreibung der Handlungsorte und der drei Hauptprotagonisten. Egal, ob sich die Figuren in Marseille, in Leipzig oder in den USA befanden, stets sind die Beschreibungen atmosphärisch und lebendig, und stets hat man das Gefühl, dass alles in diesem Roman stimmig ist, dass die Charaktere sehr gut ausgearbeitet wurden und in sich konsistent sind.

Neben der spannenden Beschreibung des Lebens von Emile, Laura und Felix hat mir außerdem gefallen, dass ich durch diesen Roman viel gelernt habe, dass er nicht nur hervorragend unterhält, sondern auch Wissen vermittelt (zugegebenermaßen sehr auf Physik und Kunst / Archäologie fokussiertes Wissen, was sicherlich den ein oder anderen Leser nicht interessieren wird, für mich aber perfekt gepasst hat).

Mein Resümee:
Sehr spannender Roman über drei bemerkenswerte Personen. Sehr empfehlenswert!
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