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Der Existentialismus ist ein Humanismus: Und andere philosophische Essays 1943-1948
 
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Der Existentialismus ist ein Humanismus: Und andere philosophische Essays 1943-1948 [Taschenbuch]

Jean-Paul Sartre , Werner Bökenkamp , Hans Georg Brenner , Margot Fleischer , Traugott König , Günther Scheel , Hans Schöneberg , Vincent von Wroblewsky
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 336 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 5 (3. Januar 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499227134
  • ISBN-13: 978-3499227134
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 11,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Im Treibsand der Wörter

Georges Batailles «Innere Erfahrung»

Von Uwe Justus Wenzel

Für Sartre war er ein Fall und der Fall einigermassen klar: Georges Bataille gehört auf die Couch, dessen Anfang 1943 erschienenes Buch «L'Expérience Intérieure» in die Asservatenkammer der Kriminalgeschichte des verendenden Christentums, Abteilung «Wahndelikte».

Sartres ausführliche Rezension, Ende desselben Jahres in drei Tranchen publiziert, ist boshaft geraten. Ein unergründliches Schicksal will es, dass die Wiederveröffentlichung ihrer deutschen Übersetzung mit der ersten deutschsprachigen Edition der «Inneren Erfahrung» zusammenfällt. Die Übertragung des Buches von Bataille hält sich an die erweiterte Neuausgabe von 1954 – hinzu kamen damals eine «Méthode de méditation» und ein Postscriptum –, sie zieht aber den Erstdruck zu Zwecken der «Textverbesserung» heran. Als Annex findet sich ein kurzer Essay aus der Feder Maurice Blanchots. Er umspielt die Motive Batailles, die ihrerseits bereits nicht ohne osmotische Beziehungen zu Blanchots Gedankenwelt entstanden sind . . .

Was hatte Bataille verbrochen? Er hatte es gewagt, ins Heiligste des Existentialismus einzudringen und «den Menschen» zu ruinieren. Schon Sartre freilich hatte, angeregt durch Heidegger, nicht viel übriggelassen von der humanen Substanz: Menschen sind, was sie aus sich machen, nichts sonst; sie sind «Entwurf» – verdammt dazu, wie die in den Common-sense-Sprachschatz eingewanderte Wendung dekretiert, frei zu sein und von ihrer Freiheit Gebrauch zu machen. Das bestreitet auch Bataille – so – nicht. Was er aber bestreitet, ist, dass jegliches Bestreiten des Unbestreitbaren vergeblich sei, dass dem Aktivismus des Entwerfens (und Unterwerfens) gar nicht zu entkommen sei.

«Innere Erfahrung» nennt er, was das Andere des Entwerfens, des «Projekts», wäre. Er nennt es aber, später, auch «souveränes Vorgehen» («opération souveraine»), «Extrem des Möglichen» und «Meditation». Und er bekundet seinen Überdruss, überhaupt irgendein Wort benutzen zu müssen. Denn die Wörter, die Sprache, der Diskurs – sie eigentlich sind es, auf die er es abgesehen hat. Sie sind das «Handeln», dessen Gegenteil jene Erfahrung sein soll, jenes Erleiden; und die Philosophie, als diskursives Projekt, auch sie gilt ihm als Handlangerin des Handelns, das die Menschen vergessen mache, dass sie inmitten einer ebenso tödlichen wie langweiligen Leere existieren.

Diese Leere, das «Unbekannte» und Heillose, will Bataille erfahren. Er will die Leere schreibend erfahren. Will er sie – erschreiben? Darüber versucht Sartre sich lustig zu machen. Dass ihm dies nicht leichtfällt, liegt daran, dass auch Bataille in den Wassern Hegels gebadet hat. Das Paradoxale seines Unterfangens ist ihm bewusst; schmerzlich, wie man sagen könnte und dabei nicht ignorieren sollte, dass Batailles Mutwille bereit ist, Schmerz auch komisch zu finden. (In – nietzscheanisches – Gelächter löst sich ihm die Grenze zwischen Sinn und Nicht-Sinn auf.)

Das Wort «Schweigen», schreibt er, sei noch ein «Geräusch», eine Ausflucht. Den «souveränen Augenblick», den Moment der Überschreitung zwingt es nicht herbei. – Die Erkenntnis aber, die dies erkennt, ist sie nicht schon ein wenig weiter? – Gleichwohl, heisst es in der «Methode der Meditation», dürfe sich auch diese Erkenntnis nicht mit dem Augenblick der Erfahrung selber verwechseln. (Einem Augenblick übrigens, der von «relativer Banalität» sein könne: «ein bisschen» Leidenschaft und Hingabe genüge.) – Andererseits, so ein Hinweis einen Absatz weiter unten, fügten sich die erlebten «souveränen» Augenblicke in die ganz gewöhnliche Ordnung der Dinge sofort wieder ein, wäre da nicht ein Denken, das die «Koinzidenz» von erlebtem Augenblick und Denkakt suchte . . .

So fällt sich der Autor immer wieder selbst ins Wort. So geht es in den Textfragmenten des Buches hin und her; auf Bekenntnisse und Erinnerungen folgen Reflexionen und programmatische Welterklärungen, auf diese jene. Es geht auf und ab im Treibsand der Wörter, in den ein sich selbst dementierendes Schreiben geraten muss und dieses, ebenso stolz wie redlich, geraten will. Des Buches Prinzip lautet: «durch ein Projekt den Bereich des Projekts verlassen». Die Methode, die es thematisiert und der es folgt, ist eine dramatisierende. Sie sucht die Nähe zu den Exerzitien der Heiligen, auch wenn sie sich (und dies nicht erst in den Erinnerungsspuren erotischer oder obszöner Erlebnisse) gegen die Askese richtet. Der – idiosynkratische und durchaus eitle – Gegenstand des Buches ist nach Auskunft seines Autors das «eingestandene Leiden» eines Entgifteten, eines vom Narkotikum des Projektemachens und von der Fron des Nützlichseins Befreiten. Des Buches ganzer Sinn sei es, die Kunst zu lehren, Angst in Freude, in Wonne («délice») zu verwandeln.

Also ist das Buch doch, wie Sartre meint (und Bataille in den 1954 hinzugefügten Texten bestreitet), das Zeugnis eines neuen Mystikers? Nur dann, so liesse sich mit Blanchot antworten, wenn man sich die mystischen Ekstasen von allen religiösen Vorannahmen entblösst denkt. – Kann man das? Wenn man einen «ironischen Rausch» haben kann: ja. Von ihm ist an einer Stelle die Rede. Er wohl wäre die ekstatische Resultante aller widersprüchlichen Regungen und Strebungen – die «atheologische Summe» eines diesseitigen Exzesses, der nicht einmal jenseits des Buches stattfinden müsste.

Kurzbeschreibung

Kaum ein Text Sartres trug so sehr zur Verbreitung seines Denkens bei wie "Der Existentialismus ist ein Humanismus", doch kaum einer war zugleich so vielen Mißverständnissen ausgesetzt. Er gehört zu den wenigen, von denen sich Sartre später distanzierte. Weiterhin enthalten: "Materialismus" und Revolution", der Sartres Gegensatz zum zeitgenössischen dogmatischen Marxismus bezeugt. Eine adäquate Zusammenfassung seines damaligen Denkens, wie es in «Das Sein und das Nichts» seinen systematischen Ausdruck gefunden hat, bietet Sartres Vortrag «Selbstbewußtsein und Selbsterkenntnis».

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Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Der Sammelband "Der Existentialismus ist ein Humanismus" enthält wichtige Aufsätze, Zeitungsartikel, Vorträge und Aufzeichnungen von Diskussionsrunden von oder unter der Beteiligung von Jean-Paul Sartre aus den Jahren zwischen 1943 und 1948. Die Beiträge geben nicht nur einen Einblick in das Denken des großen Philosophen sondern beleuchten vor allem die Kontroversen und Diskussionen, die sich um Sartre und den Existentialismus entzündet haben. Eine zentrale Position nimmt dabei der titelgebende Vortrag "Der Existentialismus ist ein Humanismus" ein, den Sartre im Oktober 1945 gehalten hat und der wie kaum ein andrer seiner Texte zur Verbreitung der Philosophie des Existentialismus beigetragen hat.

Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass dieser Vortrag sehr zugänglich die Grundprämissen des Existentialismus umschreibt und daher für weite Teile der interessierten Öffentlichkeit ansprechender war als zum Beispiel Sartres zwei Jahre zuvor erschienenes philosophisches Hauptwerk Das Sein und das Nichts. So erläutert Sartre hier genau, was mit dem existentialistischen Credo "Existenz kommt vor Essenz" gemeint sein soll: "Es bedeutet, daß der Mensch erst existiert, auf sich trifft, in die Welt eintritt, und sich erst dann definiert" (149). Ebenso geht er auf den mit Abstand berühmtesten Satz aus Das Sein und das Nichts "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt" ein: "Verurteilt, weil er sich nicht selbst erschaffen hat und dennoch frei, weil er einmal in die Welt geworfen für all das verantwortlich ist, was er tut" (155). Abschließend erläutert Sartre, aus welchem Grund er den Existentialismus als Humanismus bezeichnet: "Humanismus, weil wir den Menschen daran erinnern, daß es keinen anderen Gesetzgeber als ihn selbst gibt und daß er in der Verlassenheit über sich selbst entscheidet" (176).

Sartre selbst distanzierte sich später von diesem Vortrag, da er ihm im Nachhinein zu vereinfacht darstellend erschien. Fast noch wichtiger als der Inhalt ist bei den hier zusammengestellten Texten der geschichtliche Kontext, der viel über die Verbreitung sowie die heftigen Kontroversen im Zusammenhang mit dem Existentialismus offenbaren.
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15 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Darum dreht sich ein Teil des Inhalts dieses Buches. Es will Vorurteile gegenüber dem Existenzialismus beseitigen und dem Leser die wahren Ziele dieser interessanten Form der Philosophie näherbringen. Das ist Sartre überraschend gut gelungen und das Buch ist dabei nicht allzu trocken. Was mich allerdings davon abgehalten hat, dem Buch fünf Sterne zu geben, war: Sartre schreibt oft sehr lange und komplizierte Sätze, die den Lesespaß etwas trüben.
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