Hannich hat seine Warnung vor dem Niedergang des Euro 2001 geschrieben. Die Aufgabe der D-Mark war für die Deutschen ein großer Verlust, mit dem laut Hannich die Einheit "erkauft" wurde. Doch die Problematik der "einen Währung" besteht nach wie vor, insofern ist auch die Warnung noch aktuell. Die unterschiedlichen Szenarien jedoch, die die Gefahren bei der Umstellung auf den Euro betreffen, sind inzwischen von der Realität eingeholt und obsolet.
Ich würde mit diesem Buch nicht gerade starten, doch prinzipiell ist Hannich - im Bereich Finanzen mein Lieblingsautor - immer lesenswert. Feste Wechselkurssysteme à la Bretton Woods oder eine Einheits-Währung à la Euro schaffen nur eine scheinbare Stabilität. Sie verhindern nämlich, dass unterschiedliche Wirtschaftsräume - und in Europa bestehen massive Unterschiede - Spannungen durch Import und Export nicht über Wechselkurse ausgleichen können. Schwächeres Wachstum konnte früher durch eine Abwertung der Wechselkurse ausgeglichen werden, heute verkümmern schwächere Standorte (Beispiel Ostdeutschland nach der Abschaffung der Ostmark), wenn nicht das ganze Währungssystem auseinander bricht. Hannich (und auch einige weitere Experten wie Greenspan) bescheinigen dem Euro keine lange Zukunft.
Es folgen gute Tipps zum Crash. Das Buch ist gut, aber zu großen Teilen identisch mit Hannichs "Geldcrash", das ich zuerst lesen würde.
ZITATE
"Zu allen Zeiten und an jedem Ort der Welt, wo ein Zinssystem herrschte, explodierte gleichzeitig die Verschuldung bis zum Zusammenbruch"
(Aristoteles) "Der Wucherer ist mit vollstem Recht verhasst, weil das Geld hier selbst die Quelle des Erwerbs ist und nicht dazu gebraucht wird, wozu es erfunden ward. Denn für den Warentausch entstand es, der Zins aber ist Geld vom Geld, so dass er von allen Erwerbszweigen der naturwidrigste ist"
"Wenn die Schulden schneller steigen als die Produktion, dann ist es nicht weit zur Krise. Seit 1960 sind die Schulden 8 Mal so schnell gestiegen wie die Produktion, Schulden werden über neue Kredite bezahlt."
"Unsere Gesellschaft ist nicht nur zu einem weiteren Verfall, sondern sogar zum Zusammenbruch verurteilt"
"Der heute herrschende Kapitalismus in der Gesellschaft bedeutet ewigen Krieg. Die Kriege sind Lösungsversuche wirtschaftlicher Fragen im kapitalistischen Sinne. Die entscheidende Frage der Friedensbewegung lautet: Wird es gelingen, den heute herrschenden Kapitalismus zu beseitigen?"
"Der Dollarkurs spielt eine entscheidende Rolle, wann das System zu kippen beginnt"