Angesichts der zahlreichen Bücher, die uns alle helfen wollen, unsere Spargroschen durch eine drohende Krise zu retten, drängt sich schon der Verdacht auf, dass einige Autoren die Gunst der Stunde nutzen wollen. Bei diesem Buch merkt man das leider besonders deutlich.
Niemand kann wissen, was wirklich auf uns zukommt. Folglich besitzen alle Ratschläge lediglich spekulativen Charakter. Die meisten Autoren, auch Michael Grandt, werten dabei vor allem historische Währungs- oder Schuldenkrisen aus. Diese Vorgehensweise scheint allein schon deswegen vernünftig, weil die Eliten das bei ihrer Entscheidungsfindung natürlich auch machen werden.
Das Gute an diesem Buch besteht dann auch in der Tat darin, dass Grandt aus solchen Vergleichen immer wieder Warnungen ableitet. So räumt er beispielsweise mit dem Irrtum auf, man könne sich seine Schulden in einer eventuell kommenden Inflation leicht vom Hals schaffen. Oder man könne sich in vermietete Immobilien retten. Beides hat während der Hyperinflation in Deutschland nicht funktioniert und wird es wohl auch in Zukunft nicht tun.
Auf der anderen Seite merkt man dem Text deutlich an, dass sich sein Autor darum bemüht hat, möglichst viel zusammenzuschreiben. Gelegentlich wirkte das Buch auf mich wie die Fleißarbeit eines Musterstudenten, der allerdings nicht in der Lage ist, die richtigen Schwerpunkte zu setzen und stattdessen möglichst alles überdecken möchte.
Grandt gliedert sein Buch in vier Teile. Zunächst diskutiert er die Lage. Insbesondere erläutert er, was man über eine Inflation wissen muss und warum die politischen Eliten eine milde Inflation herbeiwünschen. Dann kommt er auf die Geldschöpfung, die er allerdings nicht besonders gut erklärt, und zum Euro-Problem.
Dass man Bankberatern nicht unbedingt trauen kann, erläutert der Autor danach auf mehreren Seiten. Dann kommt er zu den verschiedenen Wertpapierbörsen, erklärt wie ein Kurs zustande kommt und diskutiert ein vermeintliches Zinsproblem. Doch wozu das alles? Mit den spärlichen Informationen wird man bestimmt nicht zum Börsenhändler. Und was den bösen Zins anbelangt, der angeblich "der Krebs des sozialen Organismus" sei, so sollte man vielleicht einfach einmal darüber nachdenken, dass zuerst eine Schuld kommt und dann der Zins darauf. Oder machen wir die Sonne dafür verantwortlich, wenn wir einen Sonnenbrand bekommen?
Im zweiten Teil diskutiert Grandt dann die sogenannten traditionellen Anlagen. Darunter fallen kapitalbildende Lebensversicherungen, private Rentenversicherungen, die Riester-Rente, Bausparverträge, Aktien, Aktienfonds, Private-Equity- und Hedgefonds, Derivate, Anleihen, Devisen, Tagesgeld und das gute alte Sparbuch. Vor den meisten dieser Anlageformen warnt der Autor wohl zu Recht.
Aber der Text enthält auch hier wieder wichtig klingende und wenig nützliche, aber Seiten füllende Allgemeinplätze, wie "Verkaufen Sie Aktien nie in Panikstimmung!" oder "Beobachte nicht die Börse, sondern Unternehmen." Was soll ein Leser damit letztlich anfangen? Und dass man auf sechs Seiten lernen kann mit Derivaten umzugehen, glaubt wahrscheinlich nicht einmal der größte Optimist. Ganz abgesehen davon, dass man als Laie - und für den ist dieses Buch geschrieben - wohl kaum mit Derivaten sicher durch eine Finanzkrise kommt.
Im dritten Teil kommt Grandt dann zu "alternativen Anlagen". Darunter fallen Immobilien, Edelmetalle, Seltene Erden, Strategische Metalle und verschiedene Rohstoffe, insbesondere Holz. Man kann durchaus geteilter Meinung darüber sein, ob es wirklich praktisch ist, sein Geld in Strategische Metalle oder Seltene Erden zu stecken, um es durch eine Krise zu retten. Immerhin erfährt der Leser wenigstens in Ansätzen, was dabei zu beachten wäre. Sollte man tatsächlich diese Anlageform wählen wollen, dann wird dieser Ratgeber wohl kaum ausreichen.
Der letzte Teil trägt einen ganz anderen Charakter. Hier bemüht sich der Autor darum, seine Leser stark zu reden und mental auf eine kommende Krise vorzubereiten. Immerhin bekommen wir hier mitgeteilt, dass die meisten von uns zu bequem zum Reichwerden sind.
Insgesamt hatte ich einen eher zwiespältigen Eindruck von diesem Buch. Für Menschen, die sich noch nicht intensiv mit der Thematik beschäftigt haben, mag der Text eine erste Übersicht bieten. Immer dann, wenn bestehende Risiken erklärt werden, ist das Buch recht gut. Alle anderen Informationen erschienen mir oftmals sehr dünn und praktisch wenig hilfreich, weil viel zu verkürzt. Dafür werden dann aber andererseits Dinge ausgewalzt, die wenig praktischen Sinn für Laien besitzen.