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Der Eunuch von Konstantinopel
 
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Der Eunuch von Konstantinopel [Taschenbuch]

Zülfü Livaneli , Wolfgang Riemann
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 192 Seiten
  • Verlag: Unionsverlag; Auflage: 1., Aufl. (Juli 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3293202357
  • ISBN-13: 978-3293202351
  • Originaltitel: Engeregin Gözündeki Kamasma
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 11,4 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 370.379 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Zülfü Livaneli
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Das Glitzern im Auge der Natter

Zülfü Livaneli blickt aus dem Harem auf die Historie

Am 14. Juli 1989, zur Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution, trat Zülfü Livaneli als Repräsentant der Türkei in Paris auf. Als Sänger und Komponist sowie als Filmregisseur ist er weit über die Grenzen der Türkei hinaus bekannt; dass er auch schreibt, sogar gut schreibt, hatte er schon 1978 mit seiner Erzählung «Ein Kind im Fegefeuer» bewiesen. Sein erster Roman, der jetzt auf Deutsch vorliegt, trägt den verlockenden Titel «Der Eunuch von Konstantinopel» und weckt mit dem in gedämpften, rötlich-braunen Farbtönen gehaltenen Einband – nach einem Gemälde von Maurice Bompard – die Erwartung, man werde hinter die Gitterstäbe der schwülen Welt des Harems blicken können. Wer Lüsternheit erwartet, kann zwar damit rechnen, dass er – oder sie – auf seine Kosten kommt, und doch wird man aufs heftigste desillusioniert. Erzählt wird die Geschichte von der Einkerkerung eines Sultans in einem mit Fayencen ausgelegten Gemach im Frauentrakt des Topkapi-Serails aus der Sicht eines entmannten abessinischen Sklaven, der dem Leser selbst die Details seiner Kastration nicht erspart.

Auf der Basis zuverlässiger und genau recherchierter Quellen – es handelt sich um Texte des Chronisten Naîmâ und ein zehnbändiges «Reisebuch», das «Seyahatname» von Evliya Tschelebi aus dem 17. Jahrhundert – lässt der Autor seine Figur, den 67 Jahre alten Habesch Aga, berichten, was geschehen ist und nicht nur ihm die Seelenruhe raubt. Vom ersten bis zum abschliessenden 18. Kapitel wird die Perspektive des Eunuchen konsequent beibehalten; mal berichtet er distanziert, fast abgeklärt, dann wieder mitgerissen von den sich überstürzenden Ereignissen, die ausserhalb des Palastes noch gar nicht bekannt sind. Habesch Aga ist seit Jahrzehnten ein Insider, kennt sich aus im Intrigengespinst der Macht – und eben dieses Machtgefüge, dem er sich bisher bedingungslos unterworfen hatte, gerät mit dem Sturz des Padischah aus den Fugen. Man erfährt, dass die Sultansmutter, die ursprünglich aus Venedig stammt, hinter dem Komplott steht, aber dass auch der Wesir eine tragende Rolle spielt.

Das stabile Gefüge von Macht und Gewalt, das Hierarchiesystem, in dem der afrikanische Sklave sich seinen Platz erdient hat, bricht zusammen. Als Vertrauter der Herrschenden und als grosszügig agierender Obereunuch im Harem, als scheinbar entsexualisierter Gebieter über unendlich viele Frauen aus allen Himmelsrichtungen des riesigen Osmanischen Reichs hatte er – bis zu diesem Zeitpunkt – geglaubt, er habe seinen Ort auf der Welt gefunden. Und nun zerfallen seine Werte zu nichts.

Nur vordergründig geht es um Lust und lustvolles Erleben auf der einen – und um kaum vorstellbare Grausamkeit auf der anderen Seite; wenn die erstaunlichsten Begattungsformen oder die raffiniertesten Ermordungsversuche und Enthauptungen beschrieben werden, dominiert stets die Distanz der Ironie. «Wer ausser seiner erhabenen Person war fähig, seinen Verwandten solche Gnade zu erweisen und ihr Leben zu schonen?», kommentiert Habesch Aga beispielsweise die Milde seines Herrn, des Sultans im Kerker, der seine Familienmitglieder blenden liess, statt sie zu erdrosseln. Der Kitzel des Horrors, der über dem Harem und allen anderen Gemächern der Palastanlage am Goldenen Horn von Istanbul liegt, wird durch diese ironische Grundhaltung zwar nicht aufgehoben, aber in Frage gestellt. Im Verlauf der spannungsreichen Lektüre wird sehr bald deutlich, worum es dem Autor eigentlich geht: um die Verbiegung eines Menschen bis hin zur totalen Selbstaufgabe innerhalb eines Machtsystems, dem er sich nicht entziehen kann. Es ist eine Parabel, die den Analogieschluss zulässt, dass hier die Gefahren eines totalitären Systems im Gewand eines historischen Romans aufgezeigt werden. Zülfü Livaneli hat seine philosophische Studie literarisch so geschickt verkleidet, dass die Lektüre ein Vergnügen ist, ein Nervenkitzel, ein erotischer Spass im Sinne Platons.

Dazu trägt auch die ausgezeichnete Übersetzung von Wolfgang Riemann bei, die frei von Stolpersteinen ist. Bedauerlich ist nur, dass «das Glitzern im Auge der Natter», der ursprüngliche Titel, der sich leitmotivisch durch das Buch zieht – als Verführung durch Samt und Seide, Pracht und Prachtentfaltung –, im Deutschen nicht beibehalten wurde und dem lockenden «Eunuchen» Platz machen musste.

Monika Carbe -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2000
Monika Garbe zeigt sich spürbar fasziniert von diesem Buch – auch wenn sie den deutschen Titel unnötig plakativ zu finden scheint. Zwar dürfe der Leser auch "Lüsternheit" erwarten, doch für sie steht viel mehr das System von Macht und Gewalt im Harem im Vordergrund – ein System, das plötzlich und unerwartet deutlich aus den Fugen gerät. Garbe sieht in diesem Buch eine Parabel auf andere totalitäre Systeme, ohne dass dabei jedoch das Lesevergnügen auf der Strecke bleibe. Neben der ausgezeichneten Recherche lobt sie vor allem Livanelis literarisches Geschick, die Spannung der Geschichte, das Gruselige, aber auch die subtile, distanzierte Ironie. Und die Übersetzung von Wolfgang Reimann findet die Rezensentin schlicht "ausgezeichnet".

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch, das aus der Perspektive eines Eununchen erzählt wird, veranschaulicht die Intrigenspiele innerhalb einer osmanischen Dynastie, die selbst skrupellos innerhalb engster Familienkreise ausgespielt werden, in der man nicht scheut um eigene Interessen andere selbst unschuldige Personen zum Tode zu befördern. Wie der Autor selbst erwähnt hat, wird der historische Hintergrund als Dekoration benutzt um zu veranschaulichen wie Liebe und Vertrautheit unter der Macht und eigenen Interessen leiden kann, in der ein hobbscher Zustand herrscht und in der keiner keinen mehr vertraut. Erstaunlich ist jedoch dass in der damaligen Zeit des Osmanischen Reiches Personen wie der Eunuch, die aufgrund ihrer Entmannung von der Öffentlichkeit regelrecht diskriminiert werden, die Möglichkeit haben in der politischen Hierarchie aufzusteigen und zu den einflußreichsten Personen des osmanischen Herrschers zu werden. Genauso Frauen, die in der Regel im Harem des Sultans einst als junge Mädchen zu Lustobjekten degradiert werden, im reifen Alter durch ihre Söhne und Männer wichtige Schlüsselpositionen in der politischen Hierarchie erlangen, was eigentich ganz unnatürlich ist. Mit sehr schönen Metaphern, intelligenten Wortspielen und zahlreichen Rückblenden wird der Leser manchmal zum Lachen wie auch zum Nachdenken verleitet, inwiefern diese Beziehungskonstellationen auch Relevanz zu unserer heutigen Zeit beinhalten. Gewiß existieren in unserer heutigen zivilisierten Welt, Herrschaftsverhätnisse in diesem Rahemn wie sie in diesem Busch geschildert werden nicht mehr, wenn man die arabischen Länder als Ausnahme betrachet. Jedoch muß man feststellen, wenn man den historischen Hintergrund nich berücksichtigt, durchaus ähnliche Herrschaftsbeziehungen insbesondere in der heutigen Industrie in Form von Mobbing wieder auftauchen. Im wesentlichen versucht dieses Buch jedoch den Lesern mitzuteilen, dass die Liebe und das Vertrauen über allem steht und dass die Macht und die Herschaftsgier auf die Dauer keine guten Perspektiven für Menschen bietet.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Was für eine Pracht! 28. Januar 2004
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
Das Buch enthält so viel Reichtum an Farben, Gerüchen, traurigen Schönheiten und anderen Kostbarkeiten für die Sinne und den Geist, dass man genau das, was zusammenfassend über die Ausstrahlung der Macht des Herrschers, der in einem prunkvollen Zug durch Istanbul zieht, gesagt wird, genau so über das Buch selber sagen kann: Es ist „... so überaus prächtig, dass sogar das Auge der Natter geblendet wurde, die mit ihrem Blick nicht nur sterbliche Menschen, sondern alle Lebewesen sprachlos erstarren ließ."
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Beate
Format:Taschenbuch
Von der ersten bis zur letzten Seite war dieses Buch einfach toll geschrieben,von einem Autor,den ich bis jetzt nicht kannte.
Spannend und einfühlsam erzählt er das Leben eines Eunuchs an der Seite von Padischah,dem Herrscher über das osmanische Reich.
Als sein Herrscher in einer Kammer des Palastes eingemauert wird,ist der Eunuch seine einzige Verbindung zur Außenwelt,auch
dies meistert er und wird zum Lehrer für seinen eigenen Herrscher,der mit seiner Situation nicht klar kommt.
Ich war begeistert !!Deshalb höchste Punktzahl! Einfach toll!!
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