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Produktinformation
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Gerster und Nürnberger haben beobachtet, dass viele Eltern in der Erziehung unsicher geworden sind und sie deshalb auf ein Minimum reduzieren. Doch nur erzogene Kinder können sich in der Schule so verhalten, dass ein erfolgreicher Unterricht möglich ist. "Wer eine bessere Bildung will, muss daher zuerst die Erziehung verbessern", fordern die Autoren. Sie sehen Bildung als reinen Selbstzweck. Wie bereits Humboldt forderte, sollen Humanität und "gelungenes Menschsein" Ziele der Bildung sein -- und nicht Nützlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Gerster und Nürnberger akzeptieren daher nicht, dass Schulen und Universitäten lediglich als "Fitmacher" für künftige Jobs missbraucht werden. Denn nur aus Bildung entstehe Kultur. Und nur in einem kultivierten Umfeld können Kinder wichtige Eigenschaften wie Interesse, Neugier, Leistungswille und Engagement entwickeln, betont das Autoren-Paar.
Die profilierten Journalisten Petra Gerster und Christian Nürnberger sind selbst Eltern zweier schulpflichtiger Kinder und beschreiben den Erziehungsnotstand aus eigener Erfahrung. Sie analysieren Situationen in Familie und Schule, die dem Leser nur allzu bekannt vorkommen. Der Erziehungsnotstand ist ein äußerst lesenswerter Beitrag zur aktuellen Diskussion um das Bildungssystem. --Gabriele Hilchenbach -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Auf dem Deckel der Taschenbuchausgabe wird das Buch „Der Erziehungsnotstand" als Streitschrift bezeichnet, was durchaus passend erscheint. Der Schreibstil ist dabei gut verständlich, manchmal angenehm humorvoll. Es ist erfreulich, dass die Autoren moderne Ideen, die zur Verbesserung der „Bildung" führen sollen, in Frage stellen. So ist Bildung eben mehr als „Fachwissen"; nicht allein die Wirtschaft sollte den Lehrplan bestimmen u. ä.
Auf dem Deckel der Buchausgabe heißt es weiterhin, dass die Bedürfnisse von Kindern und Eltern zur Sprache gebracht werden. Dies ist aber zu wenig: es werden nämlich auch die Bedürfnisse von den Lehrern zur Sprache gebracht, die sich engagieren und oft einen Mehr-Fronten-Krieg führen müssen. Die ihnen von vielen Eltern entgegengebrachte überzogene Anspruchshaltung ist im Buch gut dargestellt, die häufig lasche Erziehungshaltung („Nicht-Erziehung") im Elternhaus wird angeprangert. Klischeehaft erscheint die Darstellung der Folgen von Trennung und Scheidung.
Befremdlich allerdings erscheint die Einstellung zu „alten" Lehrern ab 50 Jahren, die nach Meinung der Autoren anscheinend ersetzt werden sollten. Wie sollen diese denn „entsorgt" werden? Nach eigener Erfahrung mit 3 Kindern, von denen 2 ihre (gymnasiale) Schullaufbahn beendet haben (also viele Lehrer kennen gelernt haben), bürgt Jugend nicht unbedingt für Qualität: Es kommt eben immer auf die Persönlichkeit des Lehrers an, auf sein Engagement und sein Interesse an Kindern und Jugendlichen (wobei es bei Lehrern sicher genauso schwarze Schafe gibt wie bei Eltern).
Im Abschnitt über das Erbe von '68 werden Behauptungen aufgestellt, die ebenfalls befremdlich sind: der Geschichtsunterricht vor dieser Zeit habe den Nationalsozialismus ausgeklammert - daran kann ich mich nicht erinnern; auch ist es wohl nicht richtig, dass „fast alle" in „der Partei" waren.
Trotz dieser undurchdacht wirkenden Passagen ist das Buch insbesondere denjenigen zu empfehlen, die über eine Menge der Ideen der Bildungspolitik den Kopf schütteln.
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