Unbestritten erklärt sich die Geschichte des 20. Jahrhunderts in weiten Bereichen durch die Erfahrung des Ersten Weltkrieges. Welche Erfahrungen dies im Einzelnen waren, geht der hier angezeigte Sammelband nach. Die Herausgeber betonen in ihrer Einleitung, dass sie naturgemäß dem Gegenstand in seiner Totalität mit nur einem Buch nicht gerecht werden können. Stattdessen legen sie Wert darauf, dass der gegenwärtige Forschungsstand anhand ausgewählter Bereiche angemessen dargestellt wird.
In drei Großkapiteln - „Kriegsbeginn", „Kriegführung" und „Schatten des Krieges" - entfalten die angloamerikanischen Autoren ein breit angelegtes Panorama des Ersten Weltkrieges. Hervorheben möchte ich nur die Untersuchungen von William C. Fuller über „Die Ostfront" und Holger H. Herwig über „Von Menschen und Mythen - Gebrauch und Missbrauch der Geschichte und des Ersten Weltkrieges". Ganz besonders aber vermag Mary R. Habeck über „Die Technik im Ersten Weltkrieg - von unten gesehen" zu überzeugen. Den gewaltigen Wandel der Kriegführung durch die rasante Weiterentwicklung der Technik beschreibt sie aus der Sicht der Soldaten. Diese, so das Ergebnis ihrer Untersuchung, konnten die neuen Techniken nie vollständig beherrschen. Viel wichtiger war es, sich mit diesen zumindest vertraut zu machen, um so den Überblick nicht zu verlieren.
Alle diese Beiträge wandeln nicht in den ausgetretenen Pfaden bisheriger Forschung, sondern entwickeln, teilweise auf neues Archivmaterial gestützt, diese weiter. Insofern bringt dieses Buch auch dem Fachmann noch Erkenntnisgewinn, für den Laien stellt es einen ersten, wenn auch nicht unbedingt leichten Einstieg in das Thema dar.