Der Autor ist emerierter Professor für Neuere Geschichte und schrieb dieses Buch im Rahmen seiner Vorlesung über den 1. Weltkrieg. Das Buch ist sinnvoll in 30 Kapitel unterteilt und beginnt mit einem Überblick über den Forschungsstand, geht auf die Quellenlage ein und legt die wissenschaftliche Herangehensweise dar. Gerade für angehende Historiker sind diese ersten zwei Kapitel eine große Hilfe.
Allerdings konzentriert sich Salewski in seinem Werk auf die Politik- und Diplomatiegeschichte. Er behandelt ausführlich das Verhalten und die Handlungen der deutschen Führung. Dabei geraten die anderen Akteure der Mittelmächte, Entente und USA in den Hintergrund. Ab und an sind die wirtschaftlichen Entwicklungen des deutschen Reichs eingestreut. Der Autor benutzt dabei einen sehr anstrengend zu lesenden Schreibstil, inklusive vieler Schachtelsätze und Anwendung von sehr vielen lateinischen Redewendungen. Salewski unterfüttert den Text mit seinem scheinbar grenzenlosen Wissen und Anekdoten, sowie eigenen Wertungen und Kommentaren. Zudem zieht er immer wieder Parallelen zur Geschichte, angefangen bei der Antike (z.B. punischen Kriege) bis hin zum 11. September 2001. Insbesondere der 2. Weltkrieg wird in immer wieder angeführt. Dies alles führt dazu, dass der Leser sich anstrengen muss, die wichtigen Informationen über den 1. Weltkrieg aus diesem komplexen Gerüst an Wissen eines Professors heraus zu filtern.
Gravierender verhält es sich mit den militärischen Geschehnissen des Krieges. Diese werden zum größten Teil ignoriert und nur einige Ereignisse rudimentär behandelt. Auf Aspekte wie Stellungskrieg und Gaskrieg, die den 1. Weltkrieg von den vorangegangenen Kriegen unterscheiden, wird nicht eingegangen. Salewski schließt die Operationsgeschichte aus und verweist auf andere Literatur. Die Folgen des Stellungskrieges und Beispiele dafür wie Verdun und die Schlacht an der Somme, hält er sogar für nicht erläuterungsbedürftig. Selbst in den diesen Schlachten gewidmeten Kapitel, wird mehr das politische Geschehen der militärischen und politischen Führer geschildert, als das eigentliche Kampfgeschehen welches nur sehr knapp und mit vielen Statistiken wiedergegeben wird. Das Problem des Stellungskrieges und die damit verbundenen Schrecken und technischen Innovationen wie z.B. Gas bleiben nahezu unerläutert.
Man muss sich die Frage stellen, wieso 'Der Erste Weltkrieg' als Buchtitel gewählt wurde. Von der Bedeutung her schließt der Titel den gesamten Krieg ein. Salewski klammert jedoch die Militärgeschichte, die Kolonien sowie die Geschehnisse im Osten, Italien und Österreich-Ungarn nahezu aus, die letztendlich diesen Krieg zu einem Weltkrieg gemacht haben. Es bleibt abschließend festzuhalten, dass die Politik- und Diplomatiegeschichte Deutschlands im Ersten Weltkrieg ausführlich dargelegt wird. 595 Belege, Anmerkungen etc. in Form von Endnoten steigern die wissenschaftliche Verwertbarkeit dieses Werkes. Jedoch hat Salewski den Titel seines Buches durch das Weglassen elementarer geschichtlicher Bestandteile verfehlt. Hinzukommt der teilweise überfrachtete Schreibstil.
Man kann kein Buch über den Ersten Weltkrieg schreiben, ohne auf den Krieg im eigentlichen Sinne einzugehen. Von daher ist dieses Buch nur bedingt in den oben gezeigten Rahmen der deutschen Politikgeschichte zu empfehlen.