so lässt sich das Buch mit zwei Worten zusammenfassen. Schon im ersten Kapitel wird deutlich, dass eine ausgewogene Darstellung des Kriegsgeschehens oder gar eine eigene Analyse von den Verfassern keineswegs beabsichtigt ist. Hier wird erklärt, wie es zum Kriegsausbruch kommen konnte. Dazu wird aber nicht - wie eigentlich selbstverständlich - das Verhalten der Kriegsparteien gegenübergestellt, sondern lediglich das (Fehl-)verhalten der Deutschen Führung akribisch aufgezählt; England, Frankreich und Russland werden dagegen nicht einmal am Rande erwähnt.
Diese Art von "Geschichtsschreibung" zieht sich als roter Faden durch das Buch. So wird beispielsweise die Völkerrechtswidrigkeit des deutschen Gaskrieges, dem zehntausende Soldaten zum Opfer fallen, richtigerweise aufgezeigt. Dass die im Buch auch erwähnte Lebensmittelblockade der Briten, der zehntausende deutsche Zivilisten zum Ofer fallen, ebenfalls völkerwidrig war, hielten die Autoren für nicht erwähnenswert.
"Weder gestehen sie ihre Schuld am Ersten Weltkrieg ein, noch akzeptieren sie ihre Niederlage" ist der Kommentar zum Versailler Vertrag, eine ziemlich anspruchsvolle Forderung, wenn man sich etwa das Verhalten der Franzosen auf den von ihnen verschuldeten Krieg von 1871 betrachtet.
Der Friede von Brest-Litowsk ist dagegen (Zitat) "kompromisslos und machtbewußt: Russland verliert 90 Prozent seiner Kohlevorkommen, ein Drittel der Bevölkerung, usw. Um Versöhnung[...]geht es den Deutschen nicht". Man beachte: ukrainische oder finnische Bodenschätze und Bevölkerung gehören nicht der Ukraine oder Finnland sondern sind selbstverständlich Eigentum Russlands. Im Sinne der Versöhnung sind die im Laufe der Zeit zusammengeraubten Provinzen an Russland zurückzugeben.
Dass die Allierten selber keineswegs bereit waren, die (ihrem Verbündeten) Russland verloren gegangenen Gebiete im Vertrag von Versailles wieder zurückzugeben, wird dann im weiteren Text natürlich nicht erwähnt.
Nun ist es zwar nicht ungewöhnlich und unter deutschen Autoren wohl ein Gebot der "Political Correctness", dass Deutschland in Büchern über den 1. WK schlecht wegkommt, aber so plump habe ich es bisher noch nicht erlebt.
Fazit: Das Buch ist kenntnisreich geschrieben und bietet - auf Deutschland beschränkt - umfangreiches Faktenmaterial. Wer noch nichts über den Ersten Weltkrieg gelesen hat und sich an der tendeziösen Ausrichtung nicht stört, kann sie hier günstig einen guten Überblick verschaffen. Wer schon einiges über der 1. WK gelesen hat, sollte sich das Geld sparen.