Mit seiner Wergeland-Trilogie, den drei in sich geschlossene und sich ergänzende Romane bisher sind "Der Verführer" und "Der Eroberer" in Deutschland erschienen, hat sich Jan Kjærstad zu einen der bedeutendsten europäischen Gegenwartsautoren geschrieben. Der Fernsehmoderator und Schauspieler Jonas Wergeland porträtiert in seiner Sendereihe "Groß denken" norwegische Künstler, Forscher und Erfinder, deren Leben zu Legenden, ja international bedeutenden Persönlichkeiten geworden sind. Der erste Band der Trilogie ("Der Verführer") stellt Jonas Wergeland als den Interviewer, der allen alles und jedes entlockt, dar. Er begeistert nicht nur das gesamte norwegische Fernsehpublikum, verführt daneben etlichen Frauen scharenweise, sondern er revolutioniert auch mit seiner Sendereihe das norwegische Fernsehen. Im "Der Eroberer" - dem zweite Band der Wergeland-Trilogie - ist Jonas Wergeland Kariere dem Ende nahe. Er hatte die Leiche seiner Frau, Margrete Boec gefunden hat und wird folgerichtig des Mordes angeklagt. Ein Professor für Geschichte hat sich vorgenommen, die Biographie des einstigen Publikumslieblings und Frauenhelden zu schreiben. Doch nicht nur seine Materialsammlung ist enorm angewachsen, er hat den Kopf so voll, dass er keinen Anfang findet. Immer wieder verwirft er Seiten von der Einleitungen und Kapitel bis... eine geheimnisvolle Frau erscheint. Sie weiss genau über das gesamte Leben von Wergeland Bescheid; erleuchtet die Hintergründe und Zusammenhängen zwischen den einzelnen der öffentlich bekannten Sequenzen des Lebens von Jonas Wergeland. Kann ein Frauenheld zum Mörder der eigenen Frau werden? Hat er sie geliebt und waren seine Frauengeschichte nur die äussere Hülle, um der Welt zu gefallen und die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben? Der eigentliche Grund ist aber zu beweisen, dass Jonas Wergeland kein Mörder ist. Sie verändert sein Leben, indem sie es auf eine neue Weise erzählt. Die kleinen Geschichten sind brillant geschrieben, die aber keinen chronologischen Zusammenhang haben. Mal Kindererinnerungen, Fernsehalltag, mal Erzählungen als Jugendlicher, die Frau erzählt sie mal tragisch, aber auch oft humorvoll und der Sex kommt nicht zu kurz. Dieser Roman ist ein Sittenbild Norwegens Ende des 20. Jahrhunderts und verlang vom Leser eine grosse Portion an Phantasie, Wille und Einfühlungsvermögen. Mir hat der Ideenreichtum von Jan Kjærstad, seinen wunderbar erzählten Geschichten viele schöne Lesestunden beschert.